Lebenslauf als Karrieresprungbrett

Immer wieder wird bei Bewerbungen ein Lebenslauf verlangt. Kann tabellarisch sein, eventuell auch ausführlicher, aber man sollte unbedingt bei der Wahrheit bleiben. Trotzdem ist die Art der präsentierten Aussage von entscheidender Wichtigkeit. An folgendem Beispiel möchte ich das verdeutlichen:
Hansi Blöd, ein bescheiden talentierter Schüler möchte auf das Gymnasium. Schon im Probeunterricht fiel er als minimal geeignet auf. Nach dem Wechsel verblieb er dann 6 Wochen auf der höheren Lehranstalt, kehrte dann in die Hauptschule zurück und besetzte jede Klasse zweimalig, bevor er mit viel Glück gerade noch so das Klassenziel erreichte. Die anschließende Lehre durfte er bereits in der Probezeit beenden, die nachfolgenden ebenso. Seine Eltern spendierten ihm ein Flugticket nach Amerika, dort sollte er sein Glück machen.
Er begann in einer Fast-Food-Kette, wo nach wenigen Wochen die dreiwöchige Schulung zum Salatanmischer auf der University of Hamburger sogar mit Abschlußprüfung bestand.
Dermaßen fachlich qualifiziert kam er zurück nach Deutschland, wo er sich großmundig bei verschiedenen Firmen um einen höheren Posten bewarb; womit wir zum Thema ansprechend geschriebener Lebenslauf kommen. Kompakt muss er sein, informativ im Inhalt mit Verweis auf vorhandene Qualifikationen. Die Personalen müssen entzückt sein, wenn sie alles durchgelesen haben. Daher nutzte Hansi die Methode nach ALMA, um sich zu präsentieren:
… schon während der Schulzeit offenbarte sich großer Wissensdurst, was mich veranlasste auf ein Gymnasium zu wechseln. Nachdem ich das Klassenziel erreichte und die schulische Ausbildung abgeschlossen hatte, widmete ich mich dem Praktikum in verschiedenen Bereichen. Ausgestattet mit nun umfassendem Grundwissen verzog ich in die USA, wo ich erfolgreich gesunde Ernährungswissenschaft studierte. Obwohl ich dort sehr geschätzt wurde, möchte ich mein zahlreiches Wissen Ihrem Unternehmen zur Verfügung stellen …
Das las eine Parteisekretärin der Gesund-Partei und war begeistert. Solch eine Person brauchen wir im Vorstand und machen sie zum Kanzlerkandidaten! In USA studiert, kann nicht jeder von sich behaupten, und dann noch ganz im Sinn unserer Partei, was für ein Glücksfall!!!
Nahezu geschlossen wurde Hansi von den Mitgliedern zum ersten Mann der Partei gewählt.
Unangenehm wurde es für ihn aber, als ein Reporter unseren Hansi im Interview zu Plänen zukünftiger Verteidigungspolitik befragte. „wissen Sie“, Hansi stotterte etwas herum, „ich komme ja aus der Ernährungswirtschaft“. Aha …
Wir müssen zugeben, gesunde Salate haben auch etwas, nur was genau?
Der Werbeslogan der Partei war allerdings wirklich gelungen. „ Wir machen keinen politischen Spagat, wir haben Hansi und mit ihm den Salat …“
Hoffentlich bleibt der uns nicht im Hals stecken …

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Ulli Zauner

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