Zheng Yi Sao

Zheng Yi Sao
– Die Piratenkönigin –

Zheng Yi Sao *1775, †1844 in Kanton (Guangzhou) war die wohl bedeutendste Piratenpersönlichkeit der Geschichte. Im Jahre 1810 beherrschte sie einen großen Teil der Südwestchinesischen Küste und kontrollierte 70.000 Piraten auf ca. 1000 Schiffen.

 

Zheng Yi Sao, auch bekannt als Ching Shih (geb. Shi Yang) wurde 1775 in eine arme Familie in Südchina hineingeboren. Aufgrund ihrer armen Verhältnisse wurde sie im Alter von dreizehn Jahren an eines der schwimmenden Bordelle auch bekannt als “Blumenboot” in Kanton (heute Guangzhou) verkauft. Doch nicht lange danach  sollte sich ihr Schicksal um 180 Grad drehen. Schon kurze Zeit später reiste der Piratenkommandant der “Red Flag”, Zheng Yi, nach Kanton, da er von ihrer auffallenden Schönheit und großzügigen Gastfreundschaft gehört hatte, die sich in und um Kanton herumgesprochen hat. Er ließ sie aus dem Bordell entführen, bzw. sie trat seiner Flotte freiwillig bei, so oder so führte es dazu, dass beide im Jahre 1801 heirateten und Zheng Yi Sao ein bedeutendes Mitglied der Flotte wurde. Zu jenem Zeitpunkt herrschten große Spannungen zwischen den von der Tây Son Dynastie (Vietnam) akzeptierten Freibeutern und Quing China. Die rote Flaggen Flotte positionierte sich in jenem Konflikt für die vietnamesische Dynastie, welche im Jahre 1802 jedoch kollabierte. Darauf wurden jene vietnamesische Freibeuter offiziell Piraten, die erst nach drei Jahren Chaos unter dem Guangdong Pakt geeinigt wurden. Dieser Piratenpakt besagte, dass alle großen Flotten in 7 Flaggenfarben unterteilt wurden. So z. B. gehörten die schwarzen und weißen Flaggen dazu, aber auch die Flotte von Zheng Yi – die “Red Flag” oder auch “Rote Flagge” (die mit Abstand mächtigste jener Flotten). Alle Flotten hatten einander die gegenseitige Unterstützung zugesprochen, sollte eine der Flotten angegriffen werden. 

 

Als Zheng Yi im Jahre 1807 bei einem schweren Sturm ums Leben kam, schaffte es Zheng Yi Sao die Kontrolle über die Guangdong Konföderation zu gewinnen und schrieb einen eigenen Verhaltenskodex für Piraten (Anspielungen darauf auch in Fluch der Karibik 3). Dieser Kodex hatte zwar Ähnlichkeiten mit dem Guangdong Pakt von 1805, war jedoch im Grunde ein gänzlich neues Regelwerk. Unter anderem enthielt er auch strenge Regelungen gegen Gewalt an Frauen, welche mit dem Tode bestraft wurde.

Vor Zheng Yi’s Tod adoptierte das Ehepaar einen jungen Mann namens Zhang Baozai, welcher der offizielle Nachfolger der Roten Flaggen Flotte wurde. Insgeheim galt er als Geliebter der Piratenkönigin und führte die Flotte unter ihrem Kommando. Im Jahre 1810 kontrollierten sie den Großteil der Guangdong-Küste und spielten eine entscheidende Rolle in der Besetzung der Chinesischen Gewässer. Mit einer Flottenzahl von knapp 1000 Schiffen und ungefähr 70.000 Piraten und Piratinnen (denn unter Zheng Yi Saos Herrschaft wurden auch eine beträchtliche Zahl von Frauen mit aufgenommen) erreichte die Piratenseemacht in diesem Jahr ihren Höhepunkt in der Geschichte. 

Der Kaiser wollte die Macht jedoch nicht an eine Piratin verlieren und versuchte die Organisation mithilfe von Gewalt unter Kontrolle zu bringen, scheiterte jedoch, da die von ihm entsandte Marine im Angesicht der Piratenflotten wehrlos war. Dementsprechend sah der Kaiser die beste Option darin, den Piraten ein Friedensangebot zu unterbreiten, welches ihnen hohe militärische Posten versprach im Zuge ihrer Kapitulation und der Auflösung der Flotten. Und zu jener kam es dann auch; im April 1810 kapitulierte die rote Flagge und die Vereinigung der Piraten wurde aufgelöst.  Grund dafür war ein Konflikt zwischen den bedeutenden Oberhäuptern Zhang Baozai (Oberhaupt der Roten Flagge) und Guo Podai (Oberhaupt der Schwarzen Flagge) der im Zuge eines Kampfes am Perlfluss nähe Macau ausgetragen wurde und die Destabilisierung der Piratenvereinigung zu Folge hatte. Kurz darauf kapitulierte Guo Podai, gefolgt von Zheng Yi Sao, die ebenfalls im Namen der Roten Flaggen Flotte das Angebot des Kaisers annahm. 

Als auch Zhang Boazai, dem der Kaiser einen hohen militärischen Posten zugesprochen hatte, im Jahre 1822 verstarb, zog Zheng Yi Sao zurück nach Kanton. Dort blieb sie bis zu ihrem Lebensende 1844 und betrieb eine reiche Zahl an Glücksspiel- und Opiumgeschäften. Quellen: 

Text:

https://inside.nku.edu/content/dam/hisgeo/docs/archives/Perspectives%20in%20History%202015-2016.pdf#page=34.  (Beginn S. 38)  (Abruf: 18. 09. 2025) 

https://www.academia.edu/116004936/HANG_Xing_Review_of_The_Golden_Age_of_Piracy_in_China (Abruf: 18. 09. 2025)

https://www.academia.edu/84715317/Pirate_Queen_of_the_China_Seas_Zheng_Yi_Sao_und_die_Piratin_im_Jinghua_yuan_%E9%8F%A1%E8%8A%B1%E7%B7%A3

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