„Das Fest“ in Karlsruhe lässt einer menschenverachtenden Ideologie freien Raum

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Offener Brief des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg:

Auf dem nach eigenen Aussagen größten Familien- und Musikfestival „Das Fest“ in Karlsruhe hat der Auftritt der Band „Drunken Masters“ für hitzige Debatten gesorgt und zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Nach Auffassung des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener in Baden-Württemberg (LVPEBW) hatte das präsentierte Repertoire der Gruppe und insbesondere das offizielle Video zur Darbietung einen klar menschenverachtenden Charakter: „Dieser Song forciert die Stigmatisierung von psychisch kranken Menschen, indem alle negativen Stereotype bedient und in schockierender Weise präsentiert werden“, empört sich Carina Kebbel aus dem Vorstand des LVPEBW heute. „Ich halte Grund- und Freiheitsrechte für wichtige Rechtsgüter und stehe diesbezüglichen Einschränkungen durchaus kritisch gegenüber. Ein solches Lied – und insbesondere einen solchen Clip – dürften aber meines Erachtens nicht produziert und verbreitet werden“, sagt sie – und hat an Veranstalter, Stadt und Jugendausschuss einen offenen Brief formuliert:

Seit vielen Jahren besuche ich mit großer Begeisterung immer wieder „das Fest“ hier in Karlsruhe – gemeinsam mit Freund*innen und Familienmitgliedern. Ich hatte mich sehr gefreut, dass nun nach der Corona-Pause wieder ein richtiges Fest stattfinden kann und habe mir natürlich gleich für alle vier Tage Karten gekauft.

Der Auftritt von Jan Delay gestern hat eine wunderschöne Fest-Stimmung gezaubert und es war ein wirklich schöner Abend. Dann aber kamen die „Drunken Masters“ auf die Bühne. Diese begeisterten mich musikalisch wenig, aber bei „das Fest“ muss natürlich ein breiter musikalischer Mix angeboten werden, damit für jede*n etwas dabei sein kann. Als dann jedoch ein Refrain von K.I.Z. eingespielt wurde, der lautet „VIP in der Psychiatrie“ war ich einfach fassungslos und fand diesen absolut unmöglich. Hierzu sollte ich vielleicht ergänzend erklären, dass ich seit 12 Jahren als Sozialarbeiterin im Zentrum für seelische Gesundheit hier in Karlsruhe tätig bin, selbst eine psychische Erkrankung habe und mich aus diesem Grund auch seit einem Jahr ehrenamtlich im LVPEBW e. V. engagiere. Auch eine Freundin, die gestern Abend dabei war, war sichtlich irritiert und unangenehm berührt von dieser Textzeile.

Da ich Dinge gerne genau wissen möchte, bevor ich mir dazu eine Meinung bilde, habe ich dann heute Morgen bei „Youtube“ das offizielle Video zu diesem Lied angesehen. Wenn ich dieser Präsentation im Netz glauben darf, dann wurde dieses unmögliche, diskriminierende und verletzende Video von den „Drunken Masters“ produziert.

Bedingt durch meinen beruflichen Zugang sowie meine eigene Betroffenheit, liegt es mir sehr am Herzen, mich für den Abbau bzw. die Reduzierung von Stigmatisierung von Menschen auf Grund einer psychiatrischen Diagnose einzusetzen. Dieses Lied und insbesondere das offizielle Video forcieren meines Erachtens genau diese Stigmatisierung, indem alle negativen Stereotype bedient und in schockierender Weise dargestellt werden.

Ich halte Grund- und Freiheitsrechte für ein wichtiges Rechtsgut und stehe Einschränkungen in diesem Bereich durchaus auch kritisch gegenüber. Ein solches Lied – und insbesondere ein solches Video – dürften aber meines Erachtens nicht produziert und verbreitet werden.

Hierauf haben Sie als Veranstalter eines Festivals natürlich keinen Einfluss – wohl aber darauf, welche Bands und Gruppen Sie bei „das Fest“ in Karlsruhe einladen und auftreten lassen. Ich möchte Ihnen rückmelden, dass ich es in keiner Weise für angemessen oder vertretbar halte, eine Gruppe wie die „Drunken Masters“ auftreten zu lassen. Ich würde mir wünschen, dass Sie in den nächsten Jahren bei der Planung für „das Fest“ gründlicher recherchieren, wen Sie dort auftreten lassen und Ihre Entscheidung entsprechend reflektieren.