Warten auf 2084

Dies soll die ewig Gestrigen daran erinnern, dass früher längst nicht alles besser war. Am schlimmsten waren aber die Visionen von George Orwell, dunkel und kalt zeichneten sie eine Welt von 1984, die sich aber heute schon ganz anders zeigt. Nun ja, einige unwesentliche Kleinigkeiten scheinen sich ähnlich zu sein, doch auch nur auf den ersten Blick. Nehmen wir einmal das Neusprech-Diktionär. Im Jahr 1984 wurde es genutzt um unliebsame Namen/Begriffe aus der Gegenwart zu entfernen. Schon heute sind wir in unserem Denken viel weiter, natürlich auch besser aufgeklärt. Unser aktuelles Neusprech-Gehabe ist durchdrungen von Empathie, Verständnis als auch Scham über böse Fehler unserer Vergangenheit. Ganz aktuell wäre da das Wort Hawaii-Toast zu nennen! Brutal erinnert es an die Besetzung Hawaii´s durch die damalige Kolonialmacht USA. Wie kann man da noch genüsslich so etwas verspeisen? Dieses Wort muss weg! Curry, auch so ein hässliches Wort, welches von tiefster Verachtung gegenüber Gewürzmischungen, hergestellt durch die damaligen besetzten indischen Völker entstand. Einfach furchtbar. Man möchte sich vor Entsetzen schütteln. Klarer Fall, es fehlt eine Sprachpolizei!
Nicht einmal vor der Kunst macht Rassismus aus jener dunklen Zeit halt. Da singt eine bekannte Sängerin auf offener Bühne vor dem Publikum: Komm Zigan, spiel mir was vor… Ja hallo, geht’s noch? Das Z-Wort in aller Öffentlichkeit? Und was soll er vorspielen? Vielleicht meint man damit noch jugendgefährdende Aktionen? Tief erschüttert verließ ich fluchtartig diesen Ort der menschenverachtenden Darbietung. Also 2084, nach der lange überfälligen Perfektionierung des Diktionärs, wird es das hoffentlich niemals mehr geben.
Stolz kann ich berichten, ich meldete das Wort Vegan zur Löschung an. Auf den ersten Blick harmlos, geht es doch um den fleischlosen Genuss der Nahrungsaufnahme durch Pflanzen. Genau hier liegt nun die Tücke! Pflanzen sind auch Lebewesen, die wir brutal zerkauen, lebendig!!! Die von uns bisher verspeisten Tiere werden dadurch überhaupt nicht geschützt, denn wir essen unserem Essen das Essen weg … Denken Sie einmal darüber nach, bevor Sie wieder leichtfertig einen Grasbüschel zerkauen! Greifen Sie lieber zu Soylent Green!
Ein weiterer Fehlschluss suchte Orwell heim, sprach er doch vom großen Bruder. Nein, glücklich können wir sagen, haben wir nicht. Unsere große Schwester ist aber ne ganz Liebe. Damit wir uns bei ihrem Anblick nicht erschrecken, trägt sie aus Rücksicht immer einen Niqab, das angesagteste Modeteil der Neuzeit für die Dame von Welt.
Erinnern Sie sich noch an die zahlreichen elektronischen Wecker? Ganz Deutschland erklang am Morgen zwischen pieeeep, dong dong oder Tschakka-Tschakka Rufen. Ein Graus, nicht wahr? Durch umsichtige Politik wird das eventuell sogar noch vor 2084 beendet sein. Zeitgleich, also quasi synchron im ganzen Land, ruft dann der Muezzin pünktlich am frühen Morgen vom Minarett zum Gebet in der Moschee. Jawohl, Die Gläubigkeit wird zunehmen und ein Gläubiger ist längst nicht mehr der, welcher Geld einfordert, sondern nur tiefer Verehrer einer als besonders sanft geltenden Religion.
