Weihnachten 2021

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Wenn die Geschäfte schon Im August Weihnachtsgebäck anbieten, darf ich sicherlich Anfang November die erste Weihnachtsgeschichte 2021 schreiben.

Bald war es wieder so weit. Die meisten Menschen freuten sich auf die schöne Weihnachtszeit, die Weihnachtsmärkte und den Duft, der dort verströmt wurde. Doch halt, Dieses Jahr ist es leider etwas anders. Allerdings nicht nur bei uns, nein, auch der Weihnachtsmann kämpfte heftig bei der Zusammenstellung der Geschenke mit neuzeitlichen Wünschen, die so überhaupt nicht zu all den zahllosen vorherigen Wunschzetteln passte. Ja, die Zeiten ändern sich.

Zuerst erhielt das Leitrentier Rudi eine neue rote Nase, LED, versteht sich. Umweltschutz durch den Weihnachtsmann gehört einfach dazu. Ursprünglich wollte Santa auch seinen Rentierschlitten gegen einen E-Schlitten austauschen, doch die derzeitige Reichweite hätte ihn gezwungen auch zu Pfingsten noch Weihnachtsgeschenke auszuliefern, selbst im Himmel gab es nur einige wenige Ladestellen.

Dann war das Problem der seltsamen Wunschzettel. War es früher üblich ein Schaukelpferd zu wünschen, so wollten die Kinder heutzutage ein Power-Riding-Spacerattler mit Ionenantrieb und automatischem Backup aller Spaceadventures . „Häh?“ Der Weihnachtsmann kratzte sich am Kopf, diese neumodischen Begriffe machten ihn ganz wirr. „Komm, chill mal etwas … cool down man …“ Ein Weihnachtsengel meinte es gut mit ihm, nur wusste der Weihnachtsmann überhaupt nicht was gemeint war. Ahh, hier war die kleine Kathi mit einem Wunsch. Sie wollte eine Stoffkatze zum knuddeln und liebhaben. Ja, das waren endlich mal ganz normale Wünsche. „Soll sie bekommen,“ murmelte er in seinen Bart, packte das Stofftier in seinen Sack. Leider war es damit trotzdem nicht getan, denn nun schrieb im Mona aus der Schwyz: Ich möchte gerne ein Füttli-Rüttli. „Ein waaaas???“ Selbst seine Weihnachtsengel wurden rot als er diesen Wunsch vom Zettel abgelesen hatte. Sehr diskret flüsterte ein Engelchen dem Weihnachtsmann etwas ins Ohr. „NEIN! Diese Aufgebundene bis oben hin, die beschenke ich nicht, basta! Wo bleibt die weihnachtliche Frömmigkeit?“ So erbost war der Weihnachtsmann niemals zuvor gewesen. Und eh man sich versah, tat der Weihnachtsmann etwas sehr, sehr zeitgemäßes. Er meldete eine Demo an: Protest gegen neuzeitliches Wunschdenken, back to the roots. Ohne es selbst zu bemerken war er moderner drauf als manche Teenies.

Recht bedauerlich war das Ergebnis dieser Demo. Nur wenige Follower, aber viele Hater. Als der kleine Demozug vor einem Regierungsgebäude stand, der Weihnachtsmann seine Parolen grölte, tönte es vom Balkon herab: „Wir sind die waren Weihnachtsmänner!!!“ Es wurde allgemein bejaht. Recht frustriert steuerte Santa die nächste Kneipe an. Leider wollte man ihm keinen Eintritt gewähren. „Sind sie auch geimpft? Lassen Sie mich bitte das Zertifikat sehen.“ Ein wirklich genauer Wirt, muss man anerkennend anmerken. „Äh, also, ja natürlich. Gegen Renntierflohfieber, ganz neu!“ „Sie Weihnachtsmann!!!“ Es knallte die Eingangstür, kein Weihnachtsbier für den geplagten Santa.

Zurück im weihnachtlichen Zuhause wollten die Engel helfend eingreifen. Sie fanden einen richtig anheimelnden Ort, tief im Frankenland verborgen, dort ist Weihnachten so wie immer. Flugs wurde das Navi programmiert, ein voller Hoffnung dahin rasender Weihnachtsmann war auf dem Weg in diesen schönen Ort. Der gebildete Leser bemerkt sicherlich an dieser Stelle, Schwabach oder Fürth kommen schon mal nicht in Frage, aber nicht weit weg davon.

Eine einsame Straße, spärlich erleuchtet, dennoch durch den glitzernden Schnee in behaglicher Atmosphäre. So stand der Weihnachtsmann vor einem gelben Haus, in welchem nur ein Fenster schwach leuchtete. Eine Klingel war nicht zu finden, also rüttelte Santa sanft am Tor und rief ein freundliches Hallo in die Winternacht. Tüüüt, tüüüt, tüüt und Flutlicht, Santa erschrak heftig, so dann hörte man aus dem Haus jemand schreien. „Runner von mei Grundstück, etzala! Such Dir mal nen Tschopp Alder ….“ Der arme Weihnachtsmann schaute verstört auf das schreiende Haus, als die Schimpftirade weiter ging, „ midden in der Woche, soviel Freizeit möchte ich auch mal haben.“ „Moment einmal …“, der Weihnachtsmann wollte sich erklären, „… ich komme hoch vom Himmel her, Dir große Freude zu verkünden …“ Weiter kam er nicht. „Halt Dein Maul, ich rufe jetzt die Wache an!“ Kaum ausgesprochen, kam ein silbriges Fahrzeug mit blauen Streifen angefahren. „Papiere bitte und überhaupt, was machen Sie hier? Hier ist u.a. Durchfahrverbot, das wird teuer.“ Unser Weihnachtsmann begann wieder mit einer Erklärung, wer er sei, usw.; half nicht viel, denn die Beamten merkten an, sogar im Sommer ständen die Weihnachtsmänner vor dem Haus.

Kurz bevor nun auch der Weihnachtsmann begann, am Weihnachtszauber zu zweifeln, flüsterte ihm ein Elf noch einen Tipp ins Ohr. Jawohl, Santa strahlte wieder, das machen wir!

Den Sack mit unendlich viel Vernunft und Weisheit gefüllt, wollte er die Regierung beschenken. Davon profitieren alle Bürger, Hosianna, Weihnachten wird doch noch schön. Leider, leider war da jene Sicherheitsüberprüfung. Den Sack persönlich zu öffnen und über die Regierungsmitglieder auszuschütten blieb Santa versagt. Durch einen bedauerlichen Irrtum kam der Sack dann ungeöffnet in die Asservatenkammer, weshalb wir immer noch viele weiße Männer, aber recht wenig weise Männer in der Regierung haben. Und weil wir in der heutigen Zeit frei von diskriminierenden Gedanken sind, dürfen sich auch noch ein paar grüne Kobolde zwischen all den weisen oder weißen Männern tummeln.
Frohes Fest!!!

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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