Sturz einer Göttin

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Zum internationalen Denkmaltag: Ein Denkmal für den Mut

Zum Tag des Denkmals am 18. April wollen wir an ein ganz besonderes Denkmal erinnern: Die sogenannte "Chinesische Göttin der Demokratie" – in der Hoffnung auf ein freies China von Kunststudenten entworfen und in einer gewagten Nachtaktion Ende Mai 1989 errichtet – stand nur wenige Tage lang am Platz des Himmlischen Friedens. Die imposante Botschafterin des Friedens fiel – wie viele Studenten auch – den brutalen Räumungsaktionen der chinesischen Armee zum Opfer. Damit wurde die Aussicht auf eine freie, respektvolle und mitbestimmende chinesische Gesellschaft nachhaltig zunichte gemacht. Die Auswirkungen dieser Aktion sind bis heute spürbar. Sylvia Vetta hat den Widerstandskämpfern von damals in ihrem Roman "Pinselstriche" ein beeindruckendes Denkmal gesetzt!

Für wenige Tage ein Symbol der Freiheit
Ende Mai 1989 errichtete eine Gruppe chinesischer Kunststudenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen) eine 10 Meter hohe Skultptur aus Gips und Pappmaché. Diese "Göttin der Demokratie", wie sie schnell getauft wurde, sollte die Studenten, die seit Wochen auf dem Platz ausharrten und Freiheit und politisches Mitspracherecht forderten, symbolisch unterstützen.
Doch am 4. Juni wurde jegliche Hoffnung auf ein freies China durch die heranrollenden Panzer der Armee zunichte gemacht: Die friedlichen Demonstrationen wurden gewaltsam beendet, die "Göttin der Demokratie" nur zwei Tage, nachdem sie aufgestellt worden war, gestürzt.

Verordnetes Vergessen
Seitdem unterdrückt Chinas Staatsführung systematisch jegliche Art von Freiheitsbestrebungen. Dieses Vorgehen wird durch eine lückenlose Kameraüberwachung und ein Punktesystem, das Menschen für ihr Verhalten belohnt oder bestraft, erleichtert. Aldous Huxley’s (aus unserer Sicht dystopische) Vorstellung einer "Schönen neuen Welt" ist in China längst Realität.
Die Studenten von damals sind eingesperrt und vergessen. Die Erinnerungen an ihr Aufbegehren gegen die Unterdrückung und die darauffolgenden schrecklichen Tage des Massakers – verboten. Offiziell hat, der heutigen KP-Führung gemäß, am 4. Juni 1989 nichts Außergewöhnliches stattgefunden, in Geschichtsbüchern ist nichts darüber zu finden. Demokratie und Mitbestimmung sind im heutigen China weiter denn je in die Ferne gerückt.

Und dennoch…
Dennoch gibt es Menschen, die die Ereignisse – allen Verboten zum Trotz – nicht vergessen wollen, allen voran die Angehörigen der jungen Menschen, die während der brutalen Auseinandersetzungen ihr Leben verloren, die mit ihrem Mut alles riskiert haben, indem sie sich gegen die Obrigkeit aufgelehnt haben.
Diesen Menschen hat Sylvia Vetta mit ihrem Roman "Pinselstriche" ein Denkmal gesetzt. Es ist ein wichtiges Buch, das uns hilft, die Menschen, die sich mit dem rigiden System arrangieren müssen, zu verstehen und das uns deutlich macht, wozu dieses System fähig ist – wie wir aktuell am Beispiel der Unterdrückung der Uighuren erneut erleben müssen.

Ein Denkmal für den Mut der Jugend
Sie erzählt von dem Mut, dem Lebenshunger und dem Willen der jungen Menschen, etwas zu verändern. Aus den Schicksalen fiktiver und realer Figuren spinnt Sylvia Vetta eine Geschichte, die die knisternde Atmosphäre, die enorme Aufbruchstimmung der 1980er Jahre einfängt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe junger Künstler, zu der auch Ai Weiwei und andere inzwischen international bekannte Persönlichkeiten gehören. In heimlichen Treffen organisieren sie illegale Ausstellungen und unterstützen auch die Demonstrationen am Tian’anmen Platz.
Hoffnungsfroh schauen sie in eine Zukunft in Freiheit – bis am 4. Juni der Riegel für die nächsten Jahrzehnte wieder vorgeschoben wird.
Diese Lektüre bewirkt, dass man als Leser Respekt bekommt vor all jenen, die trotz allem versuchen, sich gegen die Herrschaft der KP aufzulehnen.

Wissenswert: Hintergründe zu Buch und Autorin
Die Journalistin und Autorin Sylvia Vetta schreibt seit 1998 für die Oxford Times über Kunst und Antiquitäten. So kam sie in Kontakt mit den Künstlern der "Sterne". Interviews mit deren Gründern, den heute international bekannten Künstlern Qu Leilei, Ai Weiwei und Wang Keping inspirierten sie zu dem Roman "Pinselstriche". Die Hauptcharaktere sind zwar fiktional, doch der Hintergrund der Geschichte greift die historischen Ereignisse des Zeitraums zwischen 1976 und 1989 auf, über die Vetta aus der Perspektive lebenshungriger Jugendlicher voller Hoffnung und Ideale, berichtet. Sie wollte, dass die Menschen mehr über den Mut erfahren, den junge chinesische Künstler – bis heute – in einem System der Unterdrückung mit ihren Aktionen aufbringen!

Erschienen im Drachenhaus Verlag, Esslingen.
VK-Preisempfehlung € 19,00 (D) | € 19,50 (A). ISBN: 978-3-943314-47-2.

Eine Rezension über Sylvia Vettas Roman gibt es hier zum Nachlesen:
https://bbbucherbilder.home.blog/2020/07/08/sylvia-vetta-pinselstriche

Veröffentlicht von:

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