Feiertage mit Eberhofer

So um die Weihnachtszeit mache ich immer gerne einen Kurzausflug. Heuer einmal zwischen Donau und dem Bayerischen Wald, denn dort war ich schon lange nicht mehr. Gesagt, getan und es dauerte auch nicht allzu lange, da war ich in der schönen Umgebung von Dingolfing.
Vor mir ein Kreisel, von wo aus es in vier Himmelsrichtungen weiter ging. Während ich noch überlegte welche Richtung ich einschlagen sollte, deshalb immer rundherum fuhr, war plötzlich ein Streifenwagen hinter mir. Schnell abbiegen, man weiß ja nicht … doch der kam hinterher. Auf einmal überholte der mich auch noch, Kelle raus und anhalten. Kann ja heiter werden.
Ein Polizist stieg aus dem Fahrzeug, kam auf mich zu: „Bayerische Polizei, ihre Papiere bitte.“ Irgendwie kam der mir bekannt vor, während ich die Papiere rauskramte, überlegte ich fieberhaft. Dann kam die Erleuchtung! „Ah geh, du bist doch der Eberhofer Franz, gell. Di kenn i ausm Fernsehen. Griaß Di.“ Ob das nun bayerisch korrekte Aussprache war, weiß ich nicht, jedoch versteinerte sich das Gesicht des Beamten. „ I heiß zwar Eberhofer, aber für sie bleibts beim Polizeihauptmeister. I bin hier als Polizist un net als Franz!“ Uih, der war aber nicht sehr freundlich drauf. Kurz prüfte er die Papiere und erklärte mir dann: „Unnützes herumfahren im Kreisel, macht 25 Euro.“ Fängt ja gut an, der Ausflug. Ich bat trotzdem um ein Autogramm. „Freili, do auf mei Quittung, bittschön …“ Aus ausschließlichen Höflichkeitsgründen sagte ich nichts weiter dazu. Zahlte und fuhr weiter.
Eine halbe Stunde später kam ich in einem kleinen Ort an. Ein wenig Hunger hatte ich schon, Durst auch und wie es der Zufall so will, mitten im Ort ein einladendes Gasthaus. Leider stand jener Polizeiwagen auch davor, besser nix mit Bier oder Radler, der Eberhofer nimmts ja übergenau.
Im Wirtshaus gings turbulent zu. Lauter lustige Leute, eh scho rauschig, wie man so schön sagt, meine Stimmung hellte sich auf. Leider nur sehr kurz, denn dort hinten saß er, der Eberhofer! Mei, dachte ich noch, als er mich erblickte, den Bierkrug hob und mir zuprostete. Da versteh einer die Welt. Vorhin ganz der Staatsapparat und nun so. Herr Eberhofer kam zu mir rüber. „Du, jetzt kennen wir uns ja, hier bin i der Franz. Komm, setz di rüber zu uns. Geh Wolfi, brings no a, Bier un an Schnapserl a noch.“ Zugleich legte er mir seine Hand auf die Schulter, machte den Hundeblick: „Do draußen, do bin i dess bayerische Gesetz, hier herinnen samma aber unter uns, prost“. Auch die anderen Tischgenossen prosteten mir zu. Ich war total perplex. Alles bekannte Gesichter. Die Susi, der Birkenberger, Simmerl, Flötzinger, der Rest fehlte. Selbstverständlich wollte ich wissen, wo denn die anderen bekannten Gesichter sind. „Warts ab, du kimmst no zu uns aufn Hof, wir haben Geschenke für Oma und Papa, die anderen san eh scho do.“ Also wenn das nicht neugierig macht? Um mich nun auch der neuen Freundschaften würdig zu erweisen, begann ich ein Gespräch mit Metzgermeister Simmerl: „Kann ich nachher noch eine Leberkässemmel bekommen, da habe ich mich schon mächtig drauf gefreut.“ Da lacht der, schaut auf die Uhr: „Na, morgen wieder, der Eberhofer hat wieder alles fortgefressn.“ Rudi Birkenberger beugt sich herüber zu mir: „Das musst du psychologisch betrachten. Der Eberhofer braucht zum Tagesanfang immer etwas Nahrhaftes, sonst kann er seinen schweren Beruf nicht ausüben. Der Leberkäs sorgt beim Franz immer für den seelischen Ausgleich.“ Susi wirft kokett ein: „Sixt Franz, wie immer. Heirate doch dei Leberkäs, der ist dir doch sowieso lieber als ich!“ Eberhofer schluckt kurz, kippt einen Schnaps nach: „Geh Susi, es gibt schon Momente, wo Du mir lieber bist als jede Semmel.“ Da flippt sie aus: „Franz, ab sofort schlafst wieder in deiner Notunterkunft. Eine Frau wie ich kann ganz andere Männer haben, welche, die mich auch zu würdigen wissen!“ War´s Zufall oder der erlesene Geschmack von Susi, sie schaute auf mich dabei. Dann verließ sie wütend das Lokal.
