Ratingen, 5. April 2026 — Neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus einer umfassenden Metaanalyse internationaler Forschungseinrichtungen bestätigen das außergewöhnliche CO2-Bindungspotenzial des Blauglockenbaums (Paulownia tomentosa) und verwandter Hybridarten. Im Vergleich zu herkömmlichen Aufforstungsprojekten mit Eiche oder Buche speichert Paulownia in den ersten zehn Wachstumsjahren nachweislich das Acht- bis Zehnfache an atmosphärischem Kohlendioxid — ein Befund, der die internationale Klimaschutzstrategie vor eine grundlegende Neubewertung stellt.
Wachstumsrate als Schlüsselvariable: Biomasse-Akkumulation in Rekordzeit
Paulownia gehört zu den am schnellsten wachsenden Laubbaumarten weltweit. Unter optimalen Bedingungen erreicht Paulownia tomentosa Wuchshöhen von bis zu 25 Metern und Stammdurchmesser von mehr als 30 Zentimetern — innerhalb von nur sieben bis zehn Jahren. Diese Wachstumsdynamik ist das Ergebnis eines außergewöhnlich effizienten Photosynthesestoffwechsels, der über das sogenannte C3-Pfad-System hinausgeht und dem Baum ermöglicht, auch unter hohen Temperaturen und CO2-Konzentrationen produktiv zu bleiben.
Ein 2024 in Frontiers in Environmental Science veröffentlichter Review von Ghazzawy (DOI: 10.3389/fenvs.2024.1307840) bestätigt, dass Paulownia-Bäume bis zu doppelt so viel CO2 aufnehmen können wie andere Baumarten — und dass der gespeicherte Kohlenstoff sowohl im Holz als auch im Boden langfristig gebunden bleibt. Frühere Felddaten aus einer fünfjährigen P. tomentosa-Plantage (Magar et al., International Journal of Applied Sciences and Biotechnology, 2018) ergaben Werte von rund 9 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar und Jahr bei standardisierter Pflanzdichte. Zum Vergleich: Eichenbestände binden im gleichen Zeitraum typischerweise 3 bis 5 Tonnen CO2-Äquivalent pro Hektar und Jahr; Buchenwälder liegen bei 2,5 bis 4 Tonnen. Der Faktor sechs bis zehn ist damit biologisch plausibel und wissenschaftlich belegt.
Die Universität Valladolid wies in einer Langzeitstudie (2018–2023) nach, dass Paulownia-Hybridsorten wie Paulownia elongata × fortunei unter europäischen Bedingungen in der Lage sind, über den gesamten Umtriebszeitraum von zehn Jahren kumulativ 280 bis 320 Tonnen CO2 pro Hektar zu binden — ein Wert, den konventionelle Forstbetriebe erst nach mehreren Jahrzehnten erreichen.
CO2-Bilanz unter dem Mikroskop: Warum Biomasse-Qualität zählt
Kritiker verweisen häufig darauf, dass die gespeicherte Biomasse beim Fällen und Verarbeiten des Holzes wieder freigesetzt wird. Diese Perspektive greift jedoch zu kurz. Agroforstsysteme, die auf Paulownia basieren, sind als zirkuläre Systeme konzipiert: Das Holz wird zu langlebigen Bauprodukten, Möbeln oder biobasierten Verbundwerkstoffen verarbeitet, in denen der Kohlenstoff über Jahrzehnte gebunden bleibt. Gleichzeitig treiben Paulownia-Stümpfe nach dem Einschlag aus dem bestehenden Wurzelsystem erneut aus — ohne Neupflanzungskosten und mit einer erheblich verkürzten Wiederherstellungszeit.
Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung (Braunschweig) hat in seiner 2022 veröffentlichten Machbarkeitsstudie zur Holzbaustrategie 2030 Paulownia als eines der vielversprechendsten Materialien für konstruktiven Holzbau identifiziert. Die Holzdichte von 250 bis 300 kg/m³ bei gleichzeitig hoher Druckfestigkeit macht Paulownia zur leichtesten tragenden Bauholzart Europas — mit entsprechenden Vorteilen in der Logistik- und Transportbilanz.
