In vielen Familienbetrieben übernehmen Teammitglieder Aufgaben aus Tradition oder Notwendigkeit – nicht aber aus Talent. Warum es sich lohnt, genau hinzusehen, wer welche Stärken hat – und wie das Arbeitsklima und die Ergebnisse gleichermaßen profitieren.
In Familienunternehmen ist vieles besonders: Die Nähe, das Vertrauen, die kurzen Wege. Doch diese Vorteile bringen auch Herausforderungen mit sich – gerade bei der Aufgabenverteilung. Wer übernimmt was? Und vor allem: Warum eigentlich?
„Oft ist es historisch gewachsen“, sagt Markus Urban, Unternehmer und Mitgestalter eines erfolgreichen Familienbetriebs. „Man greift zu, wo Not am Mann ist – weil man zusammenhält. Aber irgendwann spürt man: Das geht nicht auf Dauer. Nicht jeder Job macht für jede:n Sinn.“
Von „funktionieren“ zu „fliegen“
Lange Zeit galt das Prinzip: Jeder macht, was er kann – oder eben, was gerade anfällt. Doch das führt in vielen Teams dazu, dass Stärken brachliegen – und Schwächen zu Dauerbaustellen werden. Das kostet Energie, Motivation und oft auch Qualität.
Die Lösung? Stärkenorientierung.
„Wir haben uns im Familienkreis hingesetzt und gefragt: Was macht dir wirklich Freude? Wo gehst du auf? Und was zieht dir eher Kraft?“, berichtet Urban. Was als lockeres Gespräch begann, wurde zur echten Weichenstellung im Unternehmen.
Eine Familienangehörige, die jahrelang administrative Aufgaben übernommen hatte, weil sie „es halt gemacht hat“, wechselte in den Kundenkontakt. „Sie hat eine unglaubliche Empathie, kann sich in Menschen hineinfühlen, versteht sofort, worum es geht – das war ein echter Gamechanger“, sagt Urban. Ein anderer Kollege mit Liebe zu Zahlen und Struktur übernahm fortan Prozesse, Planung und Controlling.
Das Resultat: Mehr Effizienz. Mehr Freude. Weniger Reibung.
Studien bestätigen den Effekt
Dass diese Herangehensweise wirkt, belegen auch Studien: Laut Gallup sind Mitarbeitende, die ihre Stärken im Job einsetzen können, nicht nur produktiver, sondern auch dreimal zufriedener mit ihrem Leben insgesamt. In kleinen Unternehmen oder familiären Strukturen potenziert sich dieser Effekt – weil die Rollen klarer sichtbar und die Wege kürzer sind.
Wie man als Familienunternehmen loslegen kann
Urban rät dazu, ohne große Theorie zu starten – aber mit ehrlicher Offenheit. Hier seine Tipps:
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Offen reden: In welchem Bereich fühlst du dich wirklich wohl? Was würdest du am liebsten öfter tun – was eher nie?
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Stärken sichtbar machen: Tools wie CliftonStrengths, DISG oder einfach ein moderierter Workshop können helfen.
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Rollen überdenken: Nicht automatisch an alten Strukturen festhalten – wer wo steht, darf sich verändern.
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Freiheit geben: Wer seine Stärken kennt, braucht Spielraum, um sie zu leben. Vertrauen ist der Schlüssel.
Ein starkes Team ist kein Zufall
„Wir dachten früher, wir müssten alles können – jeder alles. Heute wissen wir: Wir müssen uns ergänzen“, sagt Markus Urban. „Das ist keine Schwäche. Das ist unsere größte Stärke.“
Was sich wie ein kleiner Perspektivwechsel anhört, kann für Familienunternehmen zum echten Wachstumstreiber werden – kulturell, menschlich und wirtschaftlich.
Über den Autor:
Markus Urban ist Unternehmer und Teil eines erfolgreichen Familienbetriebs. Auf LinkedIn teilt er regelmäßig Impulse zu moderner Teamführung, Stärkenorientierung und Leadership im Mittelstand.
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