Reisen macht frustig

Wer eine Reise macht … der erlebt unglaubliche Geschehnisse. Kaum das ich meine zweite Impfung hatte, zog es mich zumindest ein wenig durch die deutschen Lande. Man soll es nicht glauben, hier erlebte ich in wenigen Tagen mehr als mit einer Kanutour auf dem Amazonas.
Es begann in Potsdam. Zuerst natürlich Sanssouci besichtigen, ein MUSS. Dann kam die Kirche für die Günter Jauch immer freundliche Spenden gibt, ein Spaziergang durch den historischen Cecilienhof und am Schluss das berühmte Holländische Viertel. Genau hier passierte es: Es war ein sonniger warmer Abend. Das Sonnenlicht tauchte die Backsteinbauten in rotes Licht und mir torkelte eine Dame entgegen, die mir irgendwie bekannt vorkam. Schickes grünes Kostüm einer französischen Edelmarke, sang sie lauthals: Wir verbieten einfach alles, singen bumsvallera …, schon war sie an mir vorbei. Noch immer grübelte ich wer es denn gewesen sein könnte, als ich um die Ecke kam. Fröhliche Stimmung eines Biergartens kam in Sichtweite. Über dem Eingang stand ein Schild: Volkswirtschaft!!! Ach, daher kannte ich sie, plötzlich fiel es mir wieder ein. Quasi begegnete ich einer Wirtschaftsfachkraft. Musste ich sofort in mein Reisetagebuch aufnehmen.
Was soll ich sagen, von Potsdam zur Hauptstadt ist es nur ein Katzensprung, ich werde etwas für meine bescheidene Bildung tun und einmal einer Sitzung unserer Spitzenpolitiker beiwohnen. Natürlich nur im abgeschirmten Bereich als passiver Zuschauer. Man sprach über die Rentenproblematik. Einer sagte so, ein anderer Volksvertreter noch mehr so und plötzlich stand die Zahl 70 als Eintrittsalter im Raum. Heftiger Protest der Opposition, in dem Alter muss man die körperliche Leistungsfähigkeit ernsthaft in Frage stellen. Das die Opposition hier völlig falsch lag, erlebte ich wenige Stunden später bei einem Erkundungsausflug. Wirklich alte Menschen liefen sehr behende den Prenzlauer Berg hinauf und hinab. Pausenlos sogar! Von wegen, keine Leistungsfähigkeit mehr. Daran sieht man wieder einmal, Politiker reden total am Leben vorbei.
Köln, auch bekannt als Kölle am Ring, war das nächste Ziel meiner Reise. Eine Stadt mit viel Geschichte, sogar Geschichten, viele Geschichten. Etwas planlos lief ich am Dom vorbei zum Heumarkt. Plötzlich begegnete mir ein seltsam gekleideter Mann. Seinem Outfit, wie man heutzutage so sagt, konnte ich entnehmen, es handelte sich um einen heiligen Mann der noch weitaus heiligeren katholischen Kirche. Das macht neugierig, ich folgte ihm.
Seltsame Sache, er betrat ein Perückengeschäft. Jedoch diskret durch den Hintereingang. Natürlich nutzte ich den Haupteingang, beruhigte den eifrigen Verkäufer mit der Ausrede mich einmal umschauen zu wollen, Onkel Herbert braucht bald eine Perücke. Dann vernahm ich Laute der Verärgerung aus einem Nebenraum. „Exzellenz, selbstverständlich ist das ein bedauerlicher Garantiefall, mir selbst unerklärlich, bitte nehmen Sie meine Entschuldigung an und schließen Sie mich bitte nicht vorläufig von der Beichte aus, ich bin doch Christ.“ Häh? Was geht denn da ab? Ich rückte näher an die Tür, um kein Wort zu versäumen. So vernahm ich die folgenden tragisch geschilderten Worte seiner Exzellenz: „Als ich all meine Perücken bei Ihnen erwarb, ging ich von einer gewissen Haltbarkeit aus. Nun musste ich mir neuerdings öfters die Haare raufen, missgünstige Menschen unterstellten mir die absurdesten Dinge, daher raufte ich mir die Haare immer wieder … als plötzlich alle Haare auf dem Boden lagen. Nennen Sie das etwa Qualität? Wenn ich eines Tages vor meinen Schöpfer trete, dann sicher nicht mit Glatze, so etwas untergräbt mein Ansehen am himmlischen Thron. ER soll einen gutaussehenden Berater neben sich zur Seite haben.“ Der Inhaber, es handelte sich wohl um ihn, tat mir leid. Dunkel erinnerte ich mich, es wird wohl um einige wenige Priester gegangen sein, die ihrer Nächstenliebe zu dynamisch frönten, wogegen unser Perückenträger seiner Amtspflicht Genüge tat und sie im Rahmen einer Beichte frei von aller Schuld sprach.
