Die Sorgen um die Sicherung des Lebensunterhalts treibt Menschen in Angst und Depression!

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Die Psychosoziale Sprechstunde in Konstanz berichtet von einer wachsenden Zahl an Hilfesuchenden, die aufgrund der massiv gestiegenen Preise in existenzielle Krisen geraten und nicht einmal mehr das Nötigste bezahlen können. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, angesichts dieser wachsenden Problematik berichtet, melden sich täglich mehrere Menschen bei ihm, die angesichts der Inflation zu massiven Einschnitten in der Alltagsführung bereit sein müssen. Denn oftmals fressen die Energiepreise selbst das Budget für die Lebensmittel auf.

„Das trifft vor allem Personen, die bereits in der Vergangenheit Sozialleistungen erhalten haben. Immer öfter finden sich in den uns zugetragenen Erfahrungsberichten aber auch Bürger, die bislang der Mittelschicht angehörten. Sie sind innerhalb von Wochen auf die Inanspruchnahme von den ‚Tafeln‘ abhängig geworden und sparen an allen Ecken und Enden“, so der 36-jährige, der als Psychologischer, Sozial- und Integrationsberater ausgebildet ist und die unentgeltliche Dienstleistung mittlerweile seit zwei Jahren anbietet. „Wenn Menschen in kurzer Zeit erkennen müssen, wonach ihr bisher ausreichendes Einkommen oder eine ansehnliche Rente dahinschmelzen und jeder Cent im Supermarkt umgedreht wird, entfachen hier nicht selten Zukunftssorgen um das eigene Dasein, die in manifeste Ängste und Depressionen übergehen können“.

Entsprechend rät Riehle vielen Anfragenden, einen Überblick herzustellen: „Auch wenn es für alle schwierig ist, die bisher nicht zu sehr auf die Preise achten und entsprechende Angebote beim Einkaufen berücksichtigen mussten, kann es jetzt durchaus sinnvoll sein, nach Schnäppchen zu suchen und gegebenenfalls auch die Ernährung auf Produkte anzupassen, die derzeit nicht zu stark von der Teuerung betroffen sind. Zugleich gilt es aber, vor allem in den Lebensbereichen kürzer zu treten, die nicht die unmittelbare Daseinsvorsorge betreffen. Kann ich gegebenenfalls auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen? Lassen sich Fahrten durch eine Videokonferenz ersetzen? Sind verschiebbare Reisen dabei? Und nicht zuletzt auch: Welches Potenzial besteht beim Energiereduzieren?“, so Riehle, der unterstreicht: „Nein, wir müssen nicht in der kalten Wohnung hausen. Allerdings kann schon jedes einzelne Grad beim Heizen, Duschen oder Kochen einen Beitrag leisten. Damit üben wir nicht nur eine innovative und nachhaltige Lebensführung im Angesicht der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, sondern betreiben verkraftbares Ressourcenschonen, welches sich nicht zuletzt im Geldbeutel sichtbar macht“. Der Berater regt aber auch an, aus der Angst- und Depressionsspirale zu entbrechen.

„Das ist nicht einfach, zumal die Bedenken ja real sind. Es handelt sich also hierbei nicht um fiktive Sorgen, sondern sie sind allgegenwärtig. Insofern bedeutet diese Tatsache auch, dass wir uns mit mancher Gegebenheit abfinden müssen – nicht allerdings, ohne stets in der Aktivität zu bleiben und damit die Ängste keinesfalls überhand gewinnen zu lassen. Ein Tipp ist vor allem, sich darüber zu informieren, ob es für die eigene Situation nicht sogar Anspruch auf Leistungen des Staates gibt. Ich weiß zwar, dass sich kaum jemand von ihm abhängig machen will und sich vor dem Gang zum Sozialamt schämt. Aber die große Zahl an Bedürftigen im Land macht deutlich: Dieser Umstand ist nicht außergewöhnlich, stattdessen bestehen in einem Sozialstaat berechtigte Anrechte auf Unterstützung durch die Solidargemeinschaft. Denn wir wissen sehr deutlich, dass von der momentanen Situation zahlreiche Menschen profitieren. Sie sind in der Verantwortung, für diejenigen einzustehen, die jetzt von Armut und Ausgrenzung bedroht sind. Ich möchte mich nicht explizit in die politische Debatte einmischen. Nach meinem Verständnis hätte die Bundesregierung aber deutlich mehr fiskalische Möglichkeiten, um der derzeitigen Lage entgegenzuwirken. Das beginnt bei der Erhebung von möglichen Vermögenssteuern, über veränderte Staffelung der Einkommenssteuer, Senkung der Verbrauchssteuern, Erhöhung der Sozialausgaben, Anpassung von Lohnuntergrenzen bis zum Hinarbeiten auf eine Anhebung von Zinsen durch die Zentralbanken“, erläutert Riehle diesbezüglich.

Abschließend führt er aus, dass sich Menschen in psychosozialen Fragen kostenlos an seine Mailberatung wenden können und dort eine erste Orientierung zu Anliegen wie den Voraussetzungen zum Erhalt von möglichen Sozialleistungen, Alltagstipps bei einem klammen Geldbeutel, Ernährungsberatung, Vermittlung an Hilfsangebote zur sozialen Integration oder an Anlaufstellen für Menschen in prekären Lebenslagen, psychologische und seelsorgerliche Beratung, Verhaltenstipps bei Ängsten, Nachhaltigkeitsberatung oder mentales Training bekommen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Beratung keine Rechtsdienstleistung darstellt, Haftung ist ausgeschlossen. Auch dient sie lediglich als Ergänzung und ist kein Ersatz für ärztliche oder therapeutische Maßnahmen. Datenschutz und Verschwiegenheit werden zugesichert. Insbesondere richtet sich das Angebot auch an geflüchtete Menschen. Dennis Riehle ist in Interkultureller Kommunikation und als Flüchtlingshelfer geschult und kann aufgrund seiner Zertifizierung im Sozialrecht auch in solchen Problemlagen mit der Mailberatung entsprechend unterstützen.

Jeder Bürger kann sich – auch überregional – bei Dennis Riehle unter beratung@psychosoziale-sprechstunde.de melden.