Hallo Sie, Frau Schwarzmann

  • Aktualisiert vor8 Monaten 
  • 3Minuten Lesezeit
  • 519Wörter
  • 109Leser

Da hat sie wieder einmal zugeschlagen und den Salzburger Stier bei den Hörnen gepackt. Um es mit ihr zu sagen, mir eigentlich wurscht, aber interessant ist´s scho. Martina Schwarzmann, dem Kenner bayerischen Humors ein Begriff, dem Fremdsprachenanfänger für Bayerisch eine schwere, doch nicht unüberwindliche Prüfungsaufgabe. Packn mers, odder?

Also wenn sie so über ihren Mo erzählt, da merkt man sofort, hier ist sogar Liebe im Spiel. Kommt ja heutzutage immer seltener vor. Man sagt ja auch nicht mehr: Möchtest Du mich heiraten, sondern: Magst Du einen Ehevertrag mit mir schließen? Sage sie dann JA von ganzem Herzen, übergibt man die Anschrift des dazu beauftragten Anwalts und hofft, sie fällt auf die juristischen Floskeln herein.

Leider geht bei solchen Verträgen die Romantik etwas den Bach hinab, ist es doch Hochdeutsch geschrieben. Hier bedarf es der Nachbesserung. Kleines Beispiel gefällig? Stellen Sie sich vor, da würde stehen: … wenn Frau XXX den Mann aus eigenem Antrieb verlässt, erlischt der Anspruch auf jegliche Versorgung …

Kling doch total unromantisch, oder? Kann man erheblich besser auf Bayerisch ausdrücken. Wann´s derer Schlampn nimma wull, schickts mer zum Teifi. Nix kriegts, un a Ruh hats! Host mi?
Und SIE bestätigt dann auch mit ihrer Unterschrift ewige Zuneigung, weil er doch so viele Hektar hat und auch sonst, mei, was soll sie auch machen? Im Wirtshaus kenn man sie schon als die Frau die Männertrophäen daheim an der Wand hat. Und neulich war das ganz extrem, da stand in der Presse die Nachricht von einer frei herumlaufenden Ziege, die von der Polizei eingefangen wurde. Wir wissen nicht was passiert ist, doch der Huberbauer hat gesagt: Hoffentlich bleibt´s fort …

Ja, es ist schon manchmal so eine Sache mit der Sprache. Missverständnisse können auftreten, peinliche Situationen entstehen und doch fragt man sich dann: Um was ging es jetzt eigentlich? Stolz muss ich sagen, der Sprachkurs auf der VHS hat sich wirklich gelohnt. Ich war nämlich auch schon mal in den schönen bayerischen Gefilden: Sogar eine Freundin hatte ich mir dort angelacht. Ein hübsches Mädel, sie stammte wohl ursprünglich aus dem Bayerischen Wald, wegen des vielen Holz vor der Hütt´n, aber ich habe das vorbehaltslos tapfer toleriert.

Eine große Liebe war es. Sie können es sich sicherlich vorstellen. Wenn zwei sich liebende Körper zueinander finden …, Herz an Herz sagt man da, wenn ich mich recht erinnere. Dann kam ein Anruf von meinem Chef. Ich soll s-o-f-o-rt zurückkommen, all meine Fehler ausbügeln, die Kollegen weigern sich beharrlich dies zu tun. Schmerzerfüllt nahte der Abschied. Wir standen am Münchner Hauptbahnhof, das Herz war uns schwer. Wir umarmten uns zum Abschied und sie schluchzte: Ja mei, scheiden tut weh. Da war ich froh des lokalen Dialekts mächtig zu sein und antwortete gleichfalls vom Abschiedsschmerz erfüllt: Mei Schwanzl aach …

Sie, Frau Schwarzmann, Bayern sollten auch Hochdeutsch lernen, dess Madr´l war mir danach grantig un I kann wirkli nix dafür … Missverständnisse, wohin man auch schaut.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

Am Krausen Baum 6
40489 Düsseldorf
Deutschland

Avatar Ansprechpartner(in): Ulli Zauner
Herausgeber-Profil öffnen

Firmenprofil:

Ich arbeite ausschließlich als Freelancer

Zuletzt veröffentlicht:

Heizung aus, Palau ruft! - 11.07.2022

Hallo Sie, Frau Schwarzmann - 21.06.2022

Die Frage aller Fragen mal anders - 12.06.2022

Fachkräftemangel real - 01.06.2022

Schlagzeilen, bloß nicht lesen! - 22.05.2022

Der kleine Macher - 09.05.2022

Hawaii, musikalische Träume - 01.05.2022

Ostern steht vor der Tür - 09.04.2022

Änderungen am 01. April - 31.03.2022

ÖPNV zum Nulltarif? Nein danke! - 26.03.2022