Der Kölsche an sisch, wie man hier so sagt, hat das rheinisch gelöst. Eine benachbarte Stadt lud ihn wieder aus, mir wolle Disch niet, nur der Dom, der bliev in Kölle … un nun singt man wieder das alte Lied: Am Eijelstein is Musik, am Eigelstein is Tanz, da packt dat dicke Rita, den Rolfi mal am … ich werde alt. Der Reim entfiel mir, sorry.
Bisher hatte ich noch nicht studiert. Dicker Fehler meinerseits. Änderung tut Not. Welches Fach soll es denn sein? Ich überlegte gründlich, wog ab und siehe da, Philosophie musste es sein. Nach meinem sicherlich erfolgreichen Abschluss promoviere ich dann, schreibe ein paar Kinderbücher und dann gehe ich als erfahrener Märchenonkel in die Politik. Karrierenautomatik vom Feinsten.
So reiste ich nach Gommern (Sachsen-Anhalt), mietete mich in einer Studentenbude ein, bis ich plötzlich bemerkte, die haben überhaupt keine Universität. Das war natürlich schlimm für mich. Jedoch bin ich jemand der sich zu helfen weiß und wenn ich mich zu etwas entschließe, führe ich das auch aus. Die Abkürzung der Philosophie hieß Sophie und die werde ich nun gründlichst studieren …
Dauerte nicht sehr lange, als mein Körper mir Erholungsbedarf signalisierte. Vollkommen abgeschlafft kroch ich in mein Auto und wollte zur Heilung in den schönen Bayerischen Wald. Eigentlich war diese Reise erst für das Jahr 2023 geplant, weil es dann ein Jubiläum gibt. 10 Jahre unerwiderte Liebe zu Lucy, jener zauberhaften Dame aus Bayerisch-Eisenstein. Aber ob sie mich jetzt oder erst in zwei Jahren wieder auf ihre kalte Schulter blicken lässt, ist auch egal. Immer wieder schön der lieben Lucy zu begegnen!
Unterwegs zu ihr machte mich die Schwärmerei unaufmerksam, plötzlich war ich im Allgäu, statt die Abbiegung zum Bayernwald zu nehmen. Schade war das ohne jeden Zweifel. Der Praktiker in mir sagte dann aber: Dann fährst Du halt zur Conny. Eine richtige Augenweide und sehr, sehr talentiert ist sie obendrein. Conny, wir erinnern uns, war mal im TV um einem recht eigensinnigen Bauern den Dickkopf zu verdrehen, obendrein ist sie eine der besten Lackiererinni(e)n im ganzen Land. Für einen Mann wie mich absolut die perfekte Bekanntschaft. Ist der Lack mal ab, kann Conny es wieder meisterlich richten! Man beachte übrigens meine Bemühung um eine gendertechnisch korrekte Bezeichnung des Berufs als Lackierer.
Ganz in der Nähe wohnt auch Wilma Feuerstein. Eigentlich stimmt nur der Vorname, doch ihre Verehrung der TV-Serie über die Familie Feuerstein brachte ihr jenen Nachnamen ein. Ob sie in gewissen Momenten immer noch yabadabadoooo schreit, ist mir allerdings nicht bekannt. Lang, lang, zuuuu lang ist es her. W I L M A …..!!!
Unendlich viel Reisegeschichten gäbe es noch zu erzählen, aber das mache ich ein anderes Mal.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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