Mit Sicherheit auf Wolke Sieben

Online-Dating liegt im Trend – und das nicht erst seit Corona. Schon Jahre zuvor erlebten Dating-Plattformen wie Tinder, Bumble & Co. einen regelrechten Boom. Jedes dritte Paar, das zwischen einem und fünf Jahren liiert ist, hat sich online gefunden, so eine aktuelle Erhebung der Online-Partnervermittlung Elite-Partner. Doch nicht immer geht das persönliche Kennenlernen für die Suchende positiv aus. In Frankfurt wandten sich im vergangenen Jahr vermehrt Frauen an die Beratungsstelle Frauennotruf, die im Zuge des Online-Datings sexuell angegriffen oder belästigt wurden.

„Schon bei der Auswahl der richtigen Dating-App sollten Frauen differenzieren und sich vor allem die Sicherheitskonzepte der einzelnen Anbieter genau anschauen“, rät Pia Barth von der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt: „Neben der technischen Sicherheit ist auch der Schutz der persönlichen Daten wichtig. Ein kontrollierter Umgang mit persönlichen Informationen kann zum Beispiel die Gefahr von Stalking verringern.“

„Das gilt für die Veröffentlichung von Klarnamen und Adressen ebenso wie für die Verknüpfung der persönlichen Social Media Accounts bei der Anmeldung auf einer Dating-Plattform. Schnell können sensible Informationen und Bilder mit dem Dating-Profil verbunden werden, die man vielleicht lieber nicht teilen möchte“, erläutert die Beraterin. Für mehr Sicherheit bieten einige Plattformen inzwischen die Möglichkeit, mit einer Person in Kontakt zu treten, ohne dass dabei sofort Telefonnummern ausgetauscht werden. Andere Anbieter ermöglichen es ausschließlich Frauen, ihre potenziellen Dates anzuschreiben. So sinkt die Gefahr, mit sogenannten „Dick-Pics“ sexuell belästigt zu werden. „Wer unaufgefordert Nacktbilder erhält, sollte diese unbedingt per Screenshot sichern und den entsprechenden Kontakt der Plattform melden bzw. blockieren“, rät Pia Barth. „Das ist eine Straftat und kann zur Anzeige gebracht werden.“

Ein weiteres Problem sieht die Beraterin im sogenannten „Date-Rape“. Darunter wird eine ungewollte sexuelle Handlung bzw. eine Vergewaltigung, die im Zusammenhang mit einer im Grunde einvernehmlichen Verabredung entstanden ist, verstanden. „Ganz klar, nach den ersten vielversprechenden Kontakten per Messenger oder Chat, wächst der Wunsch nach einem persönlichen Kennenlernen. Eine Verabredung ist aber noch lange kein Freibrief für sexuelle Handlungen“, macht Pia Barth deutlich. „Oft fühlen sich Frauen schuldig, wenn sie sexualisierte Gewalt erleben und suchen den Grund des Übergriffes bei sich selbst. Habe ich die falschen Signale gesendet? Hätte ich mich nicht auf das Treffen einlassen sollen? Doch die Schuld tragen immer die Aggressoren, von denen der Übergriff ausgeht.“ Die ersten Treffen sollten auf jeden Fall immer in der Öffentlichkeit stattfinden. In einem Café oder bei einem Spaziergang im Park. Ratsam ist auch, eine vertraute Person über das Treffen zu informieren. Bei persönlichen Treffen ist es wichtig, möglichst die Kontrolle zu behalten. Frauen sollten sich zu nichts überreden lassen und auch Möglichkeiten im Blick behalten, die An- und Abfahrt zum Treffpunkt unabhängig und sicher zu gestalten. Generell gilt die Faustregel: Immer dann, wenn Sie sich unwohl fühlen oder Ihnen widersprüchliche Aussagen auffallen, sollten Sie sich schnell verabschieden. Haben Sie keine Angst, dabei unhöflich zu wirken.

„Die Verantwortung für einen gewaltfreien Umgang liegt vor allem bei den Männern, erst wenn sich hier mehr verändert, können sich die Sicherheitsüberlegungen für Frauen reduzieren,“ so Barth.

Frauen können sich nach einem Übergriff, aber auch bei Fragen vor einer Verabredung an die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt wenden. Die Beratungsstelle ist unter der Nummer 069 / 709494 erreichbar. Auf der Homepage www.frauennotruf-frankfurt.de und unter www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de gibt es weitere wertvolle Tipps, Adressen und Handlungsleitfäden.

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