Gesellschaftlicher Leistungsgedanke fördert psychische Anfälligkeit und mentale Vulnerabilität

„Psychisch auch einmal Schwäche zu zeigen, ist kein Beinbruch. Viel eher aktiviert solch ein Bekenntnis den Willen zu mehr Resilienz“, befindet der Leiter der bundesweit aktiven Selbsthilfeinitiative zu Zwängen, Phobien und Depressionen, Dennis Riehle (Konstanz), angesichts eines immer weiter wachsenden Leistungsdrucks und ständiger Erwartungshaltungen an das eigene Ich und die Anderen. „Es sind nicht die Bodybuilder dieser Welt, die mit ihrer Kraft überzeugen. Viel eher sind es die Menschen, die mentale Standhaftigkeit beweisen und sich auch in schwierigen Lebenslagen nicht von einem gewissen Grundvertrauen abbringen lassen. Solch eine in sich ruhende Stabilität lässt sich durchaus erlernen, indem wir auf das blicken, was uns resilient macht – und womit wir als anthropogene Wesen ausgestattet sind: Wir haben in der Sozialisation zwar Abstand von Instinkten genommen. Dafür hat sich unsere Fertigkeit zur vernünftigen Umgangsweise mit Ängsten und Sorgen über die Jahrhunderte derart entwickelt, dass wir es wagen können, sie zunächst ungefiltert zuzulassen und uns mit ihnen zu konfrontieren. Das Annehmen der Selbstverständlichkeit von scheinbar unpassenden Emotionen erzeugt Größe, weil wir den Menschen als integer wahrnehmen, sobald er sich seiner Defizite gewahr wird. Lenken wir unsere Konzentration dann auf unsere innere Mitte, eröffnen wir den Zugang zu verborgenen Schätzen, die uns bereits früher dabei halfen, Not zu überwinden und Unvollkommenheit als Herausforderung zu definieren. Entsprechend können wir mental stark sein, wenn wir auf Ressourcen zurückgreifen, die uns schon einmal in den Tiefen des Lebensalltages geholfen haben. Sich dem Können dieser Fähigkeit anzuvertrauen, wirkt wie eine Immunabwehr“, so der Psychologische Berater vom Bodensee in seinem Statement. 

„Wer von einer psychischen Erkrankung heimgesucht wird, vermutet meist, er sei der Einzige mit dieser Krankheit. Das Wissen darum, dass viele andere Menschen davon betroffen sind, kann eine erhebliche Entlastung für den Einzelnen darstellen. Gerade deshalb ist bei seelischen Störungen das Aufsuchen einer Selbsthilfegruppe eine immerwährende Empfehlung. Denn dort kann man entdecken, dass man sich mit dem eigenen Leiden im Kreise vieler anderer Betroffener befindet. Das erleichtert die Annahme der Erkrankung und lässt das schwere Kreuz, das mit der Diagnose einhergeht, auf mehrere Schultern verteilen. Denn das Ansinnen der Selbsthilfe ist es seit jeher, Erfahrungsaustausch zu betreiben, um einerseits das persönliche Päckchen von der Seele zu reden. Andererseits können die eigenen und fremden Erkenntnisse im Umgang mit einer psychischen Störung im Alltag von jedem auf die eigene Lebenssituation umgemünzt werden und damit einen guten Anhaltspunkt und Tipp darstellen, wie sich auch das persönliche Beschwernis leichter ertragen lässt. Daneben sind es die psychosozialen Gesprächsangebote vieler unterschiedlicher Träger, die sich in den Städten und Gemeinden finden, um bei Fragen zu möglichen sozialen Unterstützungsleistungen kompetente Auskunft zu geben. Auch sie sind ein Mosaikstein in unserer Bewältigungskonzeption“, erklärt Riehle, der selbst seit 25 Jahren seelisch erkrankt ist – und ergänzt hierzu: „Unsere Wahrnehmung ist beim Blick auf eine eigene Erkrankung stets verwackelt, weil sie mit der inneren Ablehnung korreliert, die wir gegenüber jeder Form von Beschädigung unserer seelischen Integrität hegen und vorantreiben. Wir neigen dazu, Situationen zu dramatisieren, Assoziationen zu verschieben und Konnotationen bewusst zu beschweren, weil unser psychischer Gesamtzustand eine Verzerrung der Tatsächlichkeit bedingt“, führt der 38-Jährige aus und betont dabei die Bedeutung der kognitiven Verhaltenstherapie.

