Trügerische Sicherheit: Mythen und Irrglauben rund ums Thema „Einbruch“

Die Einbruchzahlen sind seit einigen Jahren rückläufig. Und dennoch: Summiert man die Fallzahlen der Jahre 2015 bis 2020, so ergeben sich insgesamt 527.477 Einbrüche.
Davon ausgehend, dass pro Einbruch nicht nur eine Person Opfer der Tat wurde, sondern laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) im Bundesdurchschnitt rund zwei Personen in einem Haushalt leben, sind demnach über eine Million Menschen in den vergangenen 5 Jahren zu Einbruchopfern geworden.
Grund genug, das Thema „Einbruchschutz“ nicht aus dem Blick zu verlieren und sich durch Mythen und Irrglauben nicht in falscher Sicherheit zu wähnen. In unserer kleinen Übersicht zeigen wir die größten Irrtümer rund um das Thema „Einbruch“ auf.

Trügerische Sicherheit: Bei mir wird schon nicht eingebrochen…
Das unterschätzte Risiko: Alle 7 Minuten wurde im vergangenen Jahr in Deutschland eingebrochen. Allein mit einem Schraubenzieher ausgerüstet, hebelt ein Einbrecher in wenigen Sekunden ein ungesichertes Fenster auf und ist drin. Ob Einfamilienhaus, Stadtwohnung oder Landhaus, ungeschützt bieten sie alle eine Tatgelegenheit für Einbrecher und jeder kann Opfer eines Einbruchs werden.

Trügerische Sicherheit: Bei mir ist nichts zu holen…
Selbst wenn es stimmt, dass im eigenen Haus wenig zu holen ist – das weiß der Einbrecher ja nicht. Und mal ehrlich: Geld im Portemonnaie, Handy, Laptop, (ein wenig) Schmuck – das gibt es nahezu überall. Und was ist mit Erinnerungsstücken? Vielleicht rein materiell nicht viel wert, doch wenn der Einbrecher das nicht erkennt, sind auch diese Dinge meist unwiederbringlich verloren. Erbstücke, Urlaubserinnerungen, die über das Leben zusammengetragene Briefmarkensammlung… ihr Verlust ist bitter und unersetzlich.
Und Einbrecher stehlen noch mehr: Das Sicherheitsgefühl. Dass Unbekannte das eigene Zuhause unerlaubt betreten, durchsuchen und durchwühlen, geht vielen Einbruchsopfern bis ins Mark. Oft braucht es Monate bis das Sicherheitsgefühl zurückkehrt, immer wieder passiert es sogar, dass dafür ein Umzug nötig wird.

Trügerische Sicherheit: Ich bin ja versichert…
Und bekomme ich damit alles ersetzt? Vorsicht, auch wenn die Versicherung den rein materiellen Schaden ausgleicht, ideelle Werte kann sie nicht zurückbringen.
Für viele Einbruchsopfer wiegt zudem noch viel schwerer der Verlust des Sicherheitsgefühls – ein Ersatz durch die Versicherung ist nicht möglich. Die psychische Belastung durch einen Einbruch ist nicht zu unterschätzen!
Zudem aufgepasst: Entspricht die Hausratversicherung noch dem Hausstand? Eine Überprüfung des Vertrags ist sinnvoll und schützt vor Unterversicherung.

Trügerische Sicherheit: Der Hund passt auf
Einbrecher kommen, wenn niemand zuhause ist. Und wenn Herrchen oder Frauchen nicht da sind, ist auch der Hund oftmals mit unterwegs. Er geht spazieren, ist mit seiner Familie im Urlaub… Und wer sagt, dass der Hund auf Konfrontation geht. Er lässt sich vielleicht mit Leckerlis „bestechen“ oder ist einfach nur der liebste Schmusehund der Welt – und daher meist keine Gefahr für den Einbrecher.

Trügerische Sicherheit: Ich kaufe mir eine Alarmanlage…
Für die meisten Einbruchopfer ist es besonders schlimm, dass der Einbrecher reingekommen ist und die Privatsphäre nachhaltig verletzt hat. Einbruchmeldeanlagen können dies nicht verhindern, denn sie melden den geschehenen Einbruch lediglich. Daher rät die Polizei in erster Linie zu geprüfter, mechanischer Sicherheitstechnik für das eigene Zuhause. So kann der Einbruch direkt im Versuch stecken bleiben – der Einbrecher gelangt nicht ins Haus.
Alarmanlagen können im Einzelfall zusätzlich sinnvoll sein und den mechanischen Einbruchschutz gut ergänzen. Wer sich für eine Alarmanlage entscheidet, sollte darauf achten, dass es sich um eine geprüfte/zertifizierte Überfall- und Einbruchmeldeanlage handelt, die am besten von einem Fachbetrieb, der z. B. auf einem polizeilichen Adressennachweis für Errichter von Überfall- und Einbruchmeldeanlagen verzeichnet ist, installiert und betreut wird.

