Bitterböse Satire

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Als wir das Wort Kohleausstieg vernahmen, nahmen wir das recht gelassen auf, kann so schlimm schon nicht werden. Sahen das wirklich alle Bürger so? bei Erwähnung dieses Wortes stand ein Mann in Niedersachsen senkrecht. Kohleausstieg? Unverschämtheit, das ruft nach Gegenwehr. Spontan buchte er einen Flug zu seinem besten Kumpel, Vladi Destructivus, hier sind einige Fragen zu klären. Unser vom Kohleausstieg betroffener Bürger, Gerhardus Rafffix, kochte innerlich. So nicht und nicht mit ihm!
Am Flughafen empfing ihn eine kleine Delegation. Schon am Flugzeug parkte ein vom Alter gezeichneter Moskwitch. Der Aurus Senat sei leider in Reparatur, aber immerhin konnte man Herrn Rafffix ein landestypisches Auto präsentieren. Mit diesem ging es dann hüpfenden Weges zu seinem Freund Vladi. Unterwegs bot man den netten Herrn Rafffix ein paar Pillen gegen Seekrankheit an, denn diese kann wegen der geschwächten Stoßdämpfer und den nicht minder schlechten Straßen leicht in Erscheinung treten. Doch der fragte ganz unkonventionell nach ner Pulle Bier.
Dann war es so weit. Vladis Palast strahlte wie immer, selbiger stand in der Eingangshalle mit einem Begrüßungssträußchen Vergissmeinnicht. „Herzlich willkommen, lieber Freund. Schön zu wissen, wie ernst es Dir mit unserer Freundschaft auch in schweren Tagen ist.“ Dazu reichte ein Mädchen in Landestracht Brot und Salz, selbstverständlich mit einem großen Glas Vodka zum Nachspülen.
Kurz danach saßen die Freunde im Besprechungszimmer. Vladi begann zu berichten: „Also es ist kaum zu glauben. Da schicke ich zwecks Völkerfreundschaft ein paar meiner Soldaten zum Nachbarn. Kleines Gespräch von Soldat zu Soldat. Natürlich mit ihren militärischen Fahrzeugen, die wir vorher mit Blumenkränzen geschmückt hatten. Busse wären einfach zu teuer gewesen. Prompt regt sich die ganze Welt darüber auf. Dieses Kapitalistenpack ist bestimmt nur beleidigt, weil wir zuerst besonders herzliche nachbarschaftliche Beziehungen ausbauen wollten. Und da kommen die mit Bestrafungen wie Kohleausstieg, wollen keine Kohle mehr von uns.“ Gerhardus Rafffix nickte sorgenschwer. „Ach Vladi, wie gut, dass du darauf zu sprechen kommst. Mir haben die unsere tiefe Freundschaft auch missgönnt. Seit etlichen Tagen kommt für meine Aufsichtsrattätigkeit, neben anderen weiteren Schwerpunkten, keine Kohle mehr auf meinem Konto an. Das geht zu weit.“
Vladi zeigte sich erschüttert, erklärte es mit der Swift-Problematik. Sollte Herr Rafffix es wünschen, stellt man ihm einen riesigen LKW zu Verfügung, dort könnte man seinen Lohn in Rubeln unterbringen, falls er zwischendurch klamm sei. Genug Platz sollte zumindest vorläufig im LKW für die vielen Rubel sein.
Gerhardus lehnte vorsichtig ab. Es sei doch problematisch bei Bezahlvorgängen, Die Neider im imperialistischen Ausland wollen doch keine Rubel, trotz der lupenreinen demokratischen Herkunft. Mit einem Wort: Tragisch!
Nun ist Herr Rafffix nicht nur Vladis Freund, sondern auch Geschäftsmann. Also schlug er vor, seinen Posten im Aufsichtsrat der Energiewirtschaft ruhen zu lassen. Stattdessen könnte er doch Chef des Weltraumprogramms werden. Natürlich mit angemessener besserer Bezahlung. Als internationales Programm werden die Einkommen in Dollar bezahlt, das Kohleproblem somit nicht vorhanden. Vielleicht auch über die in Liebe verbundenen Schweizer Genossinnen die Zahlvorgänge arrangieren? Die in England könnten sich gleichfalls als hilfreich erweisen.
Genau in diesem Moment kam ein unscheinbar aussehender Mann in den Raum, flüsterte Vladi etwas zu, dessen Gesicht versteinerte sich, dann ging der Mann wieder. „Was ist denn los? Schlechte Nachrichten?“ Sein Freund zeigte sich besorgt. Vladi seufzte nur: „ Man soll es nicht für möglich halten. Draußen stehen ein paar Provokateure und schreien antidemokratische Parolen. Da sieht man mal wieder, wohin zu viel Freiheit bei uns führt.“ Gerhardus wollte tröstend ablenken. „Beinahe hätte ich vergessen dir ganz liebe Grüße von Angie Rautenfix und Sarah Besserweis auszurichten. Sie sind in Gedanken oft bei Dir.“ Vladi strahlte jetzt. „Die lieben Mädels, immer voller Verständnis für mich und meine Vaterlandsliebe. Drück sie mal nach deiner Rückkehr ganz fest für mich.“ Fest versprochen, ein Mann und seine Wörter …
Auf der Rückreise ging es noch kurz zu den Pyramiden, wo schon Gerhardus liebe Frau, Kimchi Reisfix, auf ihn wartete. Zusammen erkundeten sie alte Papyrusrollen und bemerkten ein paar Schriftzeichen, die große Ähnlichkeit mit kyrillischen Buchstaben hatten. Begeistert telegrafierte Gerhardus seinem Freund eine bedeutungsvolle Nachricht. Man kann nicht mehr ausschließen, dass dieses Gebiet ursprünglich zu Vladi´s demokratischem Weltreich gehörte. Ein paar Erkundungstruppen sollten das bitte klären und er, Gerhardus, bietet sein umfangreiches Wissen als Vizekanzler an. Bezahlung muss noch verhandelt werden.
Wie sang man doch schon immer?
Der viele Geld allein
Ist doch das höchste Gut auf Erden
Ein Freund, ein guter Freund
Kann man nur mit Bezahlung werden …

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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