Hawaii, musikalische Träume

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  • 9Leser (ab 06/2022)

Sehr, sehr lange ist es her. Reiseträume in den Schlagertexten waren Standard und meist auch noch übertrieben schlimmer als jedes Pauschalurteil. Trotzdem wurden viele Menschen damit beglückt, mehr als träumen konnte man von den beschriebenen Orten meist sowieso nicht, darum fallen auch romantisierte Beschreibungen nicht weiter auf.
Während ich noch so in Erinnerungen schwelgte, fiel mir ein, eigentlich müsste ich mit dem/der einen oder anderen Interpreten/tin mal ein Hühnchen rupfen. Immerhin dauerte es nur wenige Jahre, bis ich die Realisierung romantischer Vorstellungen entromantisieren konnte, auch wenn es mir durchaus vor Ort gefiel.
Beginnen wir mal mit Conny Froboess. Zu Recht sehr beliebt, damals wie heute, trällerte sie in ihrer Teenagerzeit recht unbekümmert vom Holiday in Honolulu, wo die Ho-o-pu-lu-ika-ua-wa-wa-Palmen stehen … Mensch Conny, ich habe die auf allen Hawaii-Inseln gesucht und fand sie nicht. Die Einheimischen guckten mich aufgrund meiner Nachfrage an, als hätten sie einen Irren vor sich. War mir echt peinlich. Alles Deine Schuld!
Deutlich krasser war das Hula-Baby von Peter Kraus. Man stellte sich spontan ein zierliches Girl vor, eine richtige Schönheit im Baströckchen, wie es sich rhythmisch zu den Klängen der Ukulele am Strand bewegt. Also die gibt es schon, aber so selten, dass man sie beinahe einem Museum anbieten kann. Die grausige Realität ist leider häufiger etwas anders. So viele extrem übergewichtige Hula-Menschen habe ich selten gesehen. Männlein wie Weiblein. Lädt man nun ein Hula-Girl zu sich nach Hause ein, ist es ratsam, vorher durch einen Statiker die Bodenbelastung der Wohnung zu überprüfen. Wenn plötzlich so um die 250 Kg Lebendgewicht ihre Hula-Tänze ausführt, ist das sicherlich nicht unproblematisch. Vom Gewicht des Baströckchens und der Blumenkränze mag ich schon gar nicht mehr reden …
Nicht gänzlich falsch lag hingegen Paul Kuhn mit dem Song: Es gibt kein Bier auf Hawaii …, sagen wir mal so: Ich fand dort gelbe Getränke mit dem Namen Bier, aber mehr Ähnlichkeit konnte ich nicht feststellen. Besonders lustig war ein „Oktoberfest“ in Honolulu. Das wässrige amerikanische Bierimitationsgetränk im Maßkrug, so etwas konnte man nur noch als Mutprobe bezeichnen. Ich gebe es zu, ich wurde zum Feigling, Ananassaft schmeckte deutlich besser.
Zwischenzeitlich gibt es sogar schon echte bayerische Biersorten vor Ort, heilt aber nicht meinen Schmerz der ersten Reisen. Hallo Conny, hallo Peter, wie wollt Ihr das wieder gut machen?
Tscha, das sind so Fragen … zum Beispiel auch die aktuell nicht unbekannten Schlagerpiloten. Sie singen von Blue Hawaii. Doublecrossingtwistedtwotimer, wie der Amerikaner sagen würde. Das Wort blue ist so mannigfaltig in seiner Übersetzung, man kann verzweifeln. Dabei ist die Farbe Blau sicherlich die einfachste Erklärung. Kann ich bestätigen, manche Insulaner habe ich ziemlich blau gesehen. Doch war das auch tatsächlich so gemeint? Jungs, klärt mich auf.
Wer nun denkt, Hawaii und Romantik passen nicht zusammen, der irrt. Die Schlagerindustrie ist so vielfältig unterwegs, fast wie eine musikalische Hypnose. Oder wie erklärt man es sich sonst, wenn ein Österreicher Aloha-He singt, sich dazu als Seemann verkleidet und die Fans bekommen vom Fernweh glänzende Augen?!
Bereits jetzt bin ich gespannt auf die neuesten Versionen zu diesem Thema. Vielleicht Beatrice Eggli im Duett mit Roland Kaiser: Es war in Waikiki, im Monat Mai. Auch Dosenbier war mit dabei. Das hat die Bea dann recht schnell geschluckt, ich musste dürsten, was hab ich da geguckt …
Lassen Sie sich Hawaii nicht ausreden, ist schon recht schön dort. Mahalo, Aloha und a hui ho!!!

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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