K & K Königlicher Kommerz

So musste ich zumindest gestern denken, als ich mit Vorfreude Servus TV einschaltete, um eine schöne Salzburger Aufführung zu sehen. K & K muss nicht zwangsläufig auch königlich oder gar kaiserlich sein. Doch nun zum Anfang der Geschichte.
Salzburg, Advent und Weihnachten, wahrhaft endlose romantische Vorstellungen verbinden wir damit. Hinzu kommt der einheimische Akzent, der den deutschen Ohren schmeichelt, ist es doch eine Sprache mit Klang.
Advent zu Salzburg erfordert ein wenig Kenntnis, weil der Name zweimal in Umlauf ist. Es gibt nämlich den Original Salzburger Advent und auch den Salzburger Advent, zwei Welten, beide haben ihren Charme, dennoch mit Unterschieden. Beginnen wir einmal mit dem Original Salzburger Advent. Heuer bereits im zweiten Jahr durch Corona böse in Mitleidenschaft gezogen, findet zum Leidwesen vieler Menschen, davon ein großer Teil Einheimischer, keine Aufführung wie ursprünglich vorgesehen statt.
Davor versprühte es seinen Weihnachtszauber auf wundersame Weise. Man saß in der St. Andrä-Kirche am Mirabellplatz. Inmitten der Besucherschar war eine kleine Bühne, so wurde man Teil der Aufführung. Wenige Minuten nach Beginn sah man strahlende Augen, die alpenländische Musik dazu, Gesang, Schauspiel in zwangloser Reihenfolge. Es wurde gelauscht, geschmunzelt, sogar gelacht, denn feiner Humor wurde nicht ausgeschlossen und ganz am Ende hielten sich alle Besucher an den Händen, als der Andachtsjodler von den darbietenden Künstlern angestimmt wurde. Beim Verlassen der Kirche verblieb eine besondere Stimmung. Selten habe ich so viele glückliche und losgelöste Gesichter gesehen. Fremde Menschen wünschten sich gegenseitig ein frohes Fest.
Ewas anders gibt sich der Salzburger Advent. Ebenso hervorragende Musikanten und Sänger auf sehr anspruchsvollem Niveau. Im Salzburger Festspielhaus daheim, auf großer Bühne, bietet man eine Geschichte, die in kleine Episoden unterteilt ist. Gleichfalls unterbrochen durch berührende Musik mit Gesang. Verständlich dabei bleibt eine scheinbare „Distanz“ von der Bühne zum Zuschauer. Dies mindert nicht den Genuss der Aufführung, jedoch sollte man es vor Ort erleben, statt im TV. Denn: Obwohl Servus-TV viele Beiträge sendet, deren Qualität unzweifelhaft hochwertig ist, gab es bei der Ausstrahlung des Salzburger Advent einen sehr heftigen Wermutstropfen, man kann es bereits als Missachtung der Künstler begreifen, ebenso Rückschlüsse über die Sichtweise eines Produzenten zur Wertigkeit des Konsumenten ziehen!
Mitten in jener Aufführung gab es für einige Minuten einen Werbespot!!!
Rausgerissen aus der Besinnlichkeit, wurde es schwer den Anschluss mit gleicher Stimmungslage wieder zu erreichen, das hatte etwas zerstört. Wäre jetzt eine Coverband aufgetreten, hätte Money, Money, Money von Abba rockig vorgetragen, hätte das nahezu genau so gepasst. So verbleibt als Frage, was geht bei den Verantwortlichen einzelner Sender vor, dem Zuschauer solches zuzumuten? Es ist nicht der erste mediale Fall, wo man sich nur noch wundern kann. Als vor einiger Zeit bei Radio Salzburg der allseits äußerst beliebte Plattenplauderer Reinhard Pirnbacher mit „Pirnis Plattenkiste“ sang- und klanglos aus dem Programm verschwand, war die Empörung groß. Es schien dem Sender aber nicht weiter wichtig zu sein. Kurze Verlautbarung, welche von Pirnis Fans angezweifelt wurde, dazu eine kurze Stellungnahme des Herrn Pirnbacher, welche eine ganz, ganz andere Handlungsweise darstellte. Die kam übrigens weitaus glaubwürdiger an.
Unsensible Handlungsweisen scheinen wohl im Trend zu liegen, anders lässt sich das nicht mehr erklären. Verehrte Macher von Servus-TV, wieso läßt man nicht gleich ein blondes Häschen über die Bühne hoppeln: „Ich habe mir beim Erotika-Versand einen Überraschungskarton bestellt, pünktlich zum Fest geliefert, den Inhalt empfahl mir die Frau vom Weihnachtsmann. Bestellen Sie noch heute.“ Anschließend rollt ein roter Truck über die Bühne, wie wir das aus den USA schon kennen und ein Banjo spielender Weihnachtsmann besingt schwarze Brause, die Weihnachten erst so richtig schön macht.
Nicht wahr, das bringt mehr Geld ein als so ein paar Eintrittskarten. Die Stimmung ist sowieso kaputt, da bringt die Werbung vielleicht noch etwas Geld.
Wirklich leid tun mir die Künstler, deren Bemühungen um gute Darbietung so hässlich negativiert wurde. Salzburg selbst hat man auch keinen Gefallen damit getan. Viele Zuschauer werden sich an den Werbeblock im TV erinnern und vermutlich bei dererlei Sendungen nicht mehr einschalten. War das wirklich notwendig???

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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