Wurzelzwerge, Kobolde und noch so allerlei

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Kinder, seid ihr schon einmal einem Wurzelzwerg begegnet? Nein?! Dann passt gut auf!

Der Wurzelzwerg

Nun sind wir schon einige Tage hier und  erzählen noch immer von dem schönen Fest. Die Kobolde machen uns das Einleben leicht. Sie sind hilfsbereit und immer lustig. Ab und zu verschwindet freilich etwas aus dem Zelt und taucht dann irgendwann wieder auf. Der Schabernack der Kobolde macht auch vor uns nicht halt. Morgens warten unsere kleinen Freunde schon ungeduldig vor dem Zelt, um mit uns zu frühstücken. Das Wetter meint es gut, und die Sonne strahlt nur so vom Himmel.

Aber eines Morgens werden wir von schrillem Geschrei aus dem Schlaf gerissen. Neugierig strecken wir die Köpfe aus dem Zelt, um zu sehen, was da los ist. Eine schrecklich hohe Stimme keift durchdringend etwas in einer fremden Sprache. Dann erst sehen wir etwas kleines Braunes, das wie ein Stück Baumrinde auf zwei Beinen aussieht. Es hat zwei dünne Arme in die Seiten gestemmt und zetert noch immer lautstark. Vor ihm steht eine Gruppe von Kobolden, die sich mit verzogenen Gesichtern die Ohren zuhalten. Einer der Kobolde tritt jetzt ein Stück vor. Seine Ohren glühen dunkelrot vor Verlegenheit. Nepomuck kommt und legt den Finger auf die Lippen. „Das ist ein Wurzelzwerg“, wispert er verängstigt. „Und warum brüllt der so?“, wispere ich zurück. „Siehst du den Kobold dort?“ Ich nicke. „Also, das ist mein Bruder Norbert. Er hat seine Schätze in einem Baumstumpf versteckt, von dem er dachte, er sei unbewohnt. Aber dieser Wurzelzwerg war nur vorübergehend abwesend, weil er seine kranke Mutter besucht hat. Als er zurückkam, war sein Baumstumpf mit allerlei Gedöns, wie er sagt, vollgestopft. Jetzt kommt er sich beschweren.“ Der Wurzelzwerg setzt erneut zum Geschrei an. Es geht an die Schmerzgrenze. „Was passiert denn jetzt?“, frage ich Nepomuck. „Norbert muss den Baumstamm sofort ausräumen und dem Wurzelzwerg einen Gefallen tun, so lautet die Vereinbarung“, bekomme ich zur Antwort. Es stellt sich heraus, dass Norbert dem Wurzelzwerg Würmer für das Mittagessen sammeln soll, eine extrem eklige Aufgabe für einen Kobold, versichert uns Nepomuck. Norbert tut uns Leid, mit gesenktem Kopf schleicht er davon. Der Wurzelzwerg dreht sich um und ich sehe ihn zum ersten Mal von vorn. Er hat ein grimmiges borkiges Gesicht und eine lange rote Nase. Die kleinen schwarzen Augen schauen böse in die Gegend. Ich bin enttäuscht. Unter einem Wurzelzwerg hatte ich mir immer etwas Lustiges mit einer roten Zipfelmütze vorgestellt. Und nun dieser Isegrimm! Wie fröhlich sind dagegen unsere Kobolde! „Sind die alle so?“, frage ich Nepomuck. „Ja, leider. Mit denen ist nicht gut Kirschen essen. Sie können sich wohl selbst nicht leiden, denke ich“, antwortet der Kleine seufzend. „Am besten ist, man geht ihnen aus dem Weg.“

Doch das ist nicht immer so einfach, wie wir schon am nächsten Tag feststellen müssen. Mäxchen will unbedingt ein Eis haben, aber hier gibt es kein Eis. Also rennt er schmollend in den Wald und tritt dort zornig gegen einen hohlen Baum. Später erzählt er uns heulend, dass aus einem Loch in diesem Baum ein kleines braunes Männchen gesprungen sei und ihn ins Bein gebissen habe. Schluchzend zeigt er uns die kleine blutende Bisswunde über dem Knöchel. Daraufhin habe das Männchen furchtbar geschimpft, es sei kaum zu ertragen gewesen. Die schrille Stimme haben wir alle gehört. Armer Maximilian! Statt Eis gibt’s jetzt  bitter schmeckende Koboldmedizin und eine kühlende Salbe für das Bein. „Die Wurzelzwerge sind eine richtige Plage. Nehmt euch vor ihren spitzen Zähnen in Acht!“, warnt Nepomuck. In Zukunft müssen wir im Wald wohl etwas vorsichtiger sein, denke ich. Aber das soll uns nicht die Ferien bei den netten Kobolden verderben, oder? Ach ja, die Kobolde! Niemand kann so feiern wie sie, niemand ist so lustig wie sie, niemand ist so hilfsbereit wie sie. Ich wünschte, wir Menschen hätten ein bisschen mehr von ihrer Leichtigkeit.

©byChristine Erdic

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Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
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