Wie kann Bürgerbeteiligung an der Wissenschaft besser gestalten werden?

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Themensetzung der Wissenschaftsförderung findet bislang häufig ohne aktive Beteiligung der Bürger:innen statt. In Vorbereitung partizipativer Kampagnen für das Wissenschaftsjahr 2022 hat das European Institute for Participatory Media e. V. im Rahmen des PADEMOS-Projekts innovative Methoden und Tools zur Bürgerbeteiligung an der wissenschaftlichen Themensetzung entwickelt und erprobt.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wurden dabei zwei zentrale Forschungsfragen adressiert:
1. Wie können Bürger:innen aus unterschiedlichen sozialen Realitäten befähigt werden, ihre Fragen und Probleme so zu formulieren, dass Wissenschaftler:innen sowie Expert:innen aus der Förderpolitik sie als relevanten Input in der Entwicklung von Forschungs- und Förderthemen verwenden können?
2. Wie kann eine Visualisierungsmethode zur Unterstützung der Verwertung und Rückbindung der eingesammelten Bürgerfragen realisiert werden, die es ermöglicht, dass Beiträge unterschiedlicher Akteure mit unterschiedlichen Wissensständen, Interessen und Bezugskontexten gegenseitig verwertbar und miteinander in Bezug zu setzen?

Um diese Fragen zu beantworten, wurden im Rahmen des PADEMOS-Projekts unterschiedliche digitale Formate und Methoden zur Generierung von Bürgerinputs für die Wissenschaft entwickelt. Diese wurden beispielhaft an dem Thema „Künstliche Intelligenz (KI) für den Menschen“ erprobt. Mit ihnen konnten Bürger:innen ihre Fragen oder Probleme an die Wissenschaft zum Thema KI formulieren, oder ihre Visionen über die Zukunft von KI teilen.

Im Rahmen der experimentellen Erprobung in partizipativen digitalen Bürgerworkshops haben sich die entwickelten Formate als geeignet dafür erwiesen, den Bürger:innen zu helfen, ihre Fragen, Probleme und Zukunftsvisionen in Bezug auf den beispielhaft gewählten Forschungsbereich strukturiert und für die Wissenschaftler:innen nachvollziehbar darzustellen. So wurde beispielsweise ein Chatbot entwickelt, der Bürger:innen bei der Generierung und Beschreibung ihrer Beiträge anleitete und unterstützte. Der Chatbot half ihnen zu beschreiben, warum das von Ihnen genannte Problem oder Idee relevant ist, welche Gesellschaftsgruppen davon betroffen sind und welche Auswirkungen für die Gesellschaft und die Umwelt es geben könnte, wenn das geschilderte Problem oder Idee von der Wissenschaft erforscht oder realisiert würde. An der Erprobung haben sich Bürger aus verschiedenen Altersgruppen (von Schüler:innen bis Senior:innen) und Wissenschaftler:innen aus Forschungsgebieten wie Maschinelles Lernen, Mensch-Computer Interaktion und Philosophie beteiligt.

Die Bürgerbeiträge wurden mittels Verfahren für intelligente Textanalyse nach thematischen Ähnlichkeiten gruppiert und in Form einer interaktiven digitalen Wissenskarte visualisiert. Die Wissenskarte ermöglicht es Wissenschaftler:innen und der Förderpolitik aus den gesammelten Beiträgen neue Erkenntnisse zu gewinnen und auf die Einreichungen der Bürger:innen einzugehen, indem sie zum Beispiel ihre Fragen direkt beantworten oder auf bestehende Forschungsergebnisse verweisen. Sie können auch Verbindungen zu aktuellen Forschungsthemen anlegen und so den aktuellen Stand der Forschung in Beziehung zu den Einreichungen darlegen oder Vorschläge für neue Forschungsthemen machen. Die so erzeugte Wissenskarte verbindet die Perspektiven von Bürger:innen und Wissenschaftler:innen und bietet einen einfachen Zugang zu den Ergebnissen des partizipativen Prozesses sowohl für andere Bürger:innen als auch für Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und die Förderpolitik.

Aus den PADEMOS-Projekt gewonnenen Erkenntnisse wurden auch Empfehlungen für zukünftige Gestaltung partizipativer Initiativen, die die Beteiligung der Bürger:innen an der wissenschaftlichen Themensetzung stärken möchten, entwickelt und veröffentlicht. Sowohl der Chatbot als auch Ausschnitte aus der Wissenskarte sind über die Webseite des European Institute for Participatory Media zugänglich (http://eipcm.org/project/pademos/). Das Institut entwickelt in seiner Arbeit digitale Innovationen und partizipative Formate für gesellschaftliche Herausforderungen und bietet diese an interessierten Organisationen und Institutionen an.

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E-Mail: eipcm@eipcm.org
Webseite: http://eipcm.org/
Tel.: +49 (030) 20 07 61 94
Adresse: Pariser Platz 6, 10117 Berlin

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European Institute for Participatory Media

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