Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hühnerhalter im Kreis Coesfeld – Bildmaterial belegt Tierquälerei

  • Aktualisiert vor4 Monaten 
  • 3Minuten Lesezeit
  • 624Wörter
  • 4Leser (ab 06/2022)

Im Dezember 2021 veröffentlichte das Deutsche Tierschutzbüro Bildmaterial aus einer der letzten Käfighaltungen von Hühnern in Deutschland, der sogenannten Kleingruppenhaltung. Der Betrieb befindet sich in Billerbeck, Kreis Coesfeld (NRW). In engen Käfigen werden die Tiere zusammengepfercht, Auslauf und Tageslicht gibt es nicht. "In dem Betrieb werden rund 100.000 Tiere verteilt auf drei Stallungen gehalten", beschreibt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro e.V. Die Bilder zeigen deutlich, wie sich der Gitterboden in die Hühnerkrallen drückt, Scharren und Picken sind unmöglich. Auch die hygienischen Zustände sind katastrophal: Die Stallungen sind verschmutzt, aus den Kadavereimern quellen Maden. "Unvorstellbar, dass unter solchen Umständen Lebensmittel produziert werden", so Peifer.
 
Die meisten Menschen denken, dass es diese Art der Hühnerhaltung für die Eierproduktion in Deutschland überhaupt nicht mehr gebe, allerdings ist die Käfighaltung von Hühnern weiterhin erlaubt. Verboten hingehen ist die Haltung von Hühnern in Batteriekäfigen. Sie unterscheiden sich von der Kleingruppenhaltung durch die Größe. In der Kleingruppenhaltung hat das einzelne Tier wenige Zentimeter mehr Platz, zudem gibt es Sitzstangen, ein Legenest und einen Scharrbereich. "Was nach etwas mehr Fortschnitt für die Tiere klingt, ist am Ende doch nur heiße Luft. So hat die Industrie die Käfige mit ein paar Stangen als Sitzstange, einer Plastikmatte als Scharrbereich und einem Plastikvorhang als Legenest ausgestattet, doch die Tierquälerei geht weiter", so Peifer.
 
Obwohl das Batterieverbot bereits seit 2010 in Deutschland gilt, leben immer noch rund 2,5 Millionen Hühner im Käfig. Das Verbot der Kleingruppenhaltung soll 2026 kommen, aber auch davon soll es Ausnahmen bis 2029 geben. "Es sind die vergessenen Hühner, weil niemand mehr an sie denkt und sie keine Beachtung mehr erhalten", so Peifer. Hinzu kommt, dass es kein Importverbot von Käfigeiern gibt und ein solches auch nicht geplant ist. Und so werden in Deutschland pro Jahr rund eine Milliarde Eier aus Käfighaltung gegessen. Meist werden die Eier in fertigen Produkten wie Schokoriegeln, Kuchen von der Bäckerei und Eier-Nudeln verarbeitet. "Auch jetzt zum anstehenden Osterfest werden Eier aus der Käfighaltung genutzt, denn den Eier-Stempel gibt es bei gefärbten Eier nicht", so Peifer.
 
In dem Betrieb im Kreis Coesfeld wurden beim Abtransport zum Schlachthof (beim sog. Ausstallen) offenbar mehrere dutzende Tiere übersehen und einfach in der Halle zurückgelassen. Somit hatten die Tiere weder ausreichenden Zugang zu Wasser, noch zu Futter. "Die Aufnahmen zeigen tote Hühner auf dem Stallboden", zeigt Peifer auf. Nach Informationen des Deutschen Tierschutzbüros wurden die Tiere mindestens eine Woche von Ende September bis Anfang Oktober sich selbst überlassen. Ein Tier ist den Tierrechtler*innen besonders in Erinnerung geblieben. Eine Henne, die aus lauter Verzweiflung aus einer kleinen Wasserpfütze in der Halle getrunken hat. Um sie herum lagen bereits verstorbene Tiere. Auch sie war so geschwächt, dass sie zu verdursten drohte. Kurzerhand wurde das Huhn mitgenommen und auf den Namen Frieda getauft. Frieda wurde aufgepäppelt und lebt jetzt auf einem Lebenshof in Sicherheit. Neben Frieda sind auch noch weitere Hühner aus dieser Notlage gerettet worden.
 
Die Tierrechtler*innen haben unmittelbar, nachdem sie die Tiere vorgefunden haben, das zuständige Veterinäramt informiert. Das Amt reagierte schnell, führte nur wenigen Stunden später eine Kontrolle durch und beendete den Missstand. Nach Informationen des Deutschen Tierschutzbüros war der Betrieb den Behörden schon vorher negativ aufgefallen. Zudem erstattete das Deutsche Tierschutzbüro Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Münster, diese hat nun die Ermittlung aufgenommen (AZ AZ 540 Js 4927/21). "Wer diese Tierquälerei nicht unterstützen möchte, sollte keine Eier oder Ei-Produkte mehr essen und sich rein pflanzlich ernähren", schließt Peifer ab.
 
Weitere Informationen unter https://www.tierschutzbuero.de/die-vergessenen-huehner

* * * * *

Publiziert durch connektar.de.

Veröffentlicht von:

Deutsches Tierschutzbüro

An Groß Sankt Martin 6/206
50667 Köln
Deutschland
Telefon: 0221-20463862
Homepage: http://www.tierschutzbuero.de

Ansprechpartner(in): Ingo Schulz
Pressefach öffnen

Firmenprofil:

Das Deutsche Tierschutzbüro hat sich spezialisiert auf das Thema „Tierschutz" und bietet so genannten Nonprofit-Organisationen wie Tier-, Natur- und Artenschutzvereinigungen Hilfestellung bei der Umsetzung von Kampagnen, Aktionen und Veranstaltungen. Das Büro übernimmt für seine Auftraggeber Öffentlichkeits-, Presse- sowie Lobbyarbeit. Des Weiteren sind Fotografen für das Tierschutzbüro tätig, die die Aufgaben haben, Kampagnen und Aktionen bildmäßig zu begleiten sowie tierschutzrelevante Fotos und Videomaterial (z.B. zum Thema Massentierhaltung, Nutztierhaltung, Zoo, Zirkus, Hundehaltung) zu erstellen. Zum weiteren Aufgabenfeld des Tierschutzbüros zählen neben dem „Infobroking" (Informationsbeschaffung) auch Vor-Ort-Recherchen sowie die Aufdeckung von Tierquälerei. Dabei sieht sich das Büro primär als Schnittstelle für Medien, Verbraucher und Vereine. Auch die Verknüpfung mit Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen zur Durchführung von eigenen Kampagnen wird vom Deutschen Tierschutzbüro als Initiator umgesetzt.

Informationen sind erhältlich bei:

Deutsches Tierschutzbüro
Ingo Schulz
An Groß Sankt Martin 6/206
50667 Köln
Info@tierschutzbuero.de
0221-20463862
www.tierschutzbuero.de