„(Nicht) meine Geschichte?“

An der mehrtägigen Gedenkstättenfahrt, durchgeführt von der Islamischen Gemeinde Röhlinghausen, nahmen insgesamt 26 Jugendliche mit internationaler Familiengeschichte teil.
Zentrale Stationen der Fahrt waren die Gedenkstätten Kazerne Dossin in Mechelen und Fort Breendonk. In Mechelen setzten sich die Teilnehmenden mit der Organisation der Deportationen auseinander, bei denen über 25.000 jüdische Menschen und Roma aus Belgien in Vernichtungslager verschleppt wurden. Anhand von Biografien und historischen Dokumenten wurde deutlich, wie systematisch Entrechtung, Registrierung und Deportation umgesetzt wurden.
Im ehemaligen SS-Lager Fort Breendonk stand anschließend das konkrete Gewalt- und Haftsystem des NS-Regimes im Fokus. Die Jugendlichen erhielten Einblicke in die Bedingungen politischer Gefangener und Widerstandskämpfer und diskutierten die Rolle von Terror und Repression innerhalb der Besatzungsherrschaft.
Besonders eindrücklich schilderten die Jugendlichen ihre persönlichen Erfahrungen vor Ort.
Musab Nazik erklärte:
„In Fort Breendonk, dem ehemaligen KZ bzw. Auffanglager, habe ich einen Tierstall gesehen. Was vielen vielleicht zunächst nicht so schlimm vorkommen würde: Die Tiere hatten ‚Menschennamen‘, während die Gefangenen, die sich um die Tiere kümmern mussten, nur Nummern oder Symbole hatten. Das hat mir gezeigt, wie herabwürdigend und menschenverachtend die Lage und der Zustand dort waren.“
Auch Enes Civak zeigte sich tief bewegt:
„In der Kazerne Dossin waren vier Stockwerke. Je höher man die Treppen hochläuft, desto schlimmere, gewaltsamere und brutalere Bilder sieht man. Nach dem zweiten Stockwerk habe ich mir nicht mehr zugetraut, weiter hochzulaufen.“
Ein besonderer Schwerpunkt der Fahrt lag auf der Frage, welche Bedeutung diese Geschichte heute für junge Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen hat. In Gesprächen, Reflexionsrunden und Begegnungen mit Zweitzeug:innen wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit nicht als „fremde Geschichte“, sondern als gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung verstanden werden kann.
Viele Teilnehmende zogen dabei Parallelen zu aktuellen Entwicklungen wie Ausgrenzung, Hass und gesellschaftlicher Spaltung. Gerade zu Beginn der Fahrt hätten manche Jugendliche noch hinterfragt, warum Erinnerungskultur heute weiterhin so wichtig sei. Die intensive Auseinandersetzung mit den historischen Orten habe jedoch verdeutlicht, dass Erinnern nicht nur Vergangenheitsbewältigung bedeutet, sondern auch eine klare Haltung gegen Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Hetze in der Gegenwart erfordert.
Das Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP), die Bethe-Stiftung sowie die IBB gGmbH.

Veröffentlicht von:

Islamische Gemeinde Herne-Röhlinghausen

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