Verteidigung und Topflappen

Als seinerzeit die friedliebende Republik Absurdistan um Hilfe gebeten wurde, war guter Rat teuer. Keine Frage, der etwas entfernte Nachbar wurde von Wilden bedroht, konnte sich allein nur schwerlich helfen, also hoffte man auf die unzerbrechliche tiefe Freundschaft mit Absurdistan. Eng wollte man zusammenstehen, wie ein Ehepaar, in guten und in schlechten Zeiten.
Nun nahte die Stunde der Gefahr. Der eng befreundete Nachbar wollte gerne ein paar Schlagstöcke haben, damit man der Gefahr wirksam begegnen kann. Selbstverständlich beriet man darüber in Absurdistan, machte eine erste, eine zweite und Monate später noch eine dritte Lesung. Dann war man sich einig. Schlagstöcke können böses Aua verursachen, kann man unmöglich gutheißen. Stattdessen kam letztendlich aber eine sehr kräftige Hilfe. Man schickte Wundpflaster, Windeln für Erwachsene und kleine Portionen des kürzlich freigegebenen Haschisch für die Friedenspfeife. „Wir nehmen unsere freundschaftlichen Verpflichtungen ernst“, erklärte die Vorsitzende der Landesverteidigung, Oma Heidrun, die bekannt und berühmt für ihre selbstgestrickten Topflappen war.
Da hob ein großes Zittern auf Seiten der Aggressoren an, mit solch entschlossener Haltung hatte niemand gerechnet. Dabei hätte man wissen können, Power Oma, wie sie respektvoll in Absurdistan genannt wurde, die nimmt nicht einmal ein Blatt vor den Mund. Kann sie sich auch leisten, immerhin hat sie neulich erst neue Zähne bekommen.
Proforma verblieben für wenige Tage noch eine Handvoll kühner Streithähne, aber dann freuten die sich auch, als der Befehl zum Rückzug kam. Die Gefahr schien gebannt.
Jetzt denkt man darüber nach, ob die Freiheitsstatue in New York nicht das Gesicht von Oma Heidrun tragen sollte. So als Symbol schlagkräftiger Personen, die ungeachtet der eigenen Gefahr kompromisslos an der Seite jener bedrohten Freunde stehen. Oma Heidrun winkte lächelnd ab. Gerne habe sie geholfen. Zugeben muss sie jedoch auch, die Opposition hatte es ihr nicht immer einfach gemacht, die wollten sogleich die volle Konfrontation. Als dann aber Plappermäulchen Mariaverena am Podium stand, in einem halbseidenen grünem Kleidchen, da wollte niemand mehr aufmucken.
Was dann passierte, darf ich eigentlich nicht veröffentlichen. Der ganze Führungsstab des Gegners kam persönlich nach Absurdistan, um seinem Bedauern über die eigene falsche Handlungsweise Ausdruck zu verleihen, sich in alle Form zu entschuldigen. Man bot auch Wiedergutmachung an. Deren Chef, der immer gerne mit nacktem Oberkörper auf einem Esel ritt, wolle persönlich Busse tun, dem Esel abschwören. Nicht nur die Presse war begeistert, endlich keine Verwechselung mehr, wusste man doch niemals so genau, wer war denn nun der richtige Esel davon? Peinliche Bildunterschriften blieben nicht aus.
Zu schade, dass wir nicht auch in Absurdistan leben, beschützt von Oma Heidrun, aber wenn wir ganz, ganz fleißig daran arbeiten, vielleicht, eines schönen Tages …

Wir merken uns: Freundschaft wird sehr hoch geschätzt, doch meistens wird sie überschätzt.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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