Wir quetschten uns alle in die Eberhofer-Gedächtniskarre von Streifenwagen und Franz fuhr uns zu seinen Lieben. Kaum angekommen, erlebten wir eine richtig schöne Weihnachtsbescherung.
Vor der Tür standen schon Leopold, mit seiner Sushi und Panida, ein mir unbekanntes Gewächs im Arm. Eberhofer kramte einen größeren Karton aus dem Kofferraum des Streifenwagens und wir traten ein. Es duftete herrlich nach Schweinsbraten, Rotkohl und Kartoffelklößen, Oma bereitete gerade das Festessen zu.
„Da Papa, als Wiedergutmachung, schöne Weihnachten!“ Franz überreichte den Karton. Es war ein nagelneuer Plattenspieler, denn den alten hatte Franz kürzlich zerschossen. Leopold drückte dem Papa die Pflanze in den Arm. „Für Dich, selbst gepflückt in Thailand.“ Papa bekam große Augen. „Mei, wieviel Tüten man daraus machen kann …“ Eberhofer zog die Augenbrauen hoch: „Papa, auch wenn Weihnachten ist, … ach scheiß drauf …“
Es hätte noch so richtig schön werden können. Das Essen würde unzweifelhaft hervorragend sein, säße nicht schon der Birkenberger über einer großen Schüssel, um sich alles selbst hineinzustopfen. Oma bekam aber ein Kompliment von ihm, so etwas dürfe sie gerne öfter kochen.
Da klingelte es. Herr Moratschek stand in der Tür: „Eberhofer …,“ gewohnt kommandierender Tonfall, „ich habe sie nicht vergessen. Wo wir doch Weihnachten haben. Sie erhalten von mir jetzt ein ganz besonderes Geschenk.“ Eberhofer kratzte sich am Kopf, was wird nun wieder an böser Überraschung kommen? Moratschek reichte dem Eberhofer einen prall gefüllten Umzugskarton. „Da sind alle Dienstaufsichtsbeschwerden des letzten Jahres über sie drin. Die internen Einträge im Computer habe ich gelöscht. Frohes Fest!“
Das war alles so feierlich, Tränen der Rührung standen in meinen Augen. Fehlte eigentlich nur noch die Susi. Doch die zickte mal wieder herum und obwohl der Flötzinger sie trösten wollte, was ihm nicht gelang, er war halt kein Eberhofer, Susi allein zu Haus …
Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen. Eberhofer fuhr zu seiner Susi, stand eine Stunde flehend vor dem Hauseingang, jedoch soll es eine sehr, sehr innige Versöhnung gegeben haben.
Nur für mich ging die Sache etwas befremdlich aus. Zuerst wankte ich zum Auto, Heimfahrt war angesagt. Unterwegs gab es so etwas wie ein Erdbeben, alles schwankte um mich herum, plötzlich wieder ein Streifenwagen vor mir, die Kelle kam zum Vorschein … jetzt geht das schon wieder los, in welche Familie komme ich nun zum Feiern???

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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