„Gleichermaßen haben die Sorgen, Ängste, Nöte und Probleme unter einer rationalen und realistischen Sichtweise oftmals kaum mehr Bestand. Deshalb sollte es auch abseits einer verhaltenstherapeutisch angeleiteten Psychotherapie unsere Mühe wert sein, immer wieder neu unsere Position zu hinterfragen und die Einfallswinkel, mit denen wir auf unseren Zustand blicken, regelmäßig zu kalibrieren. Dies gelingt am ehesten mit der Gegenhaltung von wahrhaftigen und unabhängigen Bewertungen von Alltagsmomenten durch eine außenstehende Person, die es schaffen kann, eine Reflexion verschiedener Systeme zu bieten, die wir annehmen oder zumindest als Möglichkeit in Betracht ziehen können. Sofern es uns gelingt, die Perspektive zu verstehen und sie selbst einzunehmen, relativiert sich manch Zuschreibung unsererseits. Dies hilft schlussendlich, völlig übertriebene Erwartungen zu schüren und Enttäuschungen zu vermeiden“, so Riehle, der darüber hinaus erläutert: „Wie bei jeder Krankheit wünschen wir uns auch bei psychischen Problemen, dass sie möglichst schnell wieder verschwinden. Tatsächlich gibt es viele Fälle, bei denen die seelische Erkrankung lediglich als eine Verstimmung temporär andauert und sich beispielsweise durch besseres Wetter schon deutlich aufhellen lässt. Doch nicht selten verlaufen psychische Störungen auch manifest und chronisch, eine Linderung der Symptome ist dann zwar möglich, eine schnelle Heilung scheint dagegen ausgeschlossen. Doch auch dieser Umstand muss uns nicht verzagen lassen, wenn wir uns darauf einlassen, an der Krankheit zu arbeiten und vernünftige Zwischenschritte zu setzen, die wir mithilfe von mannigfaltiger Unterstützung erreichen möchten. Diese Teilabschnitte zu markieren und sie erreichbar zu halten, kann uns wesentlich dabei unterstützen, immer wieder neue Kraft aufzubringen, uns auf Etappen einzulassen und sinnvolle wie vertretbare Erfolge feiern zu können. Seelische Verwundung ist ein langanhaltender Effekt, den wir nicht übereilt lindern können“, befindet Dennis Riehle.

Abschließend sagt er: „Wer sich zu große Schritte vornimmt, wird recht bald enttäuscht – und fällt dann in ein Loch zurück, welches eigentlich schon als überwunden galt. Zwar ist Geduld eine Tugend. Genau deshalb lohnt es sich aber, sie als Prämisse für einen Gesundungsprozess anzuerkennen und trainieren zu lernen. Wenn schlussendlich die Diagnose einer psychiatrischen Erkrankung feststehen sollte, wird die Frage nach dem Umgang damit immer lauter. Letztlich gibt es kein Patentrezept für eine solche Situation, denn jeder von uns spricht auf die verschiedenen Bewältigungsstrategien, mit deren Hilfe wir eine solche Botschaft verarbeiten, ganz unterschiedlich an. Die oben genannten Ansätze stellen eine Auswahl von Selbsthilfemanualen dar, die die professionelle Psychotherapie und die psychiatrische Behandlung ergänzen sollen. Das Eingeständnis, psychisch krank zu sein, steht dabei an oberster Stelle der Liste, die es im Zuge des Umgangs mit der Störung abzuarbeiten gilt. Niemand kann ernsthafte Prognosen über den Verlauf solcher Erkrankungsbilder abgeben. Und doch zeigen die Erfahrungswerte auf, dass eine Aufgeschlossenheit gegenüber der seelischen Problematik zu sehr viel schnellerem Therapieerfolg führen kann. Sobald wir unsere psychische Verfassung als ein völlig normales Abbild unseres seelischen Innenlebens verstehen, werden Zusammenhänge offenbar, an denen es sich produktiv arbeiten lässt. Übermut, Überheblichkeit und der Versuch, sich als unantastbar zu definieren, erschweren dagegen jeglichen therapeutischen Zugang und ziehen eine potenzielle Erkrankung unnötig in die Länge. Daher sei jedem Betroffenen nahegelegt, von manch einem hohen Ross abzusteigen und die eigene Unverwundbarkeit aus Gründen der Außendarstellung, des Rufes oder der Reputation abzulegen. Denn das Eingestehen von Verletzlichkeit ist schlussendlich der einzige Zugang zur Veränderung, weil sich aus Hochmut keinerlei psychische Entwicklung und Entfaltung kreieren lässt“, so der im mentalen Training und Prävention ausgebildete Coach.

Die Psychosoziale Beratung der Selbsthilfeinitiative ist kostenlos über www.selbsthilfe-riehle.de erreichbar.

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