Trügerische Sicherheit: RC-1-N reicht völlig…
Das ist falsch. RC – die Abkürzung für „resistance class”, also Widerstandsklasse – ist eine Klassifizierung für Fenster und Türen, die auf ihre Einbruchhemmung nach DIN EN 1627 getestet wurden. Die Widerstandsklassen gibt es von 1 bis 6 – vom einfachen (1) bis zum höchsten (6) Schutz.
RC-1-N-Fenster und -Türen sind daraufhin geprüft, ob sie einem Einbrecher, der nur körperliche Gewalt einsetzt, standhalten. Doch die meisten Einbrüche werden von Tätern verübt, die Werkzeug mit dabei haben – und zwar einen Schraubenzieher. Damit reicht RC-1-N nicht aus.
Die polizeiliche Empfehlung für Privathäuser und Wohnungen: RC 2 bis RC 3. Denn Fenster und Türen, die in die Widerstandsklasse 2 eingeordnet sind, haben eine Prüfung mit Werkzeugangriff (Schraubenzieher, Keile, Zange) bestanden.

Trügerische Sicherheit: Ungeprüfte Sicherheitstechnik ist auch okay…
Ungeprüfte Sicherheitstechnik kann genauso gut sein wie die geprüfte, doch sie muss es nicht. Sicherheitstechnik, die eine DIN-Prüfung besteht, erbringt den stichhaltigen Nachweis, dass sie hält, was sie verspricht.
Mit der Prüfung des Sicherheitsprodukts geht zudem eine nach DIN vorgeschriebene Montage und ggf. Betreuung einher. Vertrauen in ein Produkt ist gut, Kontrolle durch ein unabhängiges Prüfinstitut ist besser – insbesondere, wenn es um die eigene Sicherheit geht!

Trügerische Sicherheit: Ich habe alles gut versteckt…
Aber vermutlich nicht gut genug. Einbrecher kennen jedes Versteck und durchwühlen es wieselflink bis sie alles gefunden haben. Zurück lassen sie ein großes Chaos. Für viele Einbruchsopfer ist das einer der schlimmsten Eindrücke: aufgerissene Schränke, auf den Boden geschmissene Wäsche, zerbrochenes Porzellan – noch intimere Einblicke konnte der Täter nicht bekommen.
Und auch das dann folgende Prozedere ist belastend. Aussagen bei der Polizei, Schadensmeldung bei der Versicherung, aufräumen. Sind alle Unterlagen da, damit die Versicherung zahlt? Und warum musste das eigentlich mir passieren? Kommt der Täter vielleicht noch einmal wieder?
Polizeilicher Opferschutz hilft bei einem Einbruch – Polizeiliche Prävention hilft dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht so weit kommt.

Falsches Vorurteil: Einbrecher kommen eh überall rein…
So präsentiert es zumindest das Fernsehen. Die polizeiliche Erfahrung zeigt jedoch eine ganz andere Realität. Die wenigsten Einbrecher sind hoch ausgerüstete „Profis“ – die meisten Langfinger sind Gelegenheitstäter, die einfach nur einen Schraubenzieher mit dabei haben. Traurige Wahrheit: Mit einem Schraubenzieher brechen die Täter in wenigen Sekunden ungesicherte Fenster und Türen auf – meist ohne großen Schaden an Fenster oder Tür anzurichten.
Die gute Nachricht: Mit mechanischer Sicherheitstechnik – ob Pilzkopfzapfen in der Terrassentür oder Aufschraubsicherungen an Fenstern – kann man die Gelegenheitstäter vom Einbruch abbringen. Denn durch mechanische Sicherheitstechnik stiehlt man dem Dieb etwas sehr Wertvolles: Zeit. Das Risiko für ihn, entdeckt zu werden, steigt mit jeder Sekunde – er bricht die Tat ab.

Falsches Vorurteil: Einbrechern sollte man sich entgegenstellen…
Stopp! Hier kann es gefährlich werden. Wer einen Einbrecher entdeckt, sollte sich ihm nicht in den Weg stellen. Der Täter will unerkannt bleiben und vermeidet nach Möglichkeit jede Konfrontation. Wird ihm diese jedoch aufgezwungen, kann das böse enden. Daher empfiehlt die Polizei: Lassen Sie den Täter unbehelligt und rufen Sie stattdessen sofort die Polizei unter 110 an, geben Sie eine möglichst genaue Beschreibung des Täters und ggf. seines Fluchtwagens durch.

Falsches Vorurteil: Einbrecher kommen in der Nacht…
Kann passieren, ist aber eher selten. Einbrecher wollen nicht das Risiko eingehen, gesehen zu werden, daher kommen sie vor allen Dingen dann, wenn niemand zu Hause ist. Schulzeit, Arbeitszeit und Zeiten fürs Einkaufen oder für Hobbys nutzen die Täter für ihre Einbrüche. Dunkelheit mögen sie natürlich trotzdem, bietet sie doch einen guten Schutz vor neugierigen Blicken. Die Konsequenz: Die meisten Einbrüche werden von den Tätern in der dunklen Jahreszeit verübt, wenn sie die frühe Dämmerung ausnutzen können.

Mehr Informationen zu Täterarbeitsweisen, Schwachstellen am Gebäude, sinnvoller Sicherheitstechnik und richtigem Verhalten bieten die Polizeilichen Beratungsstellen deutschlandweit kostenlos und kompetent.
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Das Netzwerk "Zuhause sicher" ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Verbesserung des Einbruchschutzes und der Brandvorbeugung in Privathaushalten einsetzt. In dieser Initiative arbeiten seit 2005 öffentlich-rechtliche Institutionen und privatwirtschaftliche Unternehmen zusammen, um Bürger eine Begleitung auf dem Weg zum sicheren Zuhause anzubieten. Für sein Konzept wurde das Netzwerk "Zuhause sicher" mit mehreren Preisen national und international ausgezeichnet.

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