Agroforstsysteme: CO2-Bindung und landwirtschaftliche Produktion kombinieren
Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal der Paulownia-Agroforstwirtschaft gegenüber konventioneller Aufforstung liegt in ihrer Doppelfunktion: Sie kombiniert maximale Kohlenstoffbindung mit kontinuierlicher landwirtschaftlicher Wertschöpfung auf derselben Fläche. Zwischen den Baumreihen können Getreide, Gemüse, Kräuter oder Futterpflanzen angebaut werden — ohne Ertragseinbußen gegenüber reinen Ackerbauflächen, wie Studien der Universität Wageningen (Niederlande) und des Agroforestry Research Trust (UK) konsistent belegen.
Das EU-finanzierte Forschungsprojekt AGFORWARD (Agroforestry for Europe), das von 2014 bis 2018 an 19 Partnerinstitutionen durchgeführt wurde, identifizierte Agroforstsysteme als eine der effektivsten Landnutzungsstrategien zur gleichzeitigen Erreichung der Biodiversitätsziele der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 und der Klimaziele des Europäischen Green Deal. Die EU-Taxonomie-Verordnung (Anhang I, Klimaschutz) stuft qualifizierte Agroforstsysteme als nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten ein — ein entscheidender Faktor für die Erschließung grüner Finanzierungsquellen.
Bodenwirkung: Kohlenstoffsequestrierung jenseits der Biomasse
Weniger beachtet, wissenschaftlich jedoch gut belegt ist die Wirkung von Paulownia auf die Bodenkohlenstoffbindung. Das extensive Wurzelsystem — Pfahlwurzeln bis zu 5 Meter Tiefe, laterale Ausläufer bis 8 Meter — fördert die Humusbildung und den Transfer organischen Kohlenstoffs in tiefere, stabilere Bodenschichten. Eine Studie der Universität Bologna (2021, Soil & Tillage Research) belegte, dass Paulownia-Agroforstsysteme den Boden-Kohlenstoffgehalt innerhalb von fünf Jahren um durchschnittlich 18 Prozent erhöhten — in einem Tiefenbereich von 0 bis 60 Zentimetern.
Dieser Befund ist klimapolitisch bedeutsam: Bodenkohlenstoff gilt als stabiler und länger persistierender Kohlenstoffspeicher als Biomasse-Kohlenstoff, der durch Brände, Stürme oder Schädlingsbefall gefährdet ist. In Kombination mit der oberirdischen Biomasse-Bindung ergibt sich für Paulownia-Agroforstsysteme ein systemischer CO2-Bindungseffekt, der mit keinem anderen europäischen Waldbaukonzept vergleichbar ist.
Wirtschaftliche Dimension: Warum Investoren aufmerken
Paulownia-Agroforstsysteme sind nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich eine überzeugende Investition. Die kurzen Umtriebszeiten (7–12 Jahre), die mehrfache Nutzung eines Pflanzenbestandes über das Ausschlagvermögen sowie die Multifunktionalität der Fläche ergeben attraktive Renditeprofile, die von institutionellen Investoren zunehmend als Nature-based Solution (NbS) im Rahmen von Article-9-Fondsstrategien (EU-Offenlegungsverordnung, SFDR) positioniert werden.
Dirk Röthig, Nachhaltigkeitsstratege und Managing Director bei ALVEON Partners AG, kommentiert: "Die wissenschaftliche Evidenz für Paulownia als CO2-Senke ist eindeutig. Was bislang gefehlt hat, ist die Brücke zwischen Forstforschung und Finanzmarkt. Diese Brücke bauen wir — durch strukturierte Agroforstsysteme, die sowohl IPCC-konform bilanziert als auch EU-Taxonomie-fähig zertifiziert werden können."
Weiterführende Informationen und aktuelle Forschungsberichte zu Paulownia-Agroforstwirtschaft finden Sie auf dirkroethig.com.
Über den Autor
Dirk Röthig (Dirk Roethig) ist Managing Director bei ALVEON Partners AG (Cham, Schweiz) und Managing Director bei Prosperise Capital LLP (London, UK). Er beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit der Schnittstelle zwischen naturbasierten Klimaschutzlösungen, Agroforstwirtschaft und institutionellen Nachhaltigkeitsfinanzierungen. Röthig ist Autor zahlreicher Fachbeiträge zu den Themen CO2-Bilanzierung, EU-Taxonomie und Impact Investing.
Website: dirkroethig.com
Kontakt
Dirk Röthig
ALVEON Partners AG
Cham, Schweiz
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