Kosmetik für den Lebenslauf

Ein neuer Beruf macht von sich Reden: Der Vita-Kosmetiker! Quasi als Start-Up frisch ins Leben gerufen, berät und verschönert er im Fall langweiliger Lebensläufe diese zur Perfektion. Das ist besonders dann wichtig, wenn man sich um ein bedeutungsvolles Pöstchen bewirbt.
Rekonstruieren wir doch mal ein solches Ereignis, natürlich ohne Bezug zu realen Personen, denn was nun kommt, ist einfach undenkbar in der alltäglichen Wirklichkeit. Weist jedoch die Notwendigkeit nicht von der Hand.
Lisbeth Trulla, langsam auf die 50 zugehend und bisher überwiegend unbeachtet, will unbedingt noch was aus sich machen. In ihrem Turnverein „Bessere Welt e.V.“ möchte sie die Vorturnerin werden. Mit einer leidenschaftlichen Rede, von ein paar charmanten Versprechern und geschönten Fakten abgesehen, wählte man sie übereinstimmend zur Kandidatin. Ihr Mitbewerber, ein Kinderbuchautor, ermahnte sie noch eindringlich, den Leuten keinen Sch … zu erzählen. Märchen tun es auch, er verfügt diesbezüglich über entsprechende Erfahrung. Wer ihn kennt, glaubt das auch.
Die Mitglieder und Förderer jenes Turnvereins verlangten nun eine ausführliche Vita, man will ja wissen mit wem es künftig zu tun hat. Damit begannen die Karriereträume zu zerfließen. Unsere Lisbeth war nämlich der Typ: Tausend Dinge zu beginnen, nichts zu vollenden, doch in Eigenschwärmerei verfangen, sich als lebenserfahren und extrem gut ausgebildet zu präsentieren. Heimlich übte sie bereits vor dem Kleiderschrankspiegel wie man wirkungsvoll posen kann, den Freunden des Spagats und Schwebebalkens eine richtig tolle Frau Trulla vorzuführen. Zu erwähnen ist hierbei, sie konnte perfekt eine Grätsche machen.
Wäre da nicht die Sache mit der Vita … das bereitete Kopfschmerzen.
Der Vorsitzende eines anderen Sportvereins aus dem Nachbarort ließ nämlich verlautbaren, Trulla würde es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Unter anderem hätte sie für einige Geräteproduzenten als Beraterin gearbeitet. Au Backe, das haute rein. Ja, gab sie zu, aber ehrenamtlich. Es ging nur um die ergonomische Gestaltung der Geräte zum Wohl aller Sportler. Gehalt habe sie dafür nicht, genauer: Niemals und nimmer nicht bekommen. Recherchen ergaben dann den Bezug von „Aufwandsentschädigungen“. Ähnliches geschah mit einer Fabrik die Klimageräte vertrieb. „Ich wollte nur der Umgebung zuliebe gutes Klima schaffen. Der übliche Schweißgeruch in den Sporthallen entspricht nicht mehr dem Zeitgeist einer sauberen Welt.“ Trulla verstand die Kritik absolut nicht. Sie denkt an die Menschen und niederträchtige Neider unterstellen ihr die schlimmsten Dinge. Der schöne Schein verdunkelte sich weiterhin, doch nun kommt der Vita-Kosmetiker und zaubert ihr einen untadeligen Lebenslauf, der alles vergessen lässt. Lisbeth Trulla, alternativlos die beste Vorturnerin aller Zeiten!
Curriculum Vitae: Lisbeth Trulla
Schon früh entdeckte Lisbeth ihr Talent zur Turnerei. In der schulischen Ausbildung hatte sie Dauerbestnoten im Sport, die ihr letztendlich das Matura bescherten. Gestärkt durch diese Ausbildung lag es auf der Hand, das in greifbare Nähe gerückte Ziel einer Führungsrolle innerhalb biegsamer Turner anzustreben.
Zu diesem Zweck besuchte Lisbeth Trulla in kleineren Zeitsprüngen verschiedene Institute und Universitäten, sogar im Ausland, denn mit verschiedenen Zungen zu sprechen lag ihr gleichfalls. Man kann von einem Universal-Talent sprechen.
Im Verlauf umfangreicher Kenntniserlangung übte sie die verschiedensten Tätigkeiten erfolgreich aus. Dabei ist ihre natürliche Bescheidenheit besonders auffällig. Als sie einmal einen Bonus mit Applaus und Bestnoten für ihren Einsatz bekam, schwieg sie darüber. Mit verdienten Anerkennungen zu prahlen, ist keine Eigenschaft von Lisbeth Trulla, sie möchte etwas bewirken, statt sich selbst Vorteile zu verschaffen.
Dazu zählen zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten. Stets dem Wohl der Sportler verpflichtet, schreitet Lisbeth durch ein Leben, geprägt von Erfolg und Liebe zum Menschen.
Das Schwimmen liegt ihr besonders am Herzen. „Ich schwimme, wo immer es geht, eigentlich in jedem Teich“, soll sie mal gesagt haben. Mögen die Wellen um sie herum auch noch so hoch schlagen, Lisbeth teilt die Wogen wie eins Jesus von Nazareth.
Kaum war diese Vita öffentlich an der Tür der Turnhalle angeschlagen, strömten begeisterte Vereinsmitglieder zum Haus von Lisbeth, Jubelrufe, Blumen flogen, egal was auch immer die Schreiberlinge vom Vereinsblatt über sie geschrieben haben, es verbleibt nur eine Zukunft mit Lisbeth.
Und so träumte sie von ihrer Wahl, bis es heißt: Es war einmal …

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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