Hi-Fi mit und ohne Zauber

Bevor nun die ersten Musikliebhaber mit einer Schimpfkanonade beginnen, auch ich bin durchaus ein Freund bestmöglicher Musikwiedergabe. Aus diesem Grund beobachte ich den Markt und dessen Veränderungen recht genau. Dazu gehören auch Tests von einigen sehr angesagten Fachzeitschriften, deren Urteil bezüglich einer Gerätequalität durchaus den Tatsachen entspricht. Doch genau hier beginnt das Dilemma für den zukünftigen Besitzer einer guten Anlage.
All die vielen Tests und Meinungen verwirren viele Leser. Hat man sich nach längeren Überlegungen nun für ein Gerät entschieden, gibt es plötzlich wieder neue Tests und neue Geräte, natürlich müsste man demnach alle paar Wochen alles neu kaufen.
Nein, das stellt die Artikel nicht in Frage, denn wenn ein Verlag nicht ständig seine Ausgaben aktualisiert, liest das kein Mensch mehr. Obendrein ist da noch ein kleines weiteres Manko, als Autor solcher Beiträge, allen Fachwissens zum Trotz, wird man auch schnell einmal Opfer eines neuen Trends. Beginnen wir einmal mit Stereo-Verstärkern:
Seit geraumer Zeit gibt es immer mehr Geräte ohne Klangregelbausteine. Erklärt wird das mit Purismus im Musikgenuss, Sie hören es so, wie der Tontechniker im Aufnahmeraum, sagt die Reklame gerne. Doch will die breite Masse das wirklich? Zuerst einmal ist die heimische Akustik im Wohnzimmer sicherlich komplett anders geartet als im Tonstudio. Demnach klingt es sofort verändert. Selbst bei besten Geräten in der Preisklasse eines teureren Neuwagens ist das nicht anders. Manche Wohnausstattung dämpft zu stark einzelne Frequenzbereiche, schon ist der gehörte Klang eventuell nicht der, den man sich wünschte. Sogar die Raumtemperatur hat Einfluss auf die Verbreitung von Frequenzen innerhalb des Hörbereichs. Messmikrofone können helfen, doch spätestens dann verbleibt die Frage, wie möchte es der Hörer am Schluss wahrnehmen?
Zugeben will ich gerne, ich habe einige „bessere“ Verstärker ohne Klangregelung gehört und es gab nichts zu kritisieren, die Wiedergabe war ohne Fehl und Tadel, klanglich top. Aber es hängt wirklich davon ab was man in den CD-Player schmeißt. Kleines Beispiel: manch ältere CD-Transfers klingen recht blechern, oder eine CD kommt mit recht starken Bässen daher, schön wenn dann ein Klangregler zu einer Verbesserung führt. Auch sonst profitiert der Hörer von der Möglichkeit, denn nicht jeder hat das perfekte Gehör bis in ein hohes Alter hinein. Zwar sagen die Entwickler der Hi-Fi-Industrie eine Klangregelung verdirbt den guten Klang, doch das ist die Theorie, die Praxis bestätigt es nicht in jedem Fall, zumal bei manch guten Verstärkern ein Relais die Regelung übergehen kann. Lassen Sie einfach Ihre Ohren zu Ihnen sprechen. Noch ein letztes Beispiel: Ich kaufte vor vielen Jahren eine DVD mit dem Film: Der Name der Rose. Zu meinem Entsetzen war die Tonwiedergabe ausgesprochen muffig. Also Bass raus, Höhen angehoben, schon war der Ton besser verständlich, wenn auch nicht wirklich schöner. Klangregelung hat schon seine Vorteile.
Noch verwirrender sind die Aussagen über Plattenspieler, deren Produktion seit Jahren boomt. Nur durch den Riemenantrieb ist das beste Ergebnis zu erzielen, Direktantrieb verursacht Störungen. Viele Jahre wurde so argumentiert, doch stimmte das auch? Zumindest in der Konsumer-Klasse konnten Störungen messtechnisch ermittelt werden. Das man die auch hörte, bleibt etwas unglaubwürdig. Der seinerzeit beliebte und preislich im erschwinglichen Rahmen gehaltene Dual 721 nutzte bereits den Direktantrieb und hatte damit großen Erfolg, Technics mit seiner DJ-Serie ebenfalls. Und seit Kurzem, man soll es nicht glauben, wird der Direktantrieb wieder in den meisten hochpreisigen Plattendrehern verbaut und gelobt, gelobt, gelobt … von Störungen wird nicht gesprochen. War ohnehin in erster Linie eine Frage der Abschirmung. Sich verändernde Spannungen im Stromnetz und dadurch mögliche Gleichlaufschwankungen sind dank moderner Elektronik längst kein Thema mehr.
Lautsprecher sind ein Ding für sich. Hier gab es im Verlauf der Jahre viele Werbeaussagen, die wirklich noch schlimmer als nur „daher gesagt“ waren. U.a. kam von einer deutschen Firma vor etlichen Jahren der Satz: Unsere Boxen sind aus Kirschholz, wie gute Instrumente, damit es klingt. Kein Voodoo, noch schlimmer als das, totaler Unsinn!!!
Es ist auch nicht immer so, dass große Boxen grundsätzlich besser klingen als die kleinen Satelliten. Wie zuvor hängt es hier u.a. extrem entscheidend vom Aufstellungsort ab. Manche klingen gut in Wandnähe, andere brauchen etwas luftigen Abstand, Verstärker und Boxen müssen unbedingt miteinander harmonieren, sonst bleibt das Erlebnis enttäuschend. Aus diesem Grund bieten Fachhändler oft die Möglichkeit, verschiedene Boxen bei Ihnen Zuhause zu testen. Machen Sie sich die Mühe und gehen Sie darauf ein, nur so kommen Sie zum optimalen Ergebnis. Ein „kleiner“ Regallautsprecher kann weitaus mehr Klangbühne zaubern als eine billige große Box.
Etwas anders ist es mit den Kabeln. Sie können ein Kabel von einem Meter Länge für € 1,00 kaufen, oder sogar für über € 1000,00. Das ein besonders preiswertes Kabel nicht den Klanghimmel auf Erden versprechen kann, dürfte einleuchtend sein. Das die extrem teuren Strippen besser klingen, stimmt schon, nur verbleibt die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Im Verhältnis zum Extrempreis kann man allerdings Kompromisse schließen und für etwas mehr Geld gegenüber den Billigstrippen bereits recht ordentliche Qualität bekommen. So ganz am Rand angemerkt, in den Tonstudios finden Sie häufig recht billige Kabel, die mit einer 100-Volt Technik betrieben werden, das gleicht viele Klangverluste aus. Lassen Sie sich also nicht verunsichern, vertrauen Sie auf renommierte Hersteller und es gibt auch zu allgemein erschwinglichen Preisen gute Kabel. Wer technisch versiert ist, sollte sich vorab ein Datenblatt ansehen, die dort eingetragene Kapazität sagt nämlich schon etwas über die Klangübertragung aus. Zum Beispiel: Kräftig, schlank, oder sehr transparent; usw. usw.
Letztendlich gilt ebenso: Der Glaube versetzt Berge, viele Versprechen beinhalten auch Voodoo, also ein wenig kritisch bleiben, Zeit investieren und hören, hören, hören. Am besten mit ein paar eigenen CD´s, wozu gute Fachhändler übrigens raten, dann werden Sie fast unabhängig vom Preis die für Sie optimale Anlage finden.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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