Eintracht Braunschweigs Defensive zeigt sich in der Generalprobe für den Saisonstart sattelfest
Autor: Jürgen Roland Keuneke (JURO/ IGC-Agentur)
Eine Woche vor dem Saisonstart 2026/2027 der zweiten Bundesliga spielte das neuformierte Team von Eintracht Braunschweig vor knapp 4000 Zuschauern im Eintracht-Stadion sein letztes Testspiel gegen den begischen Erstligisten RAAL La Louviere. Dass es im Endeffekt nach 90 viel umkämpften Minuten ein torloses Unentschieden gab, war ein Verdienst der starken Defensiv-Formationen beider Mannschaften. Die Löwen konnten sich zudem bei ihrem herausragenden Torwart Hoffmann bedanken, der die wenigen ernstzunehmenden Abschlüsse des Gastes sicher parieren konnte. Die Eintracht-Offensive suchte dazu zu wenig den eigenen direkten Abschluss, spielte zu umständlich und hatte auch Pech bei einigen eigenen Chancen.
Braunschweigs Trainer Lars Kornetka, seit der WM in Amerika und dem dortigen Aus der österreichischen Nationalmannschaft nicht mehr in einer Trainer-Doppelrolle (und nun nur noch ausschließlich für den BTSV aktiv), schickte von Anfang an seine voraussichtliche A-Elf für den Saisonstart in Magdeburg auf den Rasen. Nach der Verletzung von Neuzugang Entrup, der eigentlich als Mittelstürmer gesetzt schien, versuchte er diesmal nur noch ein Experiment: Außenstürmer Sané spielte vorne zentral im Strafraum. Ansonsten starteten neben dem aus der letzten Saison schon etablierten Personal die Neuzugänge Katterbach (linker Verteidiger/ ex HSV), di Bernedetto (Achter im Mittelfeld/ ex VfB Stuttgart) und Sturm (Linksaußen/ ex Freiburg). Alle diese Kicker hatten bisher in den vorherigen Testspielen überzeugt.
Der ebenfalls auch im Trainingslager und anderen Testspielen auf sich aufmerksam machende gelernte neue torgefährliche Mittelstürmer Urbich (ex Mönchengladbach) nahm erst einmal auf der Bank Platz, genauso wie sein eigentlicher derzeitige Wettbewerber Mijatovic. Edward Still, der Coach der Gäste aus Louviere, hatte in seinem neu formierten Team Patrick Nkoah im Aufgebot, der in der letzten Saison noch für Braunschweig als Innenverteidiger auf dem Platz stand. Nkoah durfte für den belgischen Erstligisten von Anfang an im Defensivzentrum die Abwehr organisieren.
Es dauerte nur wenige Minuten, bis das Spiel seinen ersten Aufreger hatte. Denn Braunschweigs Abwehrchef Ehlers wusste sich beim ersten nennenswerten Angriff der Gäste zentral vor der Strafraumgrenze nur noch mit einem Foul zu helfen, um den belgischen Stürmer Isah zu bremsen (3. Spielminute). Statt der eigentlich fälligen roten Karte kam der Innenverteidiger hier im Testspiel aber mit einer Verwarnung davon. Das führte aber dazu, dass der sonst so sichere Defensivspieler im weiteren Verlauf des Spieles ein wenig verunsichert und unkonzentriert wirkte. Er profitierte aber davon, dass er in der Innenverteidigung mit Hoti (und später Frenkert) bärenstarke Kollegen hatte, die alle Fehler sicher ausbügelten. Den fälligen Freistoß vor der Strafraumgrenze brachte in der dritten Spielminute der RAAL-Standardspezialist Lutonda zwar auf das Tor, fand dabei seinen Meister aber in Löwen-Keeper Hoffmann.
Braunschweig versuchte, den Ball immer lange in den eigenen Reihen zu halten. Daher stockte das direkte Spiel in die Spitze, so dass es erst in der 7. Spielminute gefährlich für das Tor von Louviere-Keeper Radelet wurde. In einer schönen Kombination von BTSV-Spielmacher Marie und Rechtaußen Opoku bekam Yann Sturm das Leder, als er von links in den belgischen Strafraum zog. Sein Abschluss blieb jedoch in der Innenverteidigung um Nkoah stecken. Beide Teams agierten danach mehr zwischen den Strafräumen, ohne groß die Offensive zu suchen. Allerdings machten links im jeweiligen Strafraum Sturm (auf Braunschweiger Seite) und Isah (für RAAL) mit Tordrang auf sich aufmerksam. Allerdings stellten auch sie beide Keeper nicht großartig auf die Probe.
