Präsenztreffen Thementisch Reifen-Recycling NRW in Münster: Chancen durch zirkuläre Wertschöpfung

Präsenztreffen Thementisch Reifen-Recycling NRW in Münster: Chancen durch zirkuläre Wertschöpfung vor Ort nutzen

Willich, 26. November 2025. Zirkuläres Wirtschaften ist der Schlüssel für die nachhaltige Transformation von Städten und Gemeinden. Beim ersten Präsenztreffen des AZuR-Thementischs Reifen-Recycling NRW in Münster diskutierten am 18. November über
40 Teilnehmende aus Kommunen, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Chancen, ökonomische und ökologische  Vorteile kommunaler Projekte zirkulären Wirtschaftens in der Region. V
on der zertifizierten Altreifenen­tsorgung über die Nutzung runderneuerter Reifen für kommunale Flotten und die Straßen­sanierung mit Gummiasphalt bis zum Einsatz von Produkten aus Reifen-Gummigranulat im kommunalen Städtebau. Im Fokus der Veranstaltung in den Räumen der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm) standen Best Practices, Fördermöglichkeiten und konkrete Projektansätze für Kommunen.

Gelungene Netzwerkveranstaltung setzte Impulse für die Transformation

Das erste Präsenztreffen des Thementischs Reifen-Recycling NRW zeigte eindrucksvoll:
Städte und Gemeinden Nordrhein-Westfalens haben es in der Hand, zirkuläre Projekte aktiv voran­zutreiben – von der Entsorgung bis zur Beschaffung. Die Veranstaltung lieferte den Teilnehmenden nicht nur frische Impulse, sondern konkrete Ansätze und Fördermöglichkeiten für die Projektumsetzung, was in einem intensiven persönlichen Austausch vertieft wurde.

In der Keynote betonte Cornelius Laaser vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW die strategische Rolle kommunaler Akteure beim Aufbau einer funktionierenden zirkulären Wertschöpfungskette: „Zirkuläres Wirtschaften ist keine Vision mehr, sondern kommunale Aufgabe – von der Beschaffung bis zur Verwertung.“ Laaser resümierte: „Die Circular Economy beginnt vor Ort – in den Städten, Gemeinden und Landkreisen. Mit Netzwerken wie AZuR setzen wir gezielt Impulse und begleiten die Transformation.“

Für Yorick Lowin (Geschäftsführer des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk BRV) war die Veranstaltung „ein inspirierender Austausch rund um die Zukunft der Kreislaufwirtschaft und die zentrale Rolle, die unser Sektor dabei spielt.“

Kommunale Altreifenentsorgung als Fundament der Circular Economy

Die zertifizierte Altreifenentsorgung bildet das Rückgrat einer funktionierenden Reifen-Kreislaufwirtschaft und die zentrale Schnittstelle zwischen Nutzung und Wiederverwertung. Altreifen werden von zertifizierten Fachbetrieben eingesammelt, sorgfältig geprüft, sortiert und der optimalen Weiterverwendung oder Verwertung gemäß der Abfall-Hierarchie zugeführt.

Khaled Daouk von der Reifengruppe Ruhr stellte in einem Impulsvortrag die Erfolgsfaktoren der kommunalen Praxis im Münsterland und Rheinland vor: „Kommunale Verantwortung endet nicht beim Reifenwechsel – sie beginnt dort. Eine zertifizierte, transparente und nachvoll­ziehbare Altreifenlogistik schützt die Umwelt und schafft Rechtssicherheit.“ Zertifizierte Fachbetriebe übernehmen Sammlung, Prüfung und Sortierung – stets entlang der Abfallhierarchie.

