800 Jahre Geschichte – Historischer Weinkeller öffnet dauerhaft seine Türen

Ehemalige Infirmarie zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Bauwerken ihrer Art in EuropaKloster Eberbach macht einen seiner eindrucksvollsten und zugleich geschichtsträchtigsten Orte dauerhaft für Besucher zugänglich: Der historische, so genannte Hospitalkeller – als einer der schönsten Weinkeller Deutschlands bekannt – kann ab sofort während des regulären Klosterrundgangs besichtigt werden.

Was heute als atmosphärischer Fasskeller beeindruckt, war ursprünglich ein Ort des Lebens, der Krankenpflege und des Abschieds. Die monumentale dreischiffige Halle wurde um 1215/1220 als Infirmarie, als Kranken- und Sterbehaus der Mönchsgemeinschaft, errichtet. Sie zählt zu den außergewöhnlichsten erhaltenen Bauwerken der Zisterzienserarchitektur in Europa. Vergleichbar gut erhalten ist lediglich die Infirmarie der ehemaligen Zisterzienserabtei Ourscamp in Nordfrankreich.

„Mit der Öffnung des Hospitalkellers erweitert Kloster Eberbach sein kulturelles Besuchserlebnis um einen Ort, der Architektur-, Kloster- und Weingeschichte auf einzigartige Weise verbindet", so der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Staatsminister Ingmar Jung. „Gäste können den Hospitalkeller eigenständig entdecken und dabei einen Raum erleben, der mehr als acht Jahrhunderte Geschichte in seinen Mauern trägt."

Architektonisch dokumentiert die Halle eindrucksvoll den Übergang von der Romanik zur Gotik. Während die Fensterlaibungen noch romanische Formen zeigen, spannt sich darüber bereits ein frühgotisches Kreuzrippengewölbe. Über die Jahrhunderte blieb das Bauwerk nahezu unverändert erhalten und besitzt damit einen außergewöhnlichen Zeugniswert mittelalterlicher Architektur.

Erst ab dem frühen 17. Jahrhundert wandelte sich die Nutzung grundlegend: Aus der einst hellen, weiß gekalkten und gut belüfteten Infirmarie wurde ein Weinkeller.

Um konstante Temperaturen zu gewährleisten, wurden die Fenster verschlossen. Das charakteristische schwarze Kellertuch, ein für Weinkeller typischer, vollkommen ungefährlicher, Schimmelpilz, verleiht dem Raum seinen unverwechselbaren Charakter.
Die mächtigen Holzfässer, die den Raum prägen, dienen seit den 1960er Jahren als historische Zeugnisse und erinnern an die große Weintradition Kloster Eberbachs, ohne noch befüllt zu sein. Nur wenige Meter entfernt befindet sich die so genannte „Schatzkammer" von Kloster Eberbach, in der kostbare Raritäten, darunter Weine, die noch von den Zisterziensern gekeltert wurden, lagern.

„Mit dem dauerhaften Zugang zu diesem außergewöhnlichen Zeugnis gotischer Klosterarchitektur möchten wir unsere Gäste in den Bann von Kloster Eberbach ziehen. Damit erweitern wir das Besuchserlebnis um einen weiteren und europaweit bedeutenden Teil unseres Baudenkmals im Sinne unserer Museumsneukonzeption", sagt Julius Wagner, Vorstand der Stiftung Kloster Eberbach. „Der historische Weinkeller erzählt nicht nur von der jahrhundertealten Weinkultur Eberbachs, sondern auch vom klösterlichen Alltag und der Fürsorge innerhalb der Gemeinschaft der Brüder."

Mitvorstand Sebastian Macho, in dessen Verantwortungsbereich vor allem der Erhalt der denkmalgeschätzten Bausubstanz fällt, ergänzt: „Dank der ziel- und lösungsorientierten Abstimmung mit der Denkmalpflege konnte eine neue Zugangssituation geschaffen werden, ohne die die Öffnung nicht möglich gewesen wäre."

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Kloster Eberbach, gegründet 1136 von Bernhard von Clairvaux, besteht bis heute als vollständig erhaltenes Gesamtensemble herausragender Bauten aus Romanik, Gotik und Barock. Im Jahr 1998 wurde die gesamte Liegenschaft vom Land an eine öffentlich-rechtliche Stiftung übertragen, die seitdem die Mittel für Betrieb und Unterhalt selbst erwirtschaftet. Sie finanziert sich über Eintrittsgelder, Spenden, Führungen, Veranstaltungen, Miet- und Pachteinnahmen. Der Schutz und der Erhalt des herausragenden Kulturdenkmals sind die Kernaufgaben der gemeinnützigen Stiftung. Dazu gehören, neben dem aufwändigen Unterhalt und Betrieb der denkmalgeschützten Klosteranlage, die Förderung kultureller Projekte. Der Stiftungsauftrag lautet: Werte erhalten, Zukunft gestalten, Dialog fördern.

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