Mein erstes E-Auto

Zu Anfang hatte ich die Qual der Wahl. Sportlich, sehr sportlich oder Familienkutsche? Hauptsache schick, so dachte ich mir und es wurde am Ende beinahe ein Rennwagen. Natürlich als E-Auto, versteht sich. Spontan schrieb ich Frau Baerbock an, ob sie vielleicht so nett ist und ihren Segen über mein E-Auto spricht. Eine Antwort kam bisher nicht, doch ich grolle ihr keinesfalls deshalb. Sie muss ja immer noch Kanzlerin lernen, so etwas braucht seine Zeit. Dann auch noch die vielen Stunden beim Logopäden, wegen der Versprecher, oder sagt man jetzt Versprechen? Bin etwas verunsichert, die deutsche Sprache ist bekanntlich nicht einfach.
Zurück zum Auto. Auch die Farbauswahl machte mir zu schaffen. Ehrlich wahr. Zuerst in FDP-Gelb, war mir zu auffällig. In Linken-Rot, ach nee, die Farbe ist auch nicht mehr das, was sie einmal wahr. Ganz in Schwarz oder lieber in Blabla-Grau? Dann fand ich meine Farbe. Nur die und es ist alles gesagt: Giftgrün soll es werden. Eine Entscheidung, die starkes Umweltbewusstsein, perfekte neuzeitliche Meinungsausrichtung und fanatische Überzeugung zugleich zum Ausdruck bringt. Leider war das nicht mehr vorrätig. Doch der Verkäufer sicherte mir schnelle Lieferung zu. Sogar bis vor die Haustür. Sehr beachtlich, solch ein Service.
Nun kam der schwierigste Teil des Kaufs. Was kostet mich das? Mein Verkäufer holte weit aus, indem er fragte, ob ich ein normales Ladekabel oder ein Schnellladekabel wünsche. Selbst die Länge gab es in diversen Ausführungen. Ist schon toll, was moderne Technik so alles kann.
Aus unerfindlichen Gründen erwähnte der Mann im Verkaufsgespräch, es gäbe auch noch Verbrennerantriebe. Ja was denkt der denn von mir? Hallo …, soll ich mein Auto woanders kaufen? Nein, beschwichtigte er, lediglich zur allgemeinen Komplettierung der Angebotspalette wollte er es mal erwähnt haben. Persönlich findet er auch, E-Antrieb ist optimal, er möchte mich zu meiner Haltung beglückwünschen.
Also der Preis war, sagen wir es mal so, durchaus angemessen und gerade noch so bezahlbar. Leider ging dieses Haus nicht mit der Zeit. Man akzeptiert keine Kreditkarten, bitte nur Barzahlung.
Mal ehrlich, hat man immer genug Bargeld bei sich? Das dürfte vermutlich eher selten der Fall sein.
Mir widerfuhr das Glück des Tüchtigen. Meine Scheine wechselten den Besitzer, sogar etwas Wechselgeld erhielt ich zurück und nun trabte ich stolz nach Hause, wartete auf die Lieferung meines E-Autos.
Das Geschäft hielt Wort. Nur drei Tage später kam der Postbote und brachte mir mein elektrisch angetriebenes Modellauto inklusiv der Fernbedienung.
Schön war es und wenn nun nochmals irgendein Dussel über die limitierte Reichweite von E-Autos meckert, ich kann den Gegenbeweis antreten. Ohne neu laden zu müssen fährt das Auto vom Arbeitszimmer zum Wohnzimmer, dreht eine Runde im Schlafzimmer, braust durch die Küche und der Akku ist nicht einmal zur Hälfte leer.

Das überzeugt, oder?

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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