Wirtschaft muss den Menschen dienen

(Kempen) – „Eigentum verpflichtet! Daher hat die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl zu dienen“. Mit dieser Aussage machte Gerald Morgner, Referent des Abends zur Gemeinwohlökonomie, auf die verfassungsmäßige Basis der Gemeinwohlökonomie aufmerksam. Leider falle Verfassungsauftrag und Verfassungswirklichkeit derzeit deutlich auseinander.

Auf der Veranstaltung am Montagabend in Kempen stellte Gerald Morgner die Gemeinwohlökonomie dar. Er ging folgenden Fragen nach:

Ist die Gemeinwohlökonomie als zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell?

Ist unsere Wirtschaft noch zu retten?

Wie sieht ein nachhaltiges Wirtschaftssystem aus?

Und wie können wir wirtschaftliche Entscheidungen systematisch in Einklang bringen mit Grundwerten wie Nachhaltigkeit, Klimaneutralität, Gerechtigkeit oder Menschenwürde?

In diesem interaktiven Vortrag wurde die Gemeinwohlökonomie nicht nur als theoretisches Modell für eine Nachhaltige Zukunft vorgestellt, sondern auch anhand praktischer Beispiele deren Umsetzung erläutert. Im Mittelpunkt wird hierbei die ganzheitliche Gemeinwohl-Bilanz stehen, anhand derer Unternehmen ihre wirtschaftliche Tätigkeit darlegen. Nachhaltiges Wirtschaften wird somit bewertbar und kann entsprechend gefördert werden. Hierdurch bringt die Gemeinwohlökonomie Umwelt und das Wohl der Gemeinschaft in Einklang.

Gemeinwohl muss auch stärker Eingang ins Verwaltungshandeln finden.

Daseinsvorsorge ist Teil der Gemeinwohltätigkeiten der Kommunal- und Landesverwaltung. Daraus resultierend spielen die Kommunen eine Schlüsselrolle, die eine enorme Breitenwirkung erzielen und so Multiplikatoren der GWÖ sein können, denn auch Kommunen können eine Gemeinwohlbilanz erstellen. Insbesondere im Rahmen ihrer Wirtschaftsförderung stehen dem Land und den Kommunen zahlreiche Möglichkeiten zur Verankerung der GWÖ zur Verfügung, z.B. die Bekanntmachung der GWÖ in den lokalen Medien, Veranstaltungen mit GWÖ-Pionieren aus der Unternehmerschaft etc.

Das Vergaberecht bietet gemeinwohlorientierten Handlungsspielraum.

Hieraus leiten sich Anforderungen an die lokale Wirtschaftspolitik ab: Öffentliche Unternehmen und Einrichtungen sollen, als ökologisch-soziale Ergänzung zur Finanzbilanz, eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen und damit aktiv ihren Beitrag zum Gemeinwohl darstellen.

Für die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz von privaten Unternehmen sollen Maßnahmen der Wirtschaftsförderung systematisch an das Ergebnis einer Gemeinwohl-Bilanz geknüpft werden.

Die in Folge beschriebenen Maßnahmen gelten für Unternehmen, die durch die Kommunen gefördert werden können. Förder- und Konjunkturmaßnahmen wie Förderdarlehen, Gründungszuschüsse, Bürgschaften, Neuansiedlung von Unternehmen, Baugenehmigungen, (digitale) Infrastrukturförderung, sollen im Sinne des Gemeinwohls in Abhängigkeit vom (positiven) Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnis vergeben werden.

Einkauf und Auftragsvergabe sollen unter Einbeziehung ökologischer und sozialer Kriterien erfolgen. Eine positiv auditierte Gemeinwohl-Bilanz wird als ein Kriterium bei der Vergabe herangezogen.

Investitionsentscheidungen müssen entsprechend ihrer ökologischen und sozialen Auswirkungen bewertet und getroffen werden.

Gerade die aktuellen Katastrophen zeigen, dass widerstandsfähige Liefer- und Wertschöpfungskette in den Regionen sehr wichtig sind. Regionale Produktion und Wirtschaftskreisläufe sind daher zu bevorzugen. Internationalität und lokales Wirtschaftshandeln müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Kreislaufwirtschaft heißt von der Natur zu lernen. Alles wird in der Natur wiederverwertet. Über verschiedene Phasen und Zwischenprodukte wird dies immer wieder verwendet und dient damit anderen zum Leben. Deshalb sind Produkte immer wieder zu reparieren und umzunutzen.

Die Natur produziert keine Müllberge. Sie ist ein geschlossenes Kreislaufsystem. Dies muss in allen Bereichen unseres Handelns adaptiert werden. Das ist dadurch zu erreichen, dass bereits bei der Förderung von Rohstoffen und deren Verwendung die Rückführung in einen verwendbaren „Rohstoff“ gewährt und bereits bezahlt werden muss. Dadurch führt das Recycling zu einem Upgrading. Eine krisenfestere Wirtschaft ist ein positives Ergebnis.

Zur Person des Referenten:

Gerald Morgner begann seine Karriere neben seinem Studium der Rechtswissenschaften im APDC (Application Development Center) bei IBM. 1993 gründete er ein kleines Beratungs- und Implementierungssoftwarehaus, welches sich mit betriebswirtschaftlicher Software beschäftigt. Anschließend wechselte er in das Top-Management mehrerer international agierenden und börsennotierten SCM (Supply-Chain-Management) Softwarehäuser, bis er 2008 -2012 die Mitverantwortung für ein kleines Produktionsunternehmen übernahm. Danach ging er wieder zurück in sein ursprünglich gegründetes Unternehmen.

Seit geraumer Zeit beschäftigt sich Gerald Morgner mit alternativen Wirtschaftssystemen. Durch seine beruflichen Erfahrungen ist Gerald Morgner überzeugt, dass der Mensch in den Mittelpunkt des Wirtschaftens gehört. Vom wirtschaftlichen Erfolg profitieren nur wenige, für Schäden kommt die Gesellschaft auf.

Dieses und vieles mehr veranlasste ihn sich selbst vom Unternehmer zum zertifizierten Gemeinwohl-(GWÖ)-Referenten und Berater zu transformieren undversucht so ein anderes Bild vom Wirtschaften zu vermitteln, als sich der Lehre der Allmacht des Kapitalismus hinzugeben.

Mitglied bei der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) seit 2019 und in diversen GWÖ Arbeitsgruppen tätig. Ebenso durch sein politisches Engagement versucht er die Grundwerte der GWÖ politisch und gesellschaftlich zu etablieren.

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