Ufo oder was?

Bei meinen täglichen Spaziergängen wurde ich heute völlig verunsichert. Dabei begann es recht harmlos, war es doch angenehm warm, mein geliebter Norweger-Pullover konnte im Schrank bleiben. Dort fand ich auch in einer Ecke ein fast vergessenes Kleidungsstück, falls es mal nicht regnen oder kalt sein sollte, ein T-Shirt.
Ein in tiefes Blau getauchter Himmel, keine Wolke zeigte sich, die Vöglein zwitscherten ein Lied und über mir ein seltsam großes Gebilde. Ganz in Gelb, es brannte leicht auf der Haut, was mochte das sein? War das die Gefahr aus dem All, worüber man ständig in diesen komischen Heftchen schrieb? Das Radio nannte es Sonne und dunkel erinnerte ich mich, früher war es so üblich in der Frühlingszeit.
Eigentlich wollte es nicht so recht zu dem gewohnten Landschaftseindruck passen. Nichts tropfte von den Bäumen herunter, Pfützen mussten nicht umgangen werden, nasse Füße waren plötzlich undenkbar. Es begann mir zu gefallen, bis ich IHN traf, jenen merkwürdigen Mann. Tag für Tag saß er auf der Parkbank, pünktlich um elf Uhr. Neben ihm eine prall mit Flaschen gefüllte Tüte aus dem Supermarkt, in der Hand eine Flasche Bier. Trinken konnte er nicht daraus, denn er schnarchte vor sich hin. Urplötzlich wurde er wach, nahm einen großen Zug, um danach ein sehr langes, lautes Bäuerchen in die Natur zu rülpsen. „Haben Sie keinen Stil? Unverschämtes Benehmen, so etwas …“ Eine vorübergehende Dame echauffierte sich lauthals voller Empörung. „Stil … watt willste? K..k..kl.. , hicks, klaro hab ich nen Stil, willste wohl mal, wat?“ Zusätzlich zündete er sich eine Zigarette an, ich machte einen Satz nach vorn, Abstand war das Gebot der Stunde, jetzt nochmals wichtiger, mögliche Explosionsgefahr! Seine alkoholischen Ausdünstungen ließen mich an meine Schulzeit denken, Siedepunkt von Alkohol, Entflammbarkeit usw., eigentlich müsste dieser Mann einen Gefahrengutaufkleber sichtbar angeheftet tragen.
Zwanzig Minuten später im Stadtpark. Eine Gruppe Jugendlicher Rocker machte Party. „Eh Alter, ich habe Corona!“ Provozierend baute sich ein Rocker vor mir auf. „Beneidenswert," entfuhr es mir, "Ich habe Karen, dagegen kann man sich nicht einmal impfen lassen.“ Etwas ratlos ließ ich die Gruppe zurück, während diese nun darüber diskutierte, wie das denn gemeint war.
Die Sonneneinstrahlung machte mich unternehmenslustig. Ungeachtet der großen Entfernung lief ich weiter Richtung Innenstadt. Lange habe ich sie nicht mehr gesehen, die Pia. Eine ausgesprochen sympathische Verkäuferin des berühmten original Düsseldorfer „Erdöls“. Natürlich hat das Erdöl auch einen nicht minder bekannten Handelsnamen, muss aber nicht extra erwähnt werden.
Auf dem Weg zu ihr lief mir das Bauchmonster über den Weg. Erst kam der Bauch, dann er … Anders lässt sich das nicht beschreiben. Heimlich dachte ich über den erweiterten Sinn eines Rollators nach. Leicht tiefer gelegt, könnte er bei Spaziergängen seinen Bauch darauf ablegen. Ich wollte es ihm schon als freundlichen Vorschlag unterbreiten, da wabbelte er bereits weiter zum Büdchen, Bierbauchpflege betreiben.
Als ich die geschlossene Eisbude am Markt passierte, wurde ich nachdenklich. Hier verkaufte eine ältere Dame nicht nur das beste Eis weit und breit, sondern ihre freundliche Art, dazu sehr fleißig, machte sie im ganzen Viertel beliebt und bekannt. Ich hoffe sehr, sie übersteht die aktuelle Situation schadlos und kann mir im Sommer wieder ein Nußeis verkaufen. Es ist einer meiner wenigen Pflichtbesuche.
Pia sagte ich, leider hatte sie ihren freien Tag. Ich habe aber auch ein Pech! Trotzdem schön zu sehen, dass ihre Kolleginnen alle putzmunter waren und auch bald wieder Erdöl anbieten dürfen.
Das große Brauhaus nebenan hatte einige Tische außen stehen, der lustige Portugiese jonglierte kunstvoll ein mit Bier gefülltes Tablet durch die Gästeschar. Selbstverständlich nicht, ohne einer der berühmten Sprüche abzulassen, wofür dieses Brauhaus bekannt schon immer war. „Du hast Dich überhaupt nicht verändert,“ grinste er mich an, „bist immer noch genau so hässlich wie früher.“ Grrrrrrrrrrrr … und Prost!
Auf meinem Rückweg kam ich an meiner Hausbank vorbei. Eine gute Gelegenheit mein Sparbuch vorzulegen und die Eingänge nachzutragen. Unbekannte Gesichter hinter dem Schalter. „Nanu,“ so wunderte ich mich, „wo ist denn dieser Herr …, ähm,“ der Name wollte mir nicht einfallen, „so ein langer Lulatsch mit flammendem Blick. Der war immer so nett. Meiner Oma hatte er zum 97zigsten Geburtstag einen Bausparvertrag angeboten, mit Sonderkonditionen bei mindestens 20zig jähriger Laufzeit.“ „Ach, den Kollegen meinen Sie. Der ist nicht mehr bei uns.“ Mehr war nicht in Erfahrung zu bringen. Allerdings war mir bekannt, er wollte immer hoch hinaus. Ob er nun deshalb im obersten Stock eines Hochhauses wohnt, oder ganz bescheiden in einer einstöckigen Villa zum Schnäppchenpreis, darüber sollen sich andere Menschen einen Kopf machen. Ich blätterte in meinem Sparbuch, es hatte sich gelohnt. Dazu wäre zu erwähnen, ich hatte auch eisern gespart, die letzten Jahre. Nun waren schon satte € 182,40 (mit Zinsen) mein ureigenes Kapital. Hurra, die finanzielle und soziale Unabhängigkeit rückt näher. Tirili!
Plötzlich lag ich im Krankenhaus. Eine fürsorgliche Krankenschwester schaute mich an. „Geht es Ihnen wieder besser? Sie hatten einen Sonnenstich und sind zusammengeklappt.“ Ach so, aber wieso Sonnenstich, woran merkt man das? Ich soll vor dem Zusammenbruch vor dem Plakat einer bekannten Umweltfanatikerin niedergekniet sein, einen Heiratsantrag gemacht haben. Dann hätte ich, sagt die Krankenschwester, verwirrende Aussagen gemacht haben, wie: Ich will keinen Atomstrom in Deutschland, importierter Atomstrom tuts auch, keine Kurzflüge von Hamburg nach München, Ponyexpress sollte wiederbelebt werden, Verdoppelung der schmalen Einkünfte von Umweltpolitikern und Vergessensbonus für Einkunftsmeldungen.
Tja, das muss wirklich ein Sonnenstich gewesen sein, ein recht heftiger sogar. Bitte bleiben Sie gesund!

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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