Tierquälerei bei Tönnies-Zulieferer: Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren ein

Nach Aufdeckung von Tierquälerei bei Tönnies-Zulieferer in Rheda-Wiedenbrück: Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen die Zahlung eines Geldbetrages ein

Im Juli 2020 hat das Deutsche Tierschutzbüro Bildmaterial aus einem Tönnies-Zulieferbetrieb in Rheda-Wiedenbrück veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigten katastrophale Zustände in einer Schweinemast, in der ca. 3.000 Tiere in zwei Hallen gehalten werden. Viele der Schweine litten an Verletzungen, die ganz offensichtlich nicht behandelt wurden. "Unzählige Schwänze und Ohren waren blutig gebissen, der Mäster hätte hier einschreiten müssen, tat es aber nicht" kritisiert Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro. Im Video sieht man in einer Szene ein hervorstehendes, stark geschwollenes und blutiges Auge eines Schweins, das vermutlich auf diesem Auge erblindet ist. Eine andere Szene zeigt einen unbehandelten, Tennisball großen Abszess an einem Ohr. "Solche gravierenden Verletzungen und Entzündungen passieren nicht über Nacht, hier scheint der Mäster seiner Fürsorge und Verantwortung nicht nachgekommen zu sein" so Peifer. Das zeigte sich auch an den hygienischen Zuständen, u.a. drückte in einigen Bereichen der Mastanlage die Gülle durch die Spaltenböden nach oben. Zu einem vernichtenden Ergebnis kam auch Univ.-Prof (i.R.) Dr. Siegfried Ueberschär in einem Kurz-Gutachten. Er sah dringenden Handlungsbedarf und den Tatvorwurf der Tierquälerei erfüllt.
 
Die Tierrechtler*innen hatten damals sofort das zuständige Veterinäramt informiert. Dieses fand bei einer eingeleiteten Kontrolle die beschriebenen Missstände vor. Einige der Tiere mussten notgetötet werden. Bei einer durchgeführten Obduktion durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe (CVUA-OWL) wurde bei einem Tier eine massive, bis in den Knochen reichende, eitrigabszedierende Entzündung der hinteren rechten Gliedmaße (inkl. Sehnen und Nerven) mit Fistelbildung und handflächengroßer Ulzeration der Haut festgestellt. Diese Verletzungen hatte das Tier mindestens seit 10 Tagen und wurden nicht behandelt, so das Untersuchungsamt. Damit seien dem Schwein erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt worden, so das CVUA-OWL. Auch wurde bei der Kontrolle vom Veterinäramt eine Überbelegung der Besatzdichte festgestellt, zudem waren zu wenige Wassertränken für die Tiere vorhanden. Krankenbuchten fehlten ebenfalls, diese sind jedoch gesetzlich vorgeschrieben. Die Zustände vor Ort waren so gravierend, dass das Veterinäramt selbst Strafanzeige gegen den Betreiber erstattete.

Auch das Deutsche Tierschutzbüro hatte damals Strafanzeige erstattet und als Beweis das entstandene Videomaterial beigelegt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat daraufhin zwei Verfahren eröffnet. Zum einen wurde gegen den Sohn und den Vater ermittelt, da die Videoaufnahmen in 2 Schweinemasthallen entstanden sind (die unmittelbar nebeneinanderliegen und verbunden sind). Die eine Halle wird vom Sohn (Aktenzeichen: 756 Js 1259/20) und die andere Halle vom Vater betrieben (Aktenzeichen: 756 Js 1187/20). In beiden Hallen wurden Missstände von den Tierrechtler*innen dokumentiert und auch vom zuständigen Veterinäramt festgestellt. Das Verfahren gegen den Sohn wurde nun gegen die Zahlung von 600 Euro eingestellt. "Das ist ein Skandal. Solch ein Tierquäler muss sich vor Gericht verantworten und gehört ins Gefängnis" so Peifer und ergänzt "durch das Videomaterial und auch durch die Behörden wurde dem Sohn eine Straftat nachgewiesen, ich verstehe nicht, warum nicht durchgegriffen wird".

Der Betrieb war in der Vergangenheit ein Zulieferer der Firma Tönnies. Damals verschickte die Firma eine Stellungnahme. "Verstöße gegen den Tierschutz akzeptieren wir grundsätzlich nicht", gab der Stabsstellen-Leiter Landwirtschaft bei Tönnies zu Papier. "Bei nachweisbaren Verstößen werden wir konsequent handeln." Wie konsequent Tönnies handelt zeigt sich daran, dass der Skandal-Betrieb nur kurze Zeit gesperrt war und bereits seit letztem Jahr wieder an Tönnies liefert. "Ein Durchgreifen sieht anders aus. Am Ende geht’s Tönnies offenbar doch nur ums Geld" kritisiert Peifer.

Es war bereits der fünfte Fall von Tierquälerei, den das Deutsche Tierschutzbüro aus einem Zulieferbetrieb von Tönnies in die Öffentlichkeit gebracht hatte. In den anderen Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft noch.

Eine Übersicht der Recherchen und der Kampagne "Tönnies tötet" finden Sie hier: https://www.tierschutzbuero.de/kampagne-toennies-toetet/

Das Verfahren gegen den Vater (Aktenzeichen: 756 Js 1187/20) wurde eingestellt, hier wird das Deutsche Tierschutzbüro Beschwerde einlegen.
  
"Immer wieder decken wir und auch andere Organisationen massive Tierschutzverstöße auf. Ich kann nicht verstehen, warum Menschen immer noch Fleisch und tierische Produkte essen, denn wir können dieses System der Tierquälerei nur beenden, indem wir aufhören Tiere zu töten" so Peifer abschließend.

  
Weitere Informationen zu dem Fall unter https://www.tierschutzbuero.de/toennies-toetet
Weitere Informationen zu Tönnies Kampagne unter https://www.tierschutzbuero.de/kampagne-toennies-toetet/

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