Strategiemüdigkeit im Mittelstand: Wenn das Geschäft läuft und die Richtung verschwindet

Tom Hill aus Darmstadt diagnostiziert wachsende Distanz zwischen Aktivität und Richtung in deutschen Mittelstandsunternehmen Darmstadt, 19.05.2026 " Im deutschen Mittelstand verschwindet Strategiearbeit als gelebte Disziplin. Eine Werkzeug-Statistik von Bain & Company belegt es nüchtern: 1993 nutzten 88 Prozent der befragten Unternehmen Vision- und Mission-Statements. 2023 sind es noch 28 Prozent. Bei der Szenarioplanung ist der Rückgang ähnlich drastisch " von 70 auf 19 Prozent. Strategieberater Tom Hill aus Darmstadt fasst dieses Phänomen unter einem neuen Begriff zusammen: Strategiemüdigkeit bei gleichzeitigem Erfolgsdruck.

Strategiemüdigkeit ist nach Hills Definition nicht Erschöpfung, nicht Burn-out, nicht Innovationsstau. Sondern eine Distanz, die sich zwischen dem Tun und der Richtung aufgebaut hat. In Erstgesprächen mit mittelständischen Inhabern fällt der Satz häufiger als jeder andere: _"Mein Unternehmen läuft. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich ihm noch Richtung gebe."_

Das Phänomen wird durch eine zweite Statistik verschärft: Bis 2030 stehen rund 186.000 Familienunternehmen in Deutschland vor der Übergabe " 42 Prozent davon ohne Familiennachfolger. Eine Generation Inhaber muss zentrale strategische Entscheidungen treffen, in einer Zeit, in der Strategiearbeit als gelebte Disziplin in der Breite geschrumpft ist.

"Was wuchs, ist Methodenvielfalt. Was schrumpfte, ist Richtungsarbeit", sagt Tom Hill. "Der Methodenkoffer im Mittelstand ist voller geworden " der Maßstab darunter dünner. OKRs, Lean, Agile, Design Thinking: Methoden ersetzen keine Strategie. Sie brauchen sie als Anker."

Distanz statt Krise

Anders als bei einer akuten Strategiekrise sei Strategiemüdigkeit gerade nicht spektakulär, so Hill. Die Geschäfte funktionieren. Die Zahlen stimmen. Aber das, was früher Richtung gab, fühle sich heute pflichtartig an. Strategie-Tage werden seltener, Methoden ersetzen Entscheidungen, Kommunikation wird breiter " und das Bild dahinter bleibt schmal.

Hill verweist auf einen zentralen Begriff aus seinem 2026 erscheinenden Buch _Zukunft.Unternehmen._ (Untertitel: _Warum Strategie erst wirkt, wenn klar ist, wohin_): das Zukunftsbild als Ziel-Horizont, konkreter als eine Vision, vor der Strategie. Anders als klassische Visionen sei es im Alltag prüfbar und gibt Entscheidungen einen Maßstab.

"Strategiemüdigkeit ist kein Methodenproblem", so Hill. "Distanz lässt sich nicht durch mehr Bewegung schließen. Sondern nur durch Richtung."

Diagnose-Angebot

Eine ausführliche Diagnose hat Tom Hill in einem aktuellen Blog-Beitrag unter viewfromthehill.de/blog/strategiemuedigkeit-mittelstand veröffentlicht. Ergänzend bietet Viewfromthehill einen Quick-Check Zukunftsbild an, der Unternehmern in 15 Fragen eine persönliche Standortbestimmung liefert: viewfromthehill.de/quick-check.

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