Leseprobe aus „Der Fluch der Moorhexe“

Am nächsten Morgen zog der Duft nach gebratenem Speck durch das Haus. Georgina saß bereits am Tisch und aß mit gesundem Appetit. „Guten Morgen“, sagte Beth fröhlich.
„Guten Morgen“, erwiderte Eileen und ließ sich müde auf einen Stuhl sinken.
„Hast du nicht gut geschlafen?“ Aufmerksam musterte die Kleine ihr Gegenüber.
„Nein, nicht wirklich. Wie alt bist du, Georgina?“
Das Mädchen streckte ihr strahlend vier Finger entgegen.
„Aha, also vier Jahre“, stellte das neue Kindermädchen fest. „Ich bin Einundzwanzig.“
„Dann bist du siebzehn Jahre älter als ich“, erklärte das Kind, dessen Haare heute genauso zerzaust aussahen wie am vorigen Abend. Verblüfft sah Eileen die Haushälterin an.
„Sie werden sich noch über manches wundern. Georgina ist ihrem Alter weit voraus. Es erstaunt mich immer wieder, woher sie all ihr Wissen hat und wie sie damit umgeht.“
„Von den Kobolden“, gluckste das Mädchen vergnügt, schob seinen Stuhl zurück und sprang zur Tür hinaus.
Vorsichtig sah Eileen sich nach dem Butler um, bevor sie zaghaft fragte: „Was meint sie damit?“
„Oh, das sind uralte Legenden, die da durch ihren Kopf spuken.“ „Apropos spuken! Gestern Nacht wurde ich von einem schauerlichen Wehklagen geweckt – und dann war da so ein seltsames Leuchten über dem Moor.“
Beth schien verlegen.
„Auch das ist eine Legende. Man sagt, die Moorhexe treibt dort ihr Unwesen. Niemand traut sich nachts auch nur in die Nähe des Moores.“ Prüfend sah sie zur Tür.
„Vor vielen Jahren lebte unten im Tal eine schöne junge Frau mit langem dunklen Haar und grünen Augen. Jeder Jüngling im Ort hätte sie gern zur Frau gehabt, doch sie war stolz und erhörte keinen von ihnen. Der damalige Herr von Darkmoor Castle überfiel sie eines Nachts aus dem Hinterhalt. Doch sie befreite sich und zerschnitt ihm mit einem Messer das Gesicht. Er war für immer entstellt. Daraufhin beschuldigte er sie vor Gericht der Hexerei, und sie wurde zum Tode verurteilt. Wenn er sie nicht haben konnte, sollte niemand sie besitzen. Man sagt, der Scheiterhaufen brannte schon, als sie aus den Flammen verschwand. Sie rettete sich ins Moor. Seitdem erklingt ihr Klagen jede Nacht, und ihre grünen Augen spiegeln orange Flammen und dunkelrotes Blut wider. Ihr Fluch aber wirkt noch heute. Wen der Herr des Hauses liebt, der muss qualvoll sterben.“
„So wie Georginas Mutter?“
Beth nickte. „Man sagt, es war ein Unfall. Sie wurde vor zwei Jahren tot am Hang gefunden. Angeblich hat ihr Lieblingspferd sie abgeworfen. Genickbruch. Wenn Sie mich fragen ..“, sie senkte die Stimme. „An den alten Legenden ist meistens doch was dran.“
Eileen schauderte. „Wo ist eigentlich der Hausherr?“
„Auf Geschäftsreise. Wir erwarten ihn erst morgen zurück.“
„Ich werde mich dann mal um Georgina kümmern. Das arme Kind!“ Eileen erhob sich und eilte hinaus. An der Tür drehte sie sich nochmals um.
„Wo finde ich sie denn?“
Beth zwinkerte ihr zu.
„Sicher bei den Kobolden!“ Dann wurde sie ernst. „Georgina wird Sie schon finden.“
Bewundernd ging das junge Mädchen durch den Garten. Unglaublich, was hier alles grünte und blühte, exotisch anmutende Pflanzen, während es in der Landschaft rings umher doch recht karg aussah. Überall nur schroffe Felsen und dann das düstere Moor. Doch vielleicht speiste das ja irgendwie den Garten.