Früher, als es noch diese furchtbaren Verbrenner-Autos gab, war die Sicherheit in der Bevölkerung weitaus geringer als heute, 2084 wird sie allgegenwärtig sein. Wir erinnern uns an Verbrecher wie Baader-Meinhof und dessen Bande? Das funktionierte nur deshalb, weil die Reichweite jener Fahrzeuge ziemlich groß war. Überall kamen sie schnell hin. Klug wurde das unterbunden, indem man die E-Autos einführte. Bei all dem Zeitaufwand zum Nachladen bleibt keine Zeit mehr, um Verbrechen zu begehen. Ein wahrhaft meisterlicher Schachzug einer vorausschauenden Führungsriege. Reinhard Mey will aus Anerkennung dazu sein altes Lied … Es gibt keine Maikäfer mehr … umtexten. Jetzt singt er … Es gibt keine Fluchtautos mehr, dem Bankräuber macht man es schwer … . Was für eine schöne Zeit kommt da auf uns zu!
Eine Reform der Begrüßung unter den Ureinwohnern Deutschlands nimmt endlich Formen an. Angewandte Integration ohne Reue. Grüßte man früher mit Moin, Hallo, Guten Morgen, Grüß Gott usw., gleicht man sich nun an. Mühselig war das bisher, in jeder Gegend musste man die passende Anrede suchen. Jetzt genügt ein kurzer Blick auf sein Gegenüber und ein: „Eh, was guckst Du?“ ist die aktuelle Höflichkeitsform. Schon lange überfällig, nicht wahr? Ein Gruß, der von allen Bürgern gleich verstanden wird. Man antwortet dann ebenso höflich: „Grüss Deine Brüder …“
Und nun das Schönste überhaupt. Die allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung von 10 Km/h im Stadtverkehr öffnet dem Verkehrsteilnehmer neue Erlebniswelten. Vorher wusste doch niemand wie viel Fenster das Hochhaus einer Versicherung hat, oder ob Putzfrau Lilian nackt die Fenster putzt. Jetzt geht das, man fährt ja gemächlich vor sich hin, wirft seine Blicke umher, schon gibt es fantastische Fahrerlebnisse. Mal ehrlich, hätten wir früher übersehen, oder? Und wenn man mit der gleichen Geschwindigkeit über die Autobahn ins Grüne braust, kann man sogar während der Fahrt ein paar Blumen für die Lieben daheim pflücken.
Ich frage mich ernsthaft, was hat sich George Orwell damals nur dabei gedacht, sein furchtbar düsteres Zukunftsbild zu malen?
Vielleicht liegt es am menschlichen Verständnis im Allgemeinen. Mir passierte es nämlich einmal, dass ich bei einer geplanten Kunstaktion abgeblitzt bin. Ich wollte unbedingt noch berühmter als Christo, der Verpackungskünstler, werden. Also schrieb ich den Bundestag an, erklärte meine kreativen künstlerischen Ideen, die sogar noch sensationeller waren als die Verhüllungen durch Christo. Ich wollte es provokativ gegensätzlich mit Enthüllungen toppen, da kam eine knallharte Ablehnung … , keinerlei Förderung … , verstehe ich bis heute nicht!
Zurück zu Orwell. Einen Televisor, wie in seinem Buch beschrieben, gibt es in dieser Form heutzutage nicht, die Technik hat sich deutlich weiterentwickelt. Heute gibt es Smartphones, doch wie auch im Buch, werden die Erwachsenen von den Kindern beobachtet. Als Falk S. gerade mit letzter Kraft seinen ehelichen Pflichten nachkommen wollte, standen plötzlich seine Kinder im Schlafzimmer. Sohn Dirk hielt sein Smartphone in der Hand, blickte kurz prüfend auf einen dort laufenden Film und sprach: „Papa, Du machst alles ganz falsch …“
Obwohl laut Orwells Aussage eines seiner Antagonisten Unwissenheit Stärke bedeutet, könnte hier exakt in diesem Moment das Gegenteil eingetreten sein.
Kann 2084 nur besser werden, ganz sicher sogar. Freuen wir uns darauf! Es wäre sogar möglich, dass dann die Vernunft regiert, auch wenn das aktuell schwer vorstellbar ist. Bevor sich aber nun ein Leser verzweifelt die Haare rauft, Politik und Vernunft im Einklang ist sicherlich nur ein Gerücht! Ganz sicher sogar!

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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