Aus Transsilvanien

Endlich ist es so weit. Nepomuck hat Post von zu Hause. Als ich aus der Schule komme, wartet er schon auf mich und hält mir freudestrahlend einen winzigen Brief entgegen. Ich kann ihn natürlich nicht lesen, er ist auf Koboldisch geschrieben. „Das macht nichts“, sagt Nepomuck großzügig. „Schließlich haben wir über 200 Dialekte. Ich werde dir den Brief übersetzen.“ Die Familie schreibt sehr nett und bedankt sich, dass wir Nepomuck so herzlich aufgenommen haben. Es genügt, wenn wir ihn zu Litha, dem großen Mittsommerfest wieder nach Norwegen verfrachten. Das ist ein sehr wichtiges Fest, und sie laden uns ebenfalls dazu ein. Sie haben ein Foto mitgeschickt, besser gesagt ein Miniaturfoto, das die ganze Koboldfamilie zeigt. Ich kann nur mit Hilfe einer Lupe was erkennen. Nachdem wir das Bild ausgiebig bewundert haben, verschwindet es samt Nepomuck im Lebkuchenhäuschen. Zwei geschlossene grüne Fensterläden sagen uns, dass er jetzt auf keinen Fall gestört werden will.
Am Abend kommen die Eltern heim. Bei Tisch wird eifrig beratschlagt. Von den Essensdüften magisch angezogen steckt auch endlich Nepomuck sein schwarzes Strubbelköpfchen zur Lebkuchenhaustür heraus. Seine Augen sind zwar etwas verquollen, und er schnäuzt sich geräuschvoll in seinen Ärmel, was ihm tadelnde Blicke von Oma einbringt, aber er stürzt sich gleich auf das Rührei in seinem Puppenteller. Der Arme, sicher hat er Heimweh und sehnt sich nach seiner Familie. Heute schimpft keiner mit ihm, weil er schmatzt oder die Ketschup Flasche umstößt, um mit seinem ganzen Gewicht darauf rum zu hopsen, damit endlich Ketchup rauskommt. Vater rutscht unruhig auf seinem Platz hin und her und verlässt sehr zu Omas Ärger schon bevor alle aufgegessen haben den Tisch. „Also diese Manieren in letzter Zeit..“, brummelt sie halblaut.
Vater kehrt schließlich mit einem Taschenkalender in der Hand zurück und schwenkt ihn triumphierend hin und her. „Also, ich hab mal nachgeschaut, und was glaubt ihr, hab ich wohl festgestellt?“ „Ja was denn?“, Mäxchen will sich nicht länger auf die Folter spannen lassen und wir anderen auch nicht. „ Es ist nämlich so..“, beginnt Vater umständlich. „Spuck es endlich aus, ehe du daran erstickst!“, das ist Mama. „ Geduld, Geduld. Also, es ist nämlich so: Litha ist in der Nacht des 21. Juni und…..“ „Hurra, das fällt genau in die Sommerferien!“, schreie ich begeistert. „Genau“, bestätigt Vater. „Und das bedeutet…“ „Dass wir Nepomuck in den Ferien nach Norwegen zurückbringen werden und die Einladung von seiner Familie, am Lithafest teilzunehmen, annehmen“, vollendet Mutter den Satz. Bis auf Oma brechen alle in Jubelschreie aus. Max trommelt wie ein Irrer auf der Tischplatte herum, und Nepomuck springt vor Freude in den Salatteller. Nach einem ausgiebigen Bad in der Öl- und Essigmarinade kramt er Brief und Foto nochmals hervor, um beides auch den Eltern zu zeigen. Seine Augen leuchten vor Stolz, als Mutter durch die Lupe sieht und Nepomucks Familie bewundert. „Nein, sind die süß!“ Oma greift nach dem Brief und versucht mit Hilfe der Lesebrille die Anschrift zu entziffern: „Nepomuck Karamio bei Liliental“, liest sie laut vor. „Karamio?“, fragt sie interessiert. „Waren deine Vorfahren vielleicht Italiener?“ Oma schwärmt für Italien und die Italiener, seitdem sie in den Siebzigern einmal in Venedig Urlaub gemacht hat. „Ach diese herrlichen Gondeln auf dem Canale Grande und erst die Gondoliere….“ Oma vergisst Zeit und Raum, bis Nepomuck sie wieder auf den Boden der Realität zurückholt. „Nööö“, meint der Kleine kopfschüttelnd: „Italiener haben wir nicht in der Familie. Soweit ich weiß, kamen meine Vorfahren vor noch gar nicht so langer Zeit aus Transsilvanien.“ Oma fährt ein kleiner Schauer über den Rücken, ich kann es förmlich sehen.
„Aus den Karpaten, das liegt in Rumänien“, setzt Nepomuck erklärend hinzu und zeigt dabei freundlich grinsend eine Reihe spitzer Beißerchen.

(Leseprobe aus dem Buch NEPOMUCKS ABENTEUER)
Nepomucks Abenteuer
Nepomuck ist ein lustiger kleiner Kobold, der mit seiner Familie in einem Kobolddorf in Norwegen wohnt. Er hilft dem Weihnachtsmann beim Geschenke verpacken in der Weihnachtswerkstatt und landet aus Versehen in einem dieser Päckchen. So tritt er nun im Schlitten des Weihnachtsmanns seine Reise in die Welt der Menschen an Welch spannende Abenteuer wird Nepomuck dort wohl erleben und wird er bei den Menschen ein neues Zuhause finden?
Taschenbuch ‏ : ‎ 152 Seiten
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3903056183

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=d6UoocI_ats

©byChristine Erdic

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Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
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