Mit der neuen Winterausgabe espero #12 richtet sich der Blick auf jene unspektakulären Räume, in denen freiheitliche Alternativen bereits heute erprobt werden: Klassenzimmer freier Schulen, basisdemokratische Gruppen, nachbarschaftliche Gemeinschaften oder widerständige Gemeinschaften. Dort, wo Hierarchien infrage gestellt, Verantwortung geteilt und Autonomie im gemeinsamen Handeln erlernt wird, gewinnt die Idee einer gelebten Anarchie konkrete Gestalt – nicht als abstraktes Fernziel, sondern als reale Praxis im Hier und Jetzt.
Ausgehend von dieser Perspektive fragt die Ausgabe nach der Alltagstauglichkeit anarchistischer Ansätze. Der Leitbeitrag von Siegbert Wolf zeichnet ein schonungsloses Bild der gegenwärtigen anarchistischen Szene im deutschsprachigen Raum, die er als gesellschaftlich isoliert und politisch wenig wirksam beschreibt. Sein Weckruf zielt jedoch nicht auf Resignation, sondern auf eine grundlegende Neuorientierung: Anarchistische „Essentials“ müssten in der grundlegenden Grammatik des sozialen Lebens verankert werden – in Beziehungen, Praktiken und konkreten Formen des Zusammenlebens.
Wie solche Prozesse aussehen können, zeigen die Beiträge des Themenschwerpunkts Anarchismus und Pädagogik. Historische Erfahrungen und heutige selbstorganisierte Bildungsprojekte machen deutlich, dass libertäre Pädagogik weniger eine didaktische Technik als eine Beziehungskunst ist: gemeinsames Lernen, getragen von Solidarität, Verantwortung und Freiheit. Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch einen Blick auf das von Kees Boeke entwickelte libertäre Organisationsmodell der Soziokratie, das Methoden herrschaftsfreier Selbstorganisation konkretisiert und präfiguratives Handeln im Alltag erfahrbar macht.
Weitere Beiträge führen von neoanarchistischen Impulsen in den Neuen Sozialen Bewegungen über Beziehungsanarchie als enthierarchisierte Praxis des Zusammenlebens bis hin zu anarchistischen Traditionen bei Erich Mühsam und in antikolonialen Kontexten. Abgerundet wird die Ausgabe durch Buchempfehlungen und einen Filmtipp.
espero #12 lädt dazu ein, Anarchie als Haltung der gegenseitigen Verantwortung und Fürsorge zu verstehen – als Praxis, die Sinn und Hoffnung in alltäglichen Beziehungen stiftet.
Die espero-Redaktion
espero, Nr. 12 – Herausgegeben von Markus Henning und Jochen Schmück. Potsdam: Libertad Verlag, Januar 2026, ca. 360 Seiten, E-Zine (PDF). ISSN (Online): 2700-1598. Open Access (kostenloser Download).
Veröffentlicht von:
edition espero
Postfach 800162
14427 Potsdam
Deutschland
Homepage: https://www.edition-espero.de
Ansprechpartner(in): espero - libertäre zeitschrift
Herausgeber-Profil öffnen
Firmenprofil:
espero ist eine halbjährlich erscheinende libertäre Zeitschrift, die seit 2020 als digitale Open-Access-Publikation (kostenlos) erhältlich ist. Sie bietet Beiträge zu einer Vielzahl anarchistischer Themen, deckt ein breites Spektrum an Perspektiven ab und versteht sich als ein transnationales Forum für den Austausch undogmatisch-libertärer Ideen. Die Zeitschrift espero ist online verfügbar unter www.edition-espero.de und wird von der Deutschen Bibliothek archiviert.Informationen sind erhältlich bei:
Ansprechpartner: Jochen Schmück
E-Mail: news@edition-espero.de














