Unter die Haut: EU-Verbot von Tattoo-Farben bringt Tätowier:innen in arge Bedrängnis

Viele Tätowierer:innen, nicht nur in Niedersachsen, bangen nach der schwierigen Lockdown-Phase erneut um ihre Existenz. Aufgrund einer EU-Verordnung, die im Dezember 2020 verabschiedet wurde, die Tattoo-Branche enorm unter Druck. Ab dem 5. Januar 2022 dürfen laut der REACH-Verordnung einige wichtige Bestandteile, wie bestimmte Konservierungs- oder Bindemittel, nur noch stark begrenzt in Tätowierfarben enthalten sein. Die Grenzwerte hierfür sind so gering, dass die für die Konsistenz und Haltbarkeit der Farben notwendigen Stoffe quasi komplett wegfallen. Betroffen sind aktuell, bis auf wenige Schwarz- und Weißtöne, das komplette Sortiment an Farben. Darunter auch die Farbpigmente ‚Blau 15‘ und ‚Grün 7‘, die in zwei Dritteln aller Tätowierfarben enthalten sind. Deshalb hat sich Torben Briese, Betreiber eines Tattoo-Studios in Gronau (Leine), an die lokale Presse gewandt, um auf dieses existenzgefährdende Problem in seiner Branche hinzuweisen. Denn betroffen sind alle Tätowierer:innen in der EU, die vorhandene Farben dann nicht mehr verwenden dürfen und entsorgen müssen, ohne das eine geeignete Alternative zur Verfügung steht.
Lars Leopold, Landesvorsitzender der niedersächsischen LINKEN und Kommunalpolitiker in der Samtgemeinde Leinebergland hat den Tätowierer in seinem Gronauer Studio besucht, um sich aus erster Hand von einem Betroffenen der Branche zu informieren. „Natürlich wollen wir alle, dass auch bei Tätowierungen möglichst sichere und keine gesundheitsgefährdenden Produkte zum Einsatz kommen. Doch die Zeiten, wo man sich mit gepanschten Farben in Hinterhöfen stechen lassen musste, sind heute doch längst vorbei. Die überwiegende Mehrheit der Tattoo-Künstler:innen arbeitet heute mit Farben, die durch unabhängige Labore geprüft und zertifiziert wurden. Von daher schlägt die EU-Kommission hier über die Stränge, in dem sie Farben verbietet, die bereits seit Jahren ohne nennenswerte gesundheitliche Vorkommnisse verarbeitet wird. Das pauschale Verbot kann auch dazu führen, dass nun weniger gut untersuchte Ersatzstoffe zum Einsatz kommen, die eventuell gesundheitsschädlich sein könnten“, kritisiert Leopold, der selbst auch tätowiert ist, das Vorgehen der EU. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betrachtet die Datenlage zu den betreffenden Farbpigmenten als unvollständig und weist darauf hin, dass etwa die Pigmente ‚Blau 15‘ und ‚Grün 7‘ seit über zehn Jahren in Tätowiermitteln eingesetzt werden, ohne dass Auffälligkeiten bekannt seien. „Der Verband Deutscher Organisierter Tätowierer (DOT e.V.) und der Verband United European Tattoo Artist (UETA e. V.) haben eine DIN-Norm (DIN 17169) initiiert, die bereits existierende Standards europäischer Verbände und Regelungen einzelner Länder vereint. Sich tätowieren zu lassen, war nie sicherer als heute. Doch damit kann es aber schnell vorbei sein, wenn jetzt professionelle Tattoo-Künstler:innen durch das EU-Verbot schwer eingeschränkt werden, aber unprofessionelle Tätowierer:innen die Farben trotzdem weiter benutzen und damit die ganze Branche wieder in Verruf bringen. Das ist garantiert nicht im Sinne der Verbraucher:innen“, ist sich Leopold sicher. „Auch wenn verschiedene Hersteller bereits angekündigt haben, REACH-konforme Farben produzieren zu wollen, ist derzeit noch unklar, wann diese zur Verfügung stehen, welche Farbtöne genau kommen und wie deren Qualität sein wird. Wenn einer ganzen Branche die Arbeitsmittel verboten werden und die innerhalb kürzester Zeit wesentliche Produkte grundlegend neu formulieren muss, ohne sie längere Zeit testen zu können, ist das für mich ein Schritt in die falsche Richtung. Deshalb unterstütze ich die Petition ‚Save the Pigments‘, die der Branche eine angemessene Übergangszeit verschaffen soll, um REACH-konforme Farben zu entwickeln“, appelliert Leopold zur Zeichnung der Petition und macht deutlich: „Nur so kann eine erneute Hängepartie für Tätowierer:innen vermieden werden und Körperkunst auch künftig farbenfroh gestaltet werden.“

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