Auf zu den Kobolden – eine Leseprobe

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Endlich ist es so weit! Wir sind schon früh am Morgen aufgebrochen, denn wir haben einen weiten Weg vor uns. Großmutter hat unzählige kleine Erdnussbutterkekse gebacken, und Mutter hat selbstgemachte Limonade in Plastikflaschen gefüllt. Großmutter schleppt den Korb mit den Keksen und Mutter eine große Tasche mit der Limo darin. Vater schleppt Nepomuck.
„Huckepack!“, sagt er. Wenn Nepomuck laufen würde, bräuchten wir die doppelte Zeit für den Weg, denn er ist ja viel kleiner als wir. Nepomuck sitzt also bei Vater auf der Schulter und knabbert vergnügt an einem Keks. Er weiß als einziger den Weg und gibt von oben Anweisungen, wo es lang geht.
„Nepomuck, bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragt Vater, als wir plötzlich vor einer Steilwand stehen. „Nicht so ganz“, gibt Nepomuck zögernd zu. „Von hier oben sieht alles so anders aus, wisst ihr!“ Nepomuck wird also erst mal zu Boden gelassen, um sich neu zu orientieren. Er springt prüfend hin und her, und nach einer Weile hellt sich seine finstere Miene auf. „Hier lang!“, ruft er und deutet nach links. Er nimmt wieder auf Vaters Schultern Platz, und weiter geht’s.
Wir sehen lustig aus in unseren Kostümen, gut, dass uns niemand begegnet. Vater hat eine rote Plastiknase und schnauft bereits. „Ich muss die abnehmen, bekomme kaum noch Luft!“, röchelt er mit hochrotem Kopf. Seine Gesichtsfarbe beißt sich mit der orangen Perücke, die er aufhat.
Er sieht wirklich albern aus. Plötzlich beginnt er zu springen. Nepomuck gerät ins Rutschen und zieht ihm dabei die Perücke vom Kopf. „Du kleines Krümelmonster!“, schreit Vater und versucht verzweifelt, sich den Rücken zu kratzen. „Mein Keks ist weg!“, klagt Nepomuck und stürzt mitsamt der Perücke ab. Es nützt nichts, Vater muss das Oberteil ausziehen, um sich von den Kekskrümeln zu befreien. Nepomuck rollt sich lachend mit der Perücke am Boden. Der kleine Kobold bekommt jetzt keinen Keks mehr, und wir ziehen endlich weiter. Es geht bergauf und ist ziemlich anstrengend. Irgendwann merken wir, dass Nepomuck gar nichts mehr sagt. Dafür ertönen sanfte Schnarchgeräusche von Vaters Rücken. „Oh nein!“ „Nepo, wach auf!“ Der kleine Waldschrat lässt sich nur ungern wecken. Er blinzelt, schaut sich um und sagt: „Wir sind verkehrt!“ Ich hab`s geahnt! Wir müssen ein ganzes Stück zurücklaufen, bis Nepomuck den Weg endlich wiedererkennt. Wenn wir pünktlich ankommen wollen, müssen wir uns sputen. Statt der geplanten Pause bekommt jeder nur etwas Limonade und ein paar Kekse im Stehen.
Nach einer ganzen Weile sagt Nepomuck, dass wir jetzt bald da wären. Er möchte auf keinen Fall auf Vaters Rücken ins Kobolddorf einreisen und verlangt energisch, heruntergelassen zu werden. „ Sie halten mich sonst noch für ein Baby“; erklärt er uns. „Außerdem möchte ich noch ein paar Blümchen pflücken! Für Peggy!“, setzt er leicht verlegen hinzu. Hier im tiefen Wald ist die Erde nicht gerade mit Blumen gesegnet. „Wie wäre es mit ein paar Pilzen stattdessen!“, schlage ich ihm vor. Aber Nepomuck schüttelt den Kopf und sucht hartnäckig weiter. Wir kommen an eine kleine Lichtung, und seine Ausdauer wird belohnt. Hier wachsen bunte Blumen aller Art, und Nepo trägt jubelnd einen schönen Strauß zusammen. Er hüpft von Blume zu Blume und wählt sehr sorgfältig aus. Sogar Maiglöckchen hat er gefunden und schleppt jetzt schwer an dem kleinen Strauß. Ich biete ihm an, die Blumen zu tragen, aber das will er selber tun. Nur so schickt sich das für einen Kobold, meint er.
Plötzlich stehen wir vor einer großen Lichtung. Hunderte von Kobolden quirlen in bunten Kostümen durcheinander. Zwei Mädchen kommen uns entgegen gesprungen. Die eine kennen wir. Es ist Peggy in ihrem neuen weißen Kleid mit lila Blumen. Sie fällt Nepomuck jubelnd um den Hals und zerdrückt dabei fast die schönen Maiglöckchen. Das andere Mädchen hat blondes verknotetes Haar und sieht aus wie ein wild gewordener Handfeger. Sie sieht uns mit ihren leuchtenden dunkelblauen Augen neugierig an. „Wer ist denn das?“, frage ich Nepomuck, der inzwischen der glücklichen Peggy seinen Strauß überreicht hat. „Das ist Rapunzel!“, erklärt uns der Kobold mit feierlicher Stimme.
(Auszug aus dem Buch NEPOMUCKS ABENTEUER)
Überall im deutschen Buchhandel erhältlich und natürlich im Karina-Verlag!

©byChristine Erdic

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Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
Mehr Infos unter Meine Bücher- und Koboldecke
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