Museum, jetzt auch erheiternd

Schon als Kind zog es mich ins Museum. Genau genommen, meine Mutter zog mich. Ich war so um die neun Jahre alt, als ich bereits einen zarten Hauch von Bildung vermittelt bekommen sollte. Meine Mutter verschleppte mich damals zur Besichtigung des Welfenschatzes ins Kästner-Museum zu Hannover. Ehrlich gesagt, ich fand es absolut uninteressant und freute mich als die Tour endlich vorbei war. 

Kurz danach hörte ich von einer Moorleiche,  zuvor in der Lüneburger Heide gefunden und nun im Landesmuseum zur Schau gestellt. Das war doch gleich viel, viel spannender. Ich radelte hin, gruselte mich ein wenig und fand mich im Anschluss vor den Terrarien und Aquarien wieder, bestaunte das Leben bunter exotischer Tiere in deren Vielfalt.

Die Jahre vergingen, Museen hatten mich lange nicht mehr gesehen, bis … man mag es kaum glauben, also bis ich plötzlich wieder Freude an einem Museumsbesuch hatte. Natürlich waren es keine Moorleichen mehr, kein Rembrandt und schon mal überhaupt kein Welfenschatz, nein! Es waren die Exponate der ganz besonderen Art, denn ein Museumsbesuch ist nicht nur ernsthafte Bildung. Es ist gelegentlich sogar ein Ort der Belustigung.

Jawohl, manche Ausstellung ist zum Schmunzeln, wobei ein spezielles Museum mich sogar zu einer kleinen satirischen Aktion animierte, Doch davon später. Zuerst einmal zurück zur allgemeinen Heiterkeit eines solchen Besuchs.

Als reisefreudiger Schreiberling führte mich mein Bildungshunger zuerst nach Zagreb. Dort gibt es ein Museum für gescheiterte Beziehungen. Kaum zu glauben, aber wahr. Zu meinem Leidwesen war die Ausstellung jedoch unvollständig. Es fehlte die gusseiserne Bratpfanne, mit der Ludmilla ihren untreuen Mann erschlug.

Das Weihnachtsmuseum in Florida, angefüllt mit einem Übermaß an Kitsch, reizte mich weniger. Auch das Stacheldraht-Museum in USA konnte mich nicht begeistern. So blieb mir Delhi. Dort kann man ein richtiges Bäh-Museum betreten. Über 4500 Jahre Toilettengeschichte gibt es zu bestaunen und als wäre das nicht ausreichend, im Harz steht gleichfalls ein Klo-Museum. Vom Nachttöpfchen bis zu den abstrusesten mittelalterlichen Ideen bezüglich „Hinterlassenschaft“ ist alles vorhanden. Aktuell, so besagt ein Gerücht, also aktuell bemüht man sich um den „Thron“ von Kaiserin Angelique, aber die ziert sich noch. Das ist schade, ganz bestimmt reiften während jener Sitzungen Entschlüsse der Weltpolitik an diesem besinnlichen Örtchen.

Doch nun zum Highlight lustiger Museen. Ich sage nur Reykjavik und das Penis-Museum. Ehrlich wahr, das gibt es. Egal ob vom Walfisch oder Hering, ausgestorbene Trollvermehrungszäpfchen oder humane Exponate, alles da. Selbst von einem Elf!

Genau an diesem Punkt regte sich mein schwarzer Humor. Ich schrieb dem Direktor nämlich sehr höflich einen Brief, in dem ich ihm nach meinem Ableben mein bestes Stück als Spende  für die Ruhmeshalle anbot. Recht blumig schrieb ich ihm, wie schade es doch sei, wenn dieses kostbare Teil eines Tages im dunklen feuchten Grab dahin modert, wo es doch zu Lebzeiten immer so fleißig war und auch vielen, vielen Damen stets eine große Freude bereitete. Natürlich verwies ich auch auf die funktionelle Formgebung, die manchen Designer blass vor Neid werden läßt. Also die Ruhmeshalle wäre schon meine Bedingung. Ich schlug sogar eine Sonderausstellung vor, Titel: Des Knaben Wunderhorn …

Der nette Mann ging dermaßen in seiner Berufung auf, dass er den ironischen Unterton nicht bemerkte. Einen sehr freundlichen und höflichen Brief erhielt ich von ihm. Ich sollte nur das beiliegende Schriftstück von einem Notar beglaubigen lassen, welcher dann auch nach meinem Tod Kontakt zum Museum aufnimmt und alles weitere wird dann von Reykjavik aus veranlasst.

Uff …

Natürlich konnte davon keine Rede sein. Schon der Gedanke einer „Entnahme“ ließ mich erschaudern. So kam es, dass dieses Museum zwar recht bekannt ist, aber aufgrund eines fehlenden Masterteils doch ein klein wenig ein Nischen-Dasein führen muss.

Wo wir schon bei solchen Themen sind, kennen Sie London in seiner Vielfalt? Die Briten haben einen Namen als Exzentriker. Da ist es nur logisch, weil man in der Stadt auch ein Vagina-Museum hat. Ehrlich wahr, nichts bleibt unentdeckt, hier kann man seine Kenntnisse vervollkommnen.

Sehr genau nimmt es übrigens die Stadt Gießen mit ihrem Namen, Selbsterklärlich gibt es daher auch nur dort ein Gießkannenmuseum.

Einen Vogel schießen unsere Nachbarn in Österreich ab. Es gibt tatsächlich einen Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen. Unter anderem zeigt man Beiträge über verwitterte Socken, einen solchen Rundwanderweg als auch eine legendäre Idee aus dem Jahr 2002, eine internationale Einzelsockensammlung … Make Socken great again … Der Skeptiker kann beruhigt sein, für gute Durchlüftung ist gesorgt.

Wer jetzt Entdeckerfieber bekommt, der sollte das Web mal durchsuchen, überall gibt es zahlreiche Kuriositäten in den verrücktesten Museen zu bewundern.  Trauen Sie sich, oder machen Sie selbst ein Museum auf. Playboys könnten ihre Frauensammlung ausstellen, Witwen ihre dahingemordeten Ehemänner, Messies ihre Müllsammlung oder Personalchefs, die massenhaft gefeuerten Mitarbeiter inklusiv der dafür erhaltenen Prämienzertifikate präsentieren. Alles eine Frage der Kreativität, legen Sie los!

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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