Trauer, Sehnsucht und Verzweiflung in Berlin

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Als ich mir selbst die Wahrheit verschwieg
"Es dauert einen Moment, bis ich wach werde." So beginnt ´Als ich mir selbst die Wahrheit verschwieg`, der gerade im Leipziger EINBUCH Buch- und Literaturverlag erschienene Roman der jungen Leipziger Autorin und Musikerin Anna Lena Schöne, in dem sich so ziemlich alles um einen nicht greifbaren und doch allgegenwärtigen Verlust dreht.
Es ist gleichzeitig der erste Gedanke des Wahlberliners Fynn Kühn, einem Musiker und Philosophiestudenten. Und dieser Gedanke weist sogleich den Weg. Denn bei allem Leben, das Fynn umgibt, bei all den Partys und Freunden, dem Saufen und Umherziehen in den Nächten der Stadt, liegt spürbar ein Schatten auf ihm, der ihn eines Tages sich in der Praxis einer Psychologin wiederfinden lässt. Dort trifft er (Zufall oder auch nicht) auf seinen großen Bruder Levin, und dort beginnt auch letztlich die Arbeit an seinem Schatten, beider Schatten, und das Sich-wieder-Finden. Denn beide suchen und vermissen ihre kleine Schwester – Eva.
´Als ich mir selbst die Wahrheit verschwieg´, ist ein Entwicklungsroman, oder auch Coming of Age. Was Fynn vielleicht besser gefallen würde, denn Fynn ist ein Millennial – oder vielleicht doch ein Post-Millennial? Auf jeden Fall einer, der kosmopolitisch aufgewachsen ist, weit über seinen eigenen Horizont interessiert und besorgt ist – linksgrün wird das im Buch einfach genannt – und natürlich Englisch versteht und spricht, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen.
Überhaupt müsste sich Fynn innerhalb seines Horizontes wenig Gedanken machen, könnte sein Studium in Berlin und das WG-Leben mit seinem besten Freund Arno, der Schriftsteller ist und immer einen guten Rat hat oder wenigstens zuhört, genießen. Was er ja auch versucht zu tun. Wäre da nur nicht die vermisste Schwester Eva, dieser Verlust, der Fynn immer wieder auf sich selbst zurückwirft, zu seinem Bruder, den Eltern. Und auch immer öfter in die provinzielle Heimat, in der die Mutter so tun muss, als wäre alles in bester Ordnung, Kuchen reicht und Kaffee, in der aber dem Vater zumindest anzumerken ist, welcher Schatten auf allen lastet. Eine Heimat mit einer geschlossenen Veranstaltung in einer Kneipe mit Geweihen an den Wänden und Bildern aus längst vergangenen Zeiten, Plastikblumen, Jagdutensilien und Menschen, die Mitleid heucheln. Eine Heimat aber auch, die jede Menge Erinnerung in sich trägt und wiedererweckt, unbeschwerte Erinnerungen an eine fröhliche Kindheit, an Seifenkistenrennen, Wasserschlachten, Pläne die Welt zu retten, und an Eva auf dem Fahrrad.
"Es dauert einen Moment, bis ich wach werde." Dieser Satz gilt eben nicht nur für Fynn. Er gilt für seine Eltern ebenso und auch für Levin, den Bruder. Und manchmal braucht so ein Moment Jahre.

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Honorarfreie Verwendung, Beleghinweis erbeten,
455 Wörter; 2989 Zeichen

Veröffentlicht von:

Einbuch-Verlag

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