Runderneuerte Reifen für kommunale Fuhrparks und ÖPNV

Die Runderneuerung von Reifen ist nicht nur für AZuR-Netzwerk-Koordinatorin Christina
Guth „der Königsweg einer ressourcenschonenden Reifen-Kreislaufwirtschaft. Runderneuerte Reifen verlängern den Lebenszyklus hochwertiger Karkassen, sparen über 60 % der CO2-Emissionen und bis zu 70 % der Ressourcen eines Neureifens ein und tragen dazu bei, Rohstoffbedarf und Abfallmengen deutlich zu senken.“

Wie ressourcenschonende Mobilität in der Praxis funktioniert, zeigten Carsten Sauer (RuLa-BRW) und Günter Ihle (Rigdon) an Beispielen von ÖPNV-Betreibern aus der Region. Runderneuerte Reifen bieten aus Sicht der Betreiber dieselbe Qualität, Sicherheit und Laufleistung wie vergleichbare Neureifen. Der seitliche Profilschutz/Verstärkung der Seitenflanke ist für den Verschleiß im öffentlichen Personennahverkehr durch die hohen Bordsteinkanten zum Ein- und Ausstieg wichtig. Ihle betonte: „Kommunale Fuhrparks haben mit runderneuerten Reifen die Chance, Kosten zu senken und gleichzeitig Umwelt- und Klimaziele zu erfüllen. Das ist echte Kreislaufwirtschaft in Bewegung.“

Bau und Sanierung von Straßen mit Gummiasphalt

Additiviertes Gummimehl aus recycelten Altreifen eignet sich ideal zur Modifizierung von Asphalt und Straßenbaubitumen gemäß E GmBA. Die Aufbringung gelingt ohne Verklebungen oder Verklumpungen. Werden dem Bitumen ca. 15 % des additivierten Recycling-Gummimehls beigemischt, verbessert das die Straßenqualität in vielerlei Hinsicht. Witterungsbedingte Rissbildungen werden ebenso verhindert wie Fugen oder Spurrillen in der Fahrbahn.

Der kommunale Praxiseinsatz von gummimodifiziertem Asphalt wurde von Wolfgang Hilgenroth (Hilgenroth GmbH) und Alexander Borowski (Rotaernum GmbH) vorgestellt. In Sundern-Westenfeld wurde die L686 mit Gummiasphalt saniert. Die Vorteile: weniger Riss­bildung, längere Lebensdauer, niedrigere Instandhaltungskosten. Der Kreis Recklinghausen setzt bereits auf die Technologie. Hier wurden 60.000 Quadratmeter Straße mit gummi­modi­fiziertem Asphalt ausgestattet. Borowski betonte, dass “Gummiasphalt zeigt, wie Abfall zum Rohstoff werden kann – durch innovative kommunale Bauprojekte mit Vorbildcharakter.“

Städtebau mit Recyclingprodukten aus Reifen-Gummigranulat

Wie macht man Städte und Gemeinden nachhaltig klimafit für die Zukunft? Wie lassen sich Abfälle, Emissionen und Verkehrslärm reduzieren? Klimafreundliche Recyclingprodukte aus Altreifen-Gummigranulat lassen sich auf vielfältige Weise im Städtebau einsetzen! Das Produktspektrum reicht von Wandsystemen und Schutzlagen für Gründächer über elastische Fallschutzböden für Kinderspielplätze und Laufbahnen für Sportanlagen bis zu Schallschutz und Verkehrsberuhigung. Die langlebigen, robusten und wetterfesten Produkte tragen zur Flächenentsiegelung bei und lassen sich am Ende des Lebenszyklus erneut verwerten.

AZuR-Netzwerk-Koordinatorin Christina Guth stellte in Münster Beispiele aus dem Städtebau vor. Produkte aus Reifen-Gummigranulat sind “langlebig, pflegeleicht und erfüllen höchste Umweltstandards. Wir sprechen hier von urbaner Kreislaufwirtschaft – mit jedem Quadratmeter Gummigranulat werden CO₂-Emissionen eingespart und gleichzeitig lebenswerter Raum geschaffen.“

Förderprogramme eröffnen nachhaltige Handlungsspielräume

Sabine Widdermann (ZENIT GmbH) gab den Teilnehmenden in Münster einen fundierten Überblick über die vielfältigen Förderprogramme in NRW. Ob Zuschüsse über Ressource.NRW, spezifische Projektförderungen wie CircularCities.NRW oder Kredite durch die NRW.BANK – für kommunale und unternehmerische Vorhaben der Kreislaufwirtschaft stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung. Ihr Appell: „Der Einstieg in die zirkuläre Praxis darf nicht am Geld scheitern. Wer Fördermittel strategisch einsetzt, kann ökologische Wirkung mit ökonomischer Effizienz verbinden.“