Plötzlich ertönte Kichern von allen Seiten. Verwirrt sah sie sich um und nahm aus den Augenwinkeln huschende Schatten wahr.
Georgina krabbelte unter einer riesigen Sonnenblume hervor. Sie trug ein knallig gelbes Kleid, das nun bereits Dreckspuren aufwies.
„Erzählst du mir von den Kobolden?“, fragte Eileen.
Das Kind legte die Finger auf die Lippen und sah sich vorsichtig um.
„Gut. Sie sind fort. Sie mögen es nicht, wenn man über sie spricht. Und eines Tages nehmen sie mich vielleicht mit.“
„Wie kommst du denn da drauf?“, entgegnete Eileen entsetzt.
„Nun, Beth hat einmal gesagt, ich sei bestimmt ein Wechselbalg, so wie ich mich benehme.“
„Was ist ein Wechselbalg?“
„Das weißt du nicht?! Ich erzähle dir am besten die ganze Geschichte! Die Kobolde wohnen in Erdhöhlen und beobachten die Menschen ganz genau. Wenn sie eine geeignete Familie gefunden haben, dann tauschen sie das Baby gegen eines ihrer Kinder aus. Das gestohlene Kind wächst bei den Kobolden auf und das Koboldkind bei den Menschen.“
„So etwas erzählt dir Beth?“ Eileen war entgeistert. Wie verantwortungslos von der Haushälterin!
„Ach, sowas erzählen hier alle.“
„Du musst keine Angst haben. Es gibt keine Kobolde. Das ist nur eine Legende – wie die Moorhexe auch.“
Georgina sah sie aufmerksam an.
„Die Moorhexe gibt es wirklich. Manchmal gehe ich zum Moor, und sie zeigt mir den Weg hindurch. Und vor den Kobolden habe ich keine Angst. Sie kennen so lustige Spiele.“
Eileen nahm sich vor, mit dem Vater des Kindes zu sprechen – wenn er nur endlich zurückkam.
Vorerst zeigte das Kind ihr jedoch den Garten. Es kannte jeden Baum und jede Blume mit Namen und wusste so vieles zu berichten, dass das Kindermädchen abermals staunte.
„Woher weißt du das denn alles?“
„Von den Kobolden und Elfen natürlich“, lautete die Antwort.
Auf einen interessanten und lehrreichen Tag folgte eine aufreibende Nacht. Eileen konnte kaum noch die Augen offen halten und sank erschöpft in die Kissen. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Wieder erklang das wimmernde Klagen, und über dem Moor lag ein Schimmer, der von Grün auf Orange und Rot wechselte. Jetzt schien gar eine weiße Gestalt darüber zu schweben.
„Ich drehe bereits durch. So etwas kann es doch gar nicht geben“, murmelte Eileen und zog sich die Decke über den Kopf.

Aus dem Buch „Unheimliche Geschichten“

Aberglauben hatte stets seinen festen Platz in der menschlichen Gesellschaft. Tief verwurzelt scheint die Angst vor schwarzen Katzen, die von links unseren Weg überqueren, der Zahl 13 sowie Freitag dem Dreizehnten zu sein. Ebenso soll es Unglück bringen, unter einer Leiter hindurchzugehen oder einen Spiegel zu zerbrechen. Daher ist es also kein Zufall, dass dieses Buch genau 13 unheimliche Geschichten, eine schwarze Katze und einen Spiegel enthält. Wirken Flüche wirklich oder nur, wenn man an sie glaubt? Existieren Aliens und Zeittore ausschließlich in unserer Fantasie? Was ist möglich oder unmöglich, Wahrheit oder Fiction? Das müssen Sie, lieber Leser und liebe Leserin, selbst herausfinden. Doch Vorsicht! Verlieren Sie sich nicht zwischen den Zeilen dieses Buches.
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-1093338331

©byChristine Erdic

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