An einem Strang

Virtuelles Forum zum Brenner-Nordzulauf konkretisiert Forderungen zu Lärmschutz und ÖPNV

Haar – Lkr. München/ „Perspektive statt Tunnelblick“ lautete das Motto des zweiten landkreisübergreifenden Forums zum Brenner-Nordzulauf in Haar. In der von den Haarer Liberalen am 21. April 2021 organisierten, virtuellen Gesprächsrunde diskutierten zahlreiche Anwohner und politische Vertreter aus den Kommunen entlang des Streckenabschnitts Grafing – München mit dem bahnpolitischen Berichterstatter der FDP-Bundestagsfraktion Torsten Herbst über die in der Metropolregion München zu erwartenden Auswirkungen.

Haars Gemeinderat Dr. Peter Siemsen, der das Forum moderierte, betonte, dass auch für München und seine Umlandgemeinden eine verträgliche Lösung gefunden werden müsse. Diese Steilvorlage griff sein Gemeinderatskollege Peter Pernsteiner aus Zorneding dankend auf. Als Vertreter des Zusammenschlusses von Bürgerinitiativen und Arbeitskreisen Bahnlärm entlang der Strecke des Brenner-Nordzulaufs von Aßling bis München erläuterte er dem Bundestagsabgeordneten Herbst die hierzu formulierten Kernforderungen. „Für Kiefersfelden bis München müssen die gleichen Planungsgrundlagen gelten“, wies er auf Unstimmigkeiten bei den zugrundegelegten Zahlen hin. Dass die festgelegten Planwerte für das Inntal um 100 Güterzüge pro Tag höher liegen als auf dem Streckenabschnitt Grafing – München bezeichnete er als inkonsistent und realitätsfern. Bereits bei diesen optimistischen Planungsständen seien Lärmbelastungen mit gravierenden Auswirkungen auf die Gesundheit der Anwohner zu erwarten, so Pernsteiner. Aufgrund der dichteren Bebauung an den Bestandsgleisen müsse bei einem Ausbau dieser Größenordnung durchgängig Lärmschutz nach Neubaustandard umgesetzt werden.

Neben der Lärmbelastung wurden auch die Auswirkungen auf den ÖPNV kritisch diskutiert. Nach Einschätzung von Kreisrat Dr. Manfred Riederle ist der Verkehrsinfarkt in München und seinen Umlandgemeinden bereits eingetreten. Er stellte klar: „Der Kreistag München-Land hat auf Antrag der FDP beschlossen, weiterhin darauf zu drängen, Mischverkehr zwischen S-Bahnen, Güter- und Fernvekehr auszuschließen und die Weiterentwicklung der S-Bahnverkehre in diesem Streckenabschnitt in jedem Fall sicherzustellen. Dabei ist der Lärmschutz nach Neubaustandard zu gewährleisten.“ Bei einem derart bedeutenden Verkehrsprojekt wie dem Brenner-Nordzulauf erwartet Riederle bürgerfreundliche, lärmschutz- und nahverkehrstaugliche Verkehrskonzepte. In diesem Zusammenhang erinnerte der Ottobrunner Gemeinderat und frühere Kreisrat Dr. Axel Keller noch einmal an die dringende Notwendigkeit eines ÖPNV-Rings im Großraum München, um die Schwächen des aktuellen S-Bahn-Stammstreckenkonzepts aufgrund fehlender Tangentialverbindungen zu beseitigen.

Doch welche Planungsalternativen gibt es für den Brenner-Nordzulauf? Siemsen hakte beim Bundestagsabgeordneten Herbst nach, inwieweit der Ostkorridor Rosenheim – Mühldorf als Alternativstrecke in den Planungsprozess integriert werden könne. Der FDP-Obmann im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur im Deutschen Bundestag empfahl, das gesamte Projekt ins „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz“ (MgvG) aufzunehmen, um die Möglichkeit zu schaffen, sämtliche Änderungen der Verkehrsinfrastruktur per Gesetz zulassen zu können und die rechtliche Position der Kommunen zu stärken.

„Verkehrsprojekte auf der Schiene müssen für und mit den Bürgerinnen und Bürgern vorangetrieben werden. Hier ziehen wir an einem Strang“, formulierte Siemsen das Fazit am Ende des Forums. Um eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln, gehören jetzt aus seiner Sicht alle Handlungsalternativen transparent auf den Tisch. Vielleicht bewahrheitet sich ja auch beim Brenner-Nordzulauf die alte Weisheit: „Viele Wege führen nach Rom“. Zumindest zum Datum des Forums passt sie, schließlich wurde die Ewige Stadt nach der römischen Sagenüberlieferung an einem 21. April gegründet.

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