Über die Allianz Zukunft Reifen (AZuR)

AZuR engagiert sich seit dem Jahr 2020 europaweit für eine nachhaltige Reifen-Kreislaufwirtschaft. Gebrauchte Reifen sollen möglichst zu 100 Prozent wiederverwendet oder verwertet werden, um Abfälle zu vermeiden, CO2-Emissionen zu senken, natürliche Ressourcen zu schonen und Mensch sowie Umwelt zu schützen.

Über 90 AZuR-Partner aus Industrie, KMU, Handel und Wissenschaft decken alle Sektoren der nachhaltigen Circular Economy von Reifen ab – von der nachhaltigen Neureifen-Herstellung und zertifizierten Altreifen-Sammlung über die Reparatur und Runderneuerung von Reifen bis hin zur mechanischen und chemischen Verwertung der in Altreifen enthaltenen Rohstoffe.

Im interdisziplinären Teamwork werden neue Wege und Lösungen für einen ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Reifen-Kreislauf entwickelt. Dabei kommt den Universitäten im AZuR-Netzwerk eine besondere Bedeutung zu. Diese liefern mit wissenschaftlich fundierten Studien und Forschungen wertvolle Impulse, um den Stoffkreislauf zu schließen.

Im November 2025 hat die Allianz Zukunft Reifen den Sonderpreis „Kooperation“ im Rahmen des erstmals verliehenen NRW-Preises Ressourcenschonung der Effizienz-Agentur NRW (efa) erhalten. Im September 2025 wurde AZuR mit dem Deutschen Award für Nachhaltigkeits-projekte 2025 ausgezeichnet. In der Kategorie „Gesamtkonzept – NPO“ würdigte die Jury das europaweit einzigartige Netzwerk der Reifen- und Recyclingbranche für seine umfassende und praxisnahe Lösung zur Umsetzung einer klimagerechten Reifen-Kreislaufwirtschaft.

AZuR-Netzwerk-Koordinatorin Christina Guth wurde mit dem Recircle Award 2025 in der Kategorie Women’s Award for the Tyre Retreading Sector ausgezeichnet. Im November 2023 erhielt AZuR für die Studie zur positiven Ökobilanz der Runderneuerung den „Europäischen Transportpreis für Nachhaltigkeit 2024“. Das AZuR-Erfolgsmodell der Reifen-Kreislauf­wirtschaft findet weltweit Beachtung. Es kann und soll auf andere Branchen und Abfallströme übertragen werden. Mehr über AZuR erfahren Sie hier: https://azur-netzwerk.de

Pressekontakt:
AZuR-Netzwerk
Christina Guth
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Die Initiative NEW LIFE unterstützt den Einsatz von nachhaltigen Produkten aus recyceltem ELT-Material (ELT = End-of-Life-Tyres). Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern mit Bedacht Neues schaffen. Alten Produkten wollen wir neues Leben einhauchen, und dabei achtsam mit allem Leben auf dieser Erde und mit den natürlichen Ressourcen umgehen.

Partner von NEW LIFE sind Conradi+Kaiser living industries, Estato Umweltservice, Genan, KRAIBURG Relastec, KURZ Karkassenhandel, Melos, MRH und REGUPOL BSW. Gemeinsam hauchen wir ausgemusterten Produkten neues Leben ein und schaffen damit einen echten Mehrwert für Mensch und Umwelt.

Dank seiner vielfältigen positiven Eigenschaften lässt sich das hochwertige und langelebige ELT-Reifenrezyklat auf vielfältige Art nachhaltig einsetzen – beispielsweise im Straßenbau für gummimodifizierten Asphalt, für widerstandsfähige Fallschutzböden auf Spielplätzen, Sportanlagen oder in Seniorenheimen, für langlebige Trittschalldämmungen, Beet-Einfassungen, Außenlampen und vieles mehr.

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