Vom Artensterben

Immer öfter liest, hört und sieht man in den Medien Berichte über bedrohte oder aussterbende Arten. Bald wird auch das Wort Vielfalt verschwunden sein, weil man sich darunter nichts mehr vorstellen kann.
War es anfänglich noch die tropische Würgeschlange im Regenwald, die durch Abholzung immer seltener wurde, so beginnt es nun auch mit dem australischen Salzwasserkrokodil, das dem Hungertod entgegensieht, weil immer weniger Menschen in solchen Gewässern zum Baden gehen. Von den schönen Korallen mag ich gar nicht erst sprechen, die Welt verändert sich.
Umso entsetzter war ich gestern, als eine Nachricht kam, die von aussterbenden Arten in Deutschland berichtete. Jawohl, es ist wahr, der Beruf des Bankräubers stirbt aus, nur noch 5% von ihnen existieren und es ist absehbar, wann auch diese verschwunden sind. Auf der Suche nach der Ursache kam man zu dem Ergebnis, dass es mit der Umstellung auf den Euro begann. Viele prall mit D-Mark gefüllte Geldsäcke verrotten nun wertlos in den Verstecken. Hinzu kommt die bargeldlose Zahlung, was zu einer Schrumpfung der Bankfilialen mit immer weniger Geld führte.
Die Wirtschaft bekam es deutlich zu spüren, der Kauf von Fluchtautos, bzw. deren vorheriger Diebstahl und der damit erzwungene Neukauf eines PKW´s durch den Bestohlenen, nahm drastisch ab. Die Automobilbranche leidet. Auch Verschlüsselungssoftwares für Smartphones wurden zu Ladenhütern. Am schlimmsten traf es aber die Ermittlungsbehörden selbst. Gab es bisher Spezialisten für Banküberfälle bei der Kripo, die nun „überflüssig“ sind, wurde eine neue Beschäftigung für diese Beamten gesucht. Sie werden jetzt umgeschult als Verkehrsspezialisten und observieren Fußgänger, die bei Rot über den Zebrastreifen laufen.
Wirklich tiefe Verzweiflung macht sich unter den verbliebenen Bankräubern breit. Wie mag es weitergehen? Sogar der Entschluss sich den Finanzbehörden als besonders qualifizierte Mitarbeiter anzubieten, weil man doch Fachmann für Geldbeschaffung ist, würde in jenen Kreisen diskutiert. Ob nun eine Bank ausgeraubt wird, oder der Bürger, darf nun nicht so differenziert gesehen werden, Hauptsache …
Vieles wird so anders, man kennt sich kaum noch aus. Zum Beispiel die scharfe Heike, früher der Star im städtischen Bordell, nun mit 98 Jahren frisch in Rente gegangen, beklagt sich: Früher konnte ich selbst in dicker Winterbekleidung am Fenster stehen, die Freier rannten mir die Bude ein. Heute muss ich denen Geld anbieten, damit sie meinen nackten Anblick für ein paar Sekunden aushalten.
Taschendiebe werden die nächste aussterbende Art sein, weil die Menschen kein Geld mehr in den Taschen haben. Ich wage zu behaupten, bald haben wir keine Artenvielfalt mehr.
Wie heftig sich die Veränderungen in der Welt manifestiert haben, machte mir mein Sohn gestern deutlich. Er ist ein großer Fan der Walt Disney Geschichten. Ständig kauft er diese Heftchen und liest begeistert von Onkel Donald, Dagobert Duck, Pluto usw., usw., wo andere Kinder über die Freigabe von Drogen sprechen, liest mein lieber Sohn am liebsten diese amerikanische Weltliteratur. Das war überraschend, muss ich nun sagen, denn er nervte mit einer Frage, die ich nicht beantworten konnte (zuuu lang her, ein sehr alter Begriff von ganz, ganz früher). „Papa, was sind Panzerknacker?“ „Panzerknacker? Äh, ehm, öhhh, also, weißt du …, das ist so …, ach, die sind doch schon lange, lange ausgestorben …“

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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