In der 20. Spielminute war es dann Isah, der die größte Chance des bisherigen Spielverlaufs vergab, als er nach einem tödlichen Pass von Wade allein auf das Braunschweiger Tor zulief. Löwen-Torwart Hofmann kam dabei überlegt aus seinem Tor und grätschte dem belgischen Stürmer im letzten Moment den Ball weg. Flick, Braunschweigs souverän aufspielender Sechser, hatte in der 22. Spielminute ein Tor auf dem Fuß, als er an der belgischen Strafraumgrenze einen zweiten Ball bekam und sofort abzog. Das Leder zischte aber knapp links am RAAL-Tor vorbei!
Nach der Trinkpause zur Hälfte der ersten Halbzeit – die den Spielfluss sichtbar unterbrach – verflachte das Spiel zusehends auf beiden Seiten. RAAL bekam in Minute 29 einen Freistoß zugesprochen, dessen Ausführung von rechts vor dem Strafraum-Eck für Keeper Hoffmann keine große Herausforderung war. In der 40. Minute war Trainer Kornetka zu einer ersten Auswechslung in seiner Innenverteidigung gezwungen, als er den angeschlagenen Hoti vom Platz nehmen und dafür Frenkert bringen musste. Direkt vor dem Halbzeit-Pfiff gab es noch kurz einen Schreckmoment für den Braunschweiger Anhang, als Lutonda – von der Braunschweiger Defensive allein gelassen – im Strafraum von Filet freigespielt wurde. Der gut aufgelegte Torwart Hoffmann vereitelte aber diese große belgische Chance auf den Führungstreffer vorm Gang in die Kabine.
Gleich viermal wechselte der BTSV zur Halbzeit, brach auch das Experiment mit Sané als Mittelstürmer ab. Urbich agierte nun im Sturm-Zentrum, wo er von Anfang an mehr Präsenz zeigte und Gefahr ausstrahlte. Beinahe hätte er in der 50. Spielminute das Führungstor erzielen können, als er eine Freistoß-Vorlage nur denkbar knapp verpasste. Bis zur 60. Spielminute spielte der BTSV nun deutlich offensiver, was auch besonders an der Einwechslung von Mittelfeldmotor Heußer lag, der das Spiel der Eintracht belebte. Aydin brachte in diesem Zeitraum (50. Spielminute) einen gefährlichen Freistoß von links vor dem Strafraum-Eck auf das RAAL-Tor. Der Ball strich denkbar knapp am Gehäuse vorbei, Schlußmann Radelet wäre hier ohne Chance gewesen. In Spielminute 56 hatte auch der eingewechselte neue Löwen-Linksaußen Junior Zé seine größte Chance im Spiel. Eine Rechtsflanke von versuchte er direkt aufs Tor zu bringen – rutschte dabei aber weg. Direkt in der 60. Spielminute ging ein Raunen durch das Stadion, als Isah für das belgische Team einen Weitschuss von der Mittellinie auf das Löwen-Tor abgab, das Keeper Hofmann gerade auf dem Weg zur Strafraumgrenze verlassen hatte. Der Torwart war aber noch rechtzeitig zurück wieder auf seinem Posten, um den Ball zu klären! In der zweiten Hälfte der zweiten Halbzeit waren dann beide Teams mit dem Unentschieden zufrieden. Viele weitere Auswechslungen wirkten sich dazu nicht mehr positiv auf den Spielfluss aus. Da auch der neu eingewechselte Rechtsaußen Gomez seine große Torchance in der 83. Minute nicht zum Führungstor nutzen konnte, blieb es schließlich beim Remis (das beide Mannschaften positiv für den jeweiligen Saisonstart in ihrer Liga mitnahmen). Braunschweig möchte natürlich gern in Magdeburg am kommenden Wochenende wie in der Vorsaison wieder gleich drei Punkte mitnehmen. Dafür muss natürlich in der verbleibenden Trainingswoche an der Oker daran gearbeitet werden, die Offensive torgefährlicher und effektiver zu machen.
Aufstellung Eintracht Braunschweig:
Hoffmann – Aydin (77. Kovacevic), Ehlers, Hoti (40. Frenkert), Katterbach (46. Di Michele Sanchez) – Flick (77. Raebiger) – Marie (87. Wagner), Di Benedetto (46. Heußer) – Opoku (77. Gomez), Sané (46. Urbich), Sturm (46. Zé)
Aufstellung RAAL La Louviere:
Radelet – Delos (90. Benaets), Faye (61. Boukamir), Nkoah (90. Gourville), Okou (61. Lamego) – Ito (61. Tajaouart) – Coulibaly (90. Kerkhofs), Wade (82. Gueulette), Lutonda (82. Kovacs) – Isah (61. Nsingi), Filet (82